14. Januar 2021 / 12:16 Uhr

Harte Prüfung für Leipzigs Sportvereine: Pandemie hinterlässt erste Spuren

Harte Prüfung für Leipzigs Sportvereine: Pandemie hinterlässt erste Spuren

Kerstin Förster
Leipziger Volkszeitung
Der Breitensport ist vom Lockdown stark betroffen. Zahlreiche Vereine beklagen einen Mitgliederschwund.
Der Breitensport ist vom Lockdown stark betroffen. Zahlreiche Vereine beklagen einen Mitgliederschwund. © Christian Modla
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Mit der zweiten Corona-Welle herrscht Ebbe statt Flut: Erste Sportclubs in Leipzig beklagen schwindende Mitgliederzahlen im Amateursport – vor allem im Kinderbereich. Noch in diesem Jahr könnte der Einbruch die Vereine deutlich härter treffen.

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Leipzig. Das Sundschwimmen vor der Insel Rügen ging 2020 coronabedingt offiziell baden. Doch ein achtköpfiges Team vom Post SV Leipzig tauchte Anfang Juli dennoch am Strelasund auf. „Wir haben das aus der Kalten gemacht, von Stralsund zur Insel Rügen und wieder zurück, einfach zügig durch. Das musste sein“, erinnert sich Uwe Bodusch (42) an ein Stück Normalität im komplizierten Jahr. Der Vereinschef arbeitet seit 24 Jahren mit Herzblut ehrenamtlich und hat die aktuellen Mitgliederzahlen parat.

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Sorge um Zukunft der Kids

Zum 1. Januar 2021 sind 570 Postler notiert, 100 weniger als zum gleichen Zeitpunkt im Vorjahr – es betrifft zu 84 Prozent den Kinderbereich. Laut Uwe Bodusch sollten am 1. November 2020 fünf Anfängerkurse für Nichtschwimmer (Vorschule) beginnen. Alles war vorbereitet, dann kam die zweite Welle – doch leider nicht im Wasser.

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Der neuerliche Lockdown bedeutete: Schwimmhallen dicht. „Das kann man auch nicht nachholen, denn wir haben ja nicht plötzlich mehr Wasserfläche und mehr Trainer“, skizziert Bodusch die Problematik. Auch um die Zukunft der Kinder im Nachwuchstrainingszentrum machen wir uns große Sorgen. Auch dort hätten wir uns Lösungsansätze gewünscht. „Eine Schwimmhalle in der Stadt hätte doch für den Vereinssport öffnen können. Wir haben schließlich eine soziale Verantwortung für unsere Kinder“, betont Bodusch, einst schnellster Feuerwehrmann der Welt. Auf seine Anfrage hieß es von Seiten der Sportbäder Leipzig GmbH, dass die vorgeschlagene Variante aus wirtschaftlichen Gründen nicht gerechtfertigt wäre.

Der große Einbruch kommt 2021

Der Post SV Leipzig ist einer von 4.447 Vereinen im Landessportbund Sachsen (LSB), mit 675.000 Mitgliedern (Stand 1.1.20) die größte Bürgerorganisation im Freistaat. Die Pandemie wird in rückläufigen Zahlen ihre Spuren hinterlassen. „Wir sind bei der Bestandserhebung und werden Ende Januar den Überblick haben. Aber ich rechne mit vier bis fünf Prozent weniger Mitgliedern“, sagte LSB-Generalsekretär Christian Dahms auf SPORTBUZZER-Anfrage. Seine Vermutung durch die aktuellen Einschränkungen: Viel schlimmer werde der Einbruch in diesem Jahr.

Nur die Profis und Halbprofis dürfen ran. Ist in Ordnung, findet Dahms, doch er wünscht sich, dass die Stimme des Breitensports auch gehört wird. Das Ehrenamt: Unbezahlbar und der von der Politik so oft beschworene soziale Kitt. „Es geht nicht darum, den Sport gänzlich zu öffnen. Aber Vereine und Verbände, die sich Gedanken gemacht und Geld in Hygienekonzepte und -maßnahmen investiert haben, sollten im vertretbaren Rahmen für ihre Mitglieder da sein dürfen.“

Mit Online-Angeboten versuchen die Vereine, ihre Leute aufzumuntern. Der TV Blau-Gelb 90 Bad Düben etwa mit einer 30-Tage-Challenge zum „30.“: „Über 400 Mädchen und Jungen aus meinem Turnverein sind zum Nichtstun verurteilt. Schon im Frühjahr 2020 wurde dem Sport der Hahn zugedreht. In vielen Sportarten wäre der Sport möglich. Viele Vereine haben sehr gute Hygienekonzepte. Die Regierungen auf Landes- und Bundesebene haben in Teilbereichen versagt. Denn die Maßnahmen haben bis heute nicht für niedrigere Infektionszahlen gesorgt. Die Geduld ist aufgebraucht und die Motivation für weitere Maßnahmen ist weg!“

Stadtsportbund: auch Zuwächse

Der Stadtsportbund Leipzig als regional agierender Dachverband für fast 400 Vereine und 13 Fachverbände knackte im Vorjahr erstmals die 100.000-Mitglieder-Marke. Aktuelle Zahlen liegen noch nicht vor. „Ein Trend zeichnet sich noch nicht ab, weil erst knapp die Hälfte der Vereine ihre Statistik zugearbeitet haben. Bis zum 31. Januar haben sie Zeit dazu“, begründete SSBL-Vereinsberater Peter Schütze. Rückgänge seien bei den vorliegenden Meldungen zu verzeichnen, aber auch Zuwächse trotz Corona.

Eng begrenzt ist momentan der Spielraum für Leipzigs größten Sportverein SC DHfK. Nur die Bundesliga-Handballer sowie die Hochleistungssportler und teilweise die Landeskader der einzelnen Abteilungen dürfen trainieren. 6.500 Mitglieder zählte der Traditionsverein Anfang 2020. Stand jetzt „liegen wir ungefähr bei erfreulichen 6.200 Mitgliedern“, informierte Generalsekretär Alexander Schlenzig. Nach dem ersten Rückgang vor allem im Fitness-, Gesundheits- und Familiensport hätten sich die Zahlen wieder stabilisiert. Doch wie jemanden für etwas begeistern und dafür Geld verlangen, wenn wochenlang eine „geschlossene Sportgemeinschaft“ vorzufinden ist? Schlenzig hat ein offenes Ohr und Verständnis, wenn es Rückzieher gibt. Doch das Gros hält zur Stange. „Wir schauen positiv nach vorn und hoffen, dass wir spätestens Ende Februar, Anfang März langsam wieder öffnen können.“