15. Juni 2020 / 14:08 Uhr

Hartenfels Torgau bereitet sich auf Halbfinale im Bärenpokal vor

Hartenfels Torgau bereitet sich auf Halbfinale im Bärenpokal vor

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Hartenfels-Stürmer Steven Hache ist im Pokal-Viertelfinale beim SV Merkwitz nicht zu stoppen.
Hartenfels-Stürmer Steven Hache ist im Pokal-Viertelfinale beim SV Merkwitz nicht zu stoppen. © Gerhard Schlechte/Sven Bartsch
Anzeige

Hartenfels Torgau hat die Saison, trotz Corona-Pandemie, erfolgreich abgeschlossen. Im Interview sprechen Trainer Nico Bachmann und Präsident Sören Wachsmann über den Landesklasse-Aufstieg und TZ-Bärenpokal.

Anzeige

Nordsachsen. Der SC Hartenfels Torgau ist als Nordsachsenliga-Champion in die Fußball-Landesklasse aufgestiegen. Derzeit stehen die Kicker wieder begeistert im Training, denn es winkt noch der Einzug in das Finale um den TZ-Bärenpokal, den Hartenfels bereits im Vorjahr mit einem 7:1-Kantersieg über Außenseiter LSV Mörtitz gewonnen hatte. Wenn alles klappt, wie erhofft, soll das Endspiel Ende August über die Bühne gehen. Vorher muss das Team von Trainer Nico Bachmann aber noch die Halbfinalhürde nehmen. Gegner ist der SG Zschortau. Der zweite Finalteilnehmer wird zwischen Blau-Weiß Wermsdorf und dem SV Zwochau ermittelt. Verstärkung erhält das Männerteam in der nächsten Saison übrigens auch durch vier Spieler des eigenen Nachwuchses. Die A-Junioren wurden knapp hinter Chemie Leipzig Zweiter der Landesklasse Nord . Im Interview sprechen Nico Bachmann und Präsident Sören Wachsmann über die Perspektiven des SC Hartenfels.

Anzeige

Haben Sie vor der Saison 2019/20 mit dem Aufstieg geliebäugelt, ihn sogar geplant – oder kam es doch etwas überraschend?

Sören Wachsmann: Aus Sicht des Vorstandes war der Aufstieg in dieser Saison das erklärte Ziel.

Nico Bachmann: Mein Trainerteam und ich sind mit diesem Ziel vor der Saison nach Torgau gekommen. Das es auf diese Weise geschieht, ist nicht üblich, aber okay.

Als die Saison abgebrochen wurde wegen der Coronakrise – wie lautete Ihre erste Vermutung, was am Ende herauskommen würde?

Sören Wachsmann: Ich bin generell von der Aufstockung der Ligen ausgegangen, alles andere wäre nicht nachvollziehbar gewesen.

Nico Bachmann: Ich habe gehofft, dass wir für unsere sehr starke Hinrunde den gerechten Lohn einfahren. Sonst hätte Fairness eine neue Bedeutung für mich erhalten. So ist es im Sinne des Sports die einzig richtige Lösung. Kein Absteiger und der Erste steigt auf.

Auf welche Art und wie oft hatten Sie in Zeiten der Trainingssperre Kontakt zu Ihren Spielern?

Nico Bachmann: In der heutigen Zeit hat man ja die sozialen Netzwerke. So hatte ich schon Kontakt zu den Spielern. Sicher zu einem mehr, zu anderen weniger. Das liegt aber an der jeweiligen Präsenz in diesen Diensten.

Mehr zu Nordsachsen

Haben Sie in der Krisenzeit Extra-Trainingspläne für Ihre Spieler verfasst?

Nico Bachmann: Da wollen wir mal die Kirche im Dorf lassen. Wir bewegen uns im tiefsten Amateurbereich, da haben die Spieler in ihrer Freizeit andere wichtige Dinge zu tun. Einige haben aber etwas für ihren Fitnesszustand getan.

Wann hat beim SC Hartenfels der Trainingsbetrieb unter Corona-Auflagen wieder begonnen?

Sören Wachsmann: Wir haben am 4. Mai alle Trainer ins Stadion eingeladen und gemeinsam die Auflagen sowie das entsprechende Hygienekonzept erarbeitet – und waren damit schneller als der weltgrößte Sportverband. Der DFB hat erst Wochen später Empfehlungen veröffentlicht.

Wie sind die Spieler mit den anfänglich schwierigen Auflagen zurechtgekommen?

Nico Bachmann: Es war für alle eine extreme Umstellung. Im Amateurbereich hat das Mannschaftsgefüge eine große Bedeutung. Kabine – gestrichen. Umkleide und Duschmöglichkeit – gestrichen. Zweikämpfe und Spielformen – gestrichen. Da muss man sich erst einmal daran gewöhnen. Aber alle wollen sich wieder bewegen, was sich auch in der Beteiligung widerspiegelt. Wir trainieren zwei Mal pro Woche.

Wie sieht der Sommerfahrplan aus?

Sören Wachsmann: Wir planen natürlich im Rahmen der aktuellen Corona-Bedingungen eine kleine Dankes- und Aufstiegsfeier. Beide Herrenmannschaften haben den Aufstieg und somit die gesteckten Ziele erreicht.

Mehr zu Nordsachsen

Der Kreispokal wird nach jetzigem Planungsstand vor Beginn der nächsten Saison zu Ende gespielt wird. Was erhoffen Sie sich?

Sören Wachsmann: Ich wünsche mir wie alle meine Mitstreiter und sicher alle SCH-Anhänger einen Titel, bei dem wir am Spielfeldrand oder auf der Tribüne mitfiebern und mitjubeln können.

Nico Bachmann: Das kann ich aus sportlicher Sicht nur schwer einschätzen. Alle vier Mannschaften starten aus der „Kalten“ und wissen nicht, wo sie stehen. Wir haben zudem einige Abgänge zu verzeichnen und wissen noch nicht, ob eventuelle Zugänge spielberechtigt sind. Von daher nehmen wir es, wie es kommt, würden aber schon gern den Titel verteidigen.

Wie sind Ihre Erwartungen in der Landesklasse?

Sören Wachsmann: Ich denke, dass wir eine konkurrenzfähige Mannschaft haben werden, die sich in der Landesklasse etablieren kann.

Nico Bachmann: Wir müssen uns an einigen Stellen neu aufstellen und junge Spieler so schnell wie möglich integrieren. Das allein sind schwierige Aufgaben, aber das war uns vorher bewusst. Wir wollen uns in der Landesklasse festsetzen und den Verein für seine exzellente Nachwuchsarbeit belohnen.

Wie ist die Lage bei den Sponsoren? Probleme wegen Corona? Oder gibt es sogar neue Unterstützer?

Sören Wachsmann: Ich befürchte, dass wegen der durch Corona hervorgerufenen wirtschaftlichen Einbrüche auch bei uns Sponsoren den Gürtel enger schnallen werden und ihr Werbebudget kürzen. Mit einigen neuen Unterstützern sind wir im Gespräch und hoffen natürlich, dass unsere langjährigen Partner – wenn auch verändert – uns die Treue halten, da die Landesklasse durch erhöhte Schiedsrichter- und Reisekosten auch finanziell eine Herausforderung ist. Leider sind uns erhebliche Einnahmen durch abgesagte Veranstaltungen weggefallen, die es nun zu kompensieren gilt.

Nico Bachmann: Wir wollen durch attraktiven Fußball unseren Beitrag leisten, um hoffentlich bald wieder Zuschauer und Sponsoren in unser Stadion zu locken.

Gibt es schon Neuzugänge oder feststehende Abgänge?

Nico Bachmann: Ich denke, es ist noch zu früh, um darüber zu reden. Es gibt Gespräche in alle Richtungen. Leider muss ich aber feststellen, dass für viele Fußballer der sportliche Aspekt der höheren Spielklasse oder die besseren Bedingungen nicht ausschlaggebend sind, um sich uns anzuschließen.

Mehr zu Nordsachsen

Wie groß wird der Kader sein?

Nico Bachmann: Darüber kann ich frühestens am 1. Juli etwas sagen, wenn die Wechselfrist abgelaufen ist. Prinzipiell benötigt man für eine Landesklassesaison aber 18 bis 20 annähernd gleichstarke Spieler. Es wird Sperren und Verletzungen, aber auch private Gründe geben, sodass nicht immer alle zur Verfügung stehen.

Wie viele Spieler aus dem eigenen Nachwuchs können eventuell die Männermannschaft verstärken?

Nico Bachmann: Nicht können, sondern werden! Vier Spieler aus der A-Jugend wechseln in den Herrenbereich: Arne Leutnitz, Toni Freymuth, Pascal Näke und Robin Lehmann. Allen traue ich den Sprung zu. Entscheidend wird die Einstellung zur Sache und das Vertrauen zu uns Trainern sein.

Ändern sich die Ticketpreise aufgrund des Aufstiegs?

Sören Wachsmann: Zuletzt betrugen die Eintrittspreise drei Euro und ermäßigt zwei Euro. Wie bereits erwähnt, werden Schiedsrichter- und Reisekosten enorm steigen. Wir werden die Preise – wie schon in den vorangegangen Landesklassejahren – auf vier beziehungsweise drei Euro anheben und hoffen natürlich auch, dass der eine oder andere Zuschauer mehr ins Stadion pilgert.

Christian Kluge