20. Juni 2022 / 21:51 Uhr

Härtefälle und Frustfaktoren: Warum Voss-Tecklenburg bei der Kader-Auswahl besonders gefordert war

Härtefälle und Frustfaktoren: Warum Voss-Tecklenburg bei der Kader-Auswahl besonders gefordert war

Frank Hellmann
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Die deutsche Frauen-Nationalmannschaft startet gegen Dänemark in die EM.
Die deutsche Frauen-Nationalmannschaft startet gegen Dänemark in die EM. © IMAGO/Hartenfelser (Montage)
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Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg hat ihren endgültigen Kader für die EM benannt. Während für vier Spielerinnen der Endrunden-Traum geplatzt ist, hadert Torhüterin Almuth Schult mit ihrer Rolle als Nummer zwei hinter Merle Frohms.

Erst kürzlich haben 27 deutsche Fußballerinnen bei strahlendem Sonnenschein im Adi-Dassler-Stadion von Herzogenaurach unverdrossen in die Kamera gegrinst. Beim Medientag wurden ja nicht nur Interviews gegeben, sondern auch das Mannschaftsfoto und die Einzelporträts angefertigt. Hinten in der dritten Reihe stand an jenem Donnerstagvormittag mittig platziert auch noch Sjoeke Nüsken, jene vielseitige Mittelfeldspielerin von Eintracht Frankfurt, die im Frühjahr auf der Wunschliste des FC Chelsea gestanden hatte, dann aber ihren Vertrag verlängerte, wozu sogar Männercoach Oliver Glasner öffentlich gratulierte.

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Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg hatte die Entwicklung der 21-Jährigen zuletzt ausdrücklich gelobt und die aus Hamm stammende Allrounderin häufiger als Linksverteidigerin eingesetzt. Doch hat es die neunfache Nationalspielerin Nüsken nun genau wie Maximiliane Rall (Bayern München), Jana Feldkamp und Torhüterin Martina Tufekovic (beide TSG Hoffenheim) nicht in den finalen 23er-Kader der deutschen Frauen-Nationalmannschaft für die EM in England (6. bis 31. Juli) geschafft.

Das Trainerteam habe in den vergangenen Wochen viele Eindrücke gesammelt, erklärte Voss-Tecklenburg nach dem ersten Lehrgang auf dem "Home-Ground" des DFB-Ausrüsters. "Am Ende haben nur Nuancen entschieden, denn die Leistungsdichte in unserem Kader ist sehr hoch." In das am Dienstag beginnende letzte Trainingslager an selber Stelle reist mit Chantal Hagel (TSG Hoffenheim) vorsorglich eine 24. Spielerin, die aber – wenn der Rest gesund und fit bleibt – ebenfalls nicht am 3. Juli mit auf die Insel fliegen soll.

Nüsken hatte im Gegensatz zu ihren Klubkolleginnen Sara Doorsoun, Nicole Anyomi oder Sophia Kleinherne eigentlich gar nicht so sehr um ihren Platz gezittert, da mit Dzsenifer Marozsan (Kreuzbandriss) und Melanie Leupolz (Schwangerschaft) zwei zentrale Mittelfeldspielerinnen ausfallen.

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Schult verliert Torwartduell mit Frohms

Voss-Tecklenburg wäre der Härtefall erspart geblieben, wenn die UEFA ihrer Forderung nachgegeben hätte, wie im Vorjahr bei der EM der Männer 26 Akteurinnen zu erlauben. Doch bei den Frauen gilt trotz der zulässigen fünf Auswechslungen wieder die alte Regel mit dem 23er-Aufgebot. Die zuletzt an Corona erkrankte Kapitänin Alexandra Popp ist mit ihren 113 Länderspielen die mit Abstand erfahrenste Akteurin. Vor ihrer Isolation hatte die 31-Jährige angemerkt, dass ihr beim Nationalteam über das Torwartduell zwischen Merle Frohms und Almuth Schult "zu viel geredet und zu viel Trara gemacht" werde. Die Noch-Frankfurterin Frohms habe sich den Status als Nummer eins "in drei Jahren hart erarbeitet", sie könne aber auch die Ambitionen ihrer Wolfsburger Kollegin Schult verstehen. "Irgendwie hat es jeder verdient. Ich bin froh, dass ich die Entscheidung nicht treffen muss."

Voss-Tecklenburg hatte bereits bei der ersten Kaderbekanntgabe am 31. Mai überraschend früh die Hierarchie geklärt – und damit offenbar Schult überrumpelt, die beim Medientag ihren Frust nur mühsam überspielte. "Ich hätte unglaublich gern gespielt. Es wäre auch etwas Besonderes gewesen, überhaupt als Mama mal wieder ein Länderspiel zu machen, weil das immer das große Ziel war", sagte die 31-Jährige.

Wegen Schulteroperation, Babypause und Covid-Infektion hatte die meinungsfreudige Zwillingsmutter zwar seit der WM 2019 kein Länderspiel mehr gemacht, aber trotzdem gehofft, für die EM wieder ihren Stammplatz im DFB-Team zurückzuerobern. Die 64-fache Nationaltorhüterin glaubt weiterhin, "dass mein Wort Gewicht hat, dass Fragen in kritischen Situationen auch mir gestellt werden".

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