18. Januar 2020 / 07:39 Uhr

Hartenfels Torgau marschiert, SV Mügeln-Ablaß überrascht

Hartenfels Torgau marschiert, SV Mügeln-Ablaß überrascht

Henry Lickfeldt
Leipziger Volkszeitung
Dahlens Kai Fischer (r.) trifft im Derby gegen Mügeln doppelt und ist mit 18 Hinrunden-Toren zweitbester Schütze der Nordsachsenliga.
Dahlens Kai Fischer (r.) trifft im Derby gegen Mügeln doppelt und ist mit 18 Hinrunden-Toren zweitbester Schütze der Nordsachsenliga. © Gerhard Schlechte
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Die Hinrunde 2019/20 der Fußball-Nordsachsenliga in der Bilanz.

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Sie genießen ihre wohlverdiente Winterpause, die 14 Mannschaften der Fußball-Nordsachsenliga der Herren. Zeit für eine Bilanz der Hinrunde. Der Verband eröffnete die Saison im Belgeraner Döhner beim Aufsteiger. Stattliche 130 Besucher sahen hier, wie der Gastgeber seine erste, aber nicht letzte Niederlage gegen Wacker Dahlen (1:4) kassierte.

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An der Spitze bestimmten in der Hinserie der SC Hartenfels Torgau und die SG Zschortau deutlich das Niveau. Alle anderen Vereine fielen dagegen sichtlich ab. Der Vorjahresfünfte aus Torgau registrierte mit Trainer Nico Bachmann, Torjäger Rico Drabon und Martin Meißner hochkarätige Neuzugänge. Zudem schlugen die Nachwuchsleute Karl Lukas Nowack (20), Julian Letzel (19), Birk Spinn (19) und Nick Bornmann (20) hervorragend ein. Die offensive Achse Rico Drabon – Steven Hache – Patrick Tänzer war kaum zu bremsen und glänzte mit insgesamt 42 Treffern.

Lediglich einmal, nämlich gegen die stark auftretenden Schenkenberger, büßte der SC Hartenfels beim turbulenten 3:3 zwei Zähler ein, wobei Tänzer dem Favoriten mit seinen drei Toren einen Zähler rettete. Ansonsten eilten die Torgauer in souveräner Weise von Sieg zu Sieg und liegen gegenüber Verfolger Zschortau klar im Vorteil, überzeugen mit einer beeindruckenden Souveränität und sind auf Aufstiegskurs.

Torgau eilt von Sieg zu Sieg

Die Rekord-Tordifferenz von 54:13 und stolze 37 Zähler sprechen für den ungeschlagenen Herbstmeister. Im vorentscheidenden Spitzenspiel am 12. Spieltag bezwang der SC Hartenfels den Zweiten Zschortau vor 135 begeisterten Fans nach toller zweiter Hälfte deutlich 4:1. Mit den Erfolgen kamen in Torgau auch die Fans. Zudem führt der SC Hartenfels die Fairplay-Wertung mit nur 17 Verwarnungen ohne Feldverweis an.

Zschortaus Trainer Christian Mörschke und sein Team verbuchten mit dem Ex-Böhlener Stürmer Daniel Hintzsche einen starken Neuzugang. Allerdings hatte die SG, die zehn Siege bei nur zwei Niederlagen feierte, mit etlichen Verletzungen zu kämpfen. Sieben Punkte beträgt der Rückstand auf die Torgauer, allerdings hat Zschortau ein Spiel weniger bestritten und kann durch einen Sieg beim Nachholer in Süptitz noch verkürzen.

Während Concordia Schenkenberg (25 Punkte) mit Trainer Sven Ross auf Platz drei positiv überraschte, ließ der hoch eingeschätzte Vorjahresdritte Blau-Weiß Wermsdorf zuletzt mit dem 0:4 in Mügeln abreißen und ist mit 22 Zählern derzeit Fünfter. Allerdings können beide Teams – die Schenkenberger und die Hubertusburger – beim Nachholspiel in Wermsdorf ihr Konto noch aufstocken und näher an Zschortau heranrücken.

Große Leistungsfortschritte

Bad Düben mit Trainer Norbert Franke (23 Punkte) konnte auf Platz vier große Leistungsfortschritte nachweisen und hat mit Sebastian von Gahlen einen sicheren Torschützen (15 Treffer). Wermsdorf mit Coach Dierk Kupfer und Spielmacher Florian Böttger fehlt so ein Goalgetter: Sebastian Körner mit sechs Treffern ist der beste Vollstrecker. Dennoch herrscht in Wermsdorf immer gute Stimmung auf den Rängen.

Routinier Denny Beckedahl mit allen zwölf Punktspielen sowie Keeper Benjamin Schönitz, Justus Keller, Dominik Weidner, Pascal Weidner und Dominik Arendt mit je elf Einsätzen waren die größten Stützen. Die Blau-Weißen sind sehr heimstark vor großer Kulisse: Höhepunkte waren die Spitzenspiele gegen Torgau (0:1) und gegen Zschortau (2:1) sowie das 3:1 im Derby in Dahlen.

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Eines der Überraschungsteams der Hinrunde war der SV Mügeln-Ablaß – zunächst in negativer, dann in positiver Hinsicht. Nach sechs Spieltagen waren die Obstländer noch siegloses Schlusslicht, doch danach gab es eine Aufholjagd: Die Mannschaft überwintert beinahe sensationell auf Rang sechs mit 20 Punkten, weil seit der Amtsübernahme des neuen Trainers Matthias Streit ein unglaublicher Höhenflug einsetzte – 19 von 21 möglichen Punkten aus den letzten sieben Partien. Es gab keine Niederlage mehr, stattdessen Siege gegen Doberschütz (3:1), Belgern (8:2), Schildau (6:1), Süptitz (2:1), Wermsdorf (4:0) und Zwochau (3:2) sowie ein 3:3-Remis in Dahlen.

Streit-Team im Höhenflug

Apropos Wacker Dahlen. Das Team von Trainer Ronny Belitz, das in der vergangenen Saison noch die zweitbeste Rückrunde spielte, hatte in diesem Herbst große Verletzungsprobleme und musste in ständig wechselnden Formationen antreten. Konsequenz: Nur jeweils drei Siege und drei Unentschieden bei sieben Niederlagen und der enttäuschende zehnte Platz mit nur zwölf Punkten. Das Polster auf den ersten Abstiegsplatz (Doberschütz) beträgt nur zwei Zähler, im Tabellenkeller geht es sehr eng zu.

Von den 91 angesetzten Punktspielen sind 89 Begegnungen ausgetragen worden. Die Terminplaner sind also gut im Soll, es gab erfreulicherweise auch keinen Spielabbruch.

Grundsätzlich kamen die Fans auf ihre Kosten, denn die Hinrunde war geprägt von einer hohen Torquote und stattlichen Zuschauerzahlen. Allerdings stand in vielen hektischen Begegnungen der Kampf im Vordergrund.

Mehr Feldverweise, viele Tore

Die Fairplaytabelle ist auf dem Weg zu einem Negativrekord. 23 Feldverweise – meist wegen Notbremsen – und 14 gelb-rote Karten sind ein vergleichsweise trauriger Anstieg. Im Vorjahr gab es im gesamten Spieljahr nur 18 Feldverweise. Die Schiedsrichter hatten also Schwerstarbeit zu leisten. Insbesondere bei Zwochau mit vier Feldverweisen und zweimal Gelb-Rot ging es rund. Beim Kellerduell am 10. Spieltag zwischen Doberschütz und Belgern (3:3) gab es ebenso drei Feldverweise wie am 7. Spieltag bei der Partie Wermsdorf gegen Zwochau (1:0). Insbesondere die bis dato fünf Fairplay-Schlusslichter Wermsdorf (einmal Rot/zweimal Gelb-Rot) Doberschütz (2/3), Belgern (2/2), Naundorf (2/3) und Zwochau (2/4) sollten bedenken, dass man sich so selbst schadet.

Die 14 Vereine schickten insgesamt 327 Spieler aufs Feld. Hier schwanken die Zahlen von nur 20 eingesetzten Akteuren (Schenkenberg und Wermsdorf) bis zu maximal 27 Fußballern (Doberschütz).

Die 372 Tore in der Hinserie bedeuteten einen hohen Schnitt von 4,15 Treffern pro Spiel. Erstaunlich sind die großen Leistungsunterschiede. So gab es zwei zweistellige Resultate: Die Partien zwischen Wermsdorf und Krostitz II sowie Torgau und Belgern endeten jeweils 10:0.

Patrick Tänzer gnadenlos

In der Torschützenliste führt Hartenfels-Routinier Patrick Tänzer mit 20 Treffern, obwohl er erst ab der vierten Runde im Einsatz war und so nur zehn von 13 Spielen bestritt. Ihm folgen der Dahlener Dauertorschütze Kai Fischer mit 18 Treffern, der Dübener Sebastian von Gahlen mit 15 Toren sowie gemeinsam der Torgauer Spielgestalter Steve Hache und der Mügelner Paul Erdmann mit jeweils zwölf Saisontreffern.

Insgesamt 5974 Besucher strömten auf die Plätze in Nordsachsen, was 65 Fans pro Partie bedeutet und mehr ist als in den benachbarten Kreisen, sprich der Stadtliga Leipzig und der Kreisoberliga Muldental. Wie schon in den letzten Jahren freuten sich Dahlen (133 Zuschauer pro Heimspiel) und Wermsdorf (115) über den größten Zuspruch. Es folgen Aufsteiger Belgern (113) und Herbstmeister Torgau (103).

Auf die Rekordkulisse der Hinrunde aber können die Dahlener im Altkreisderby gegen Wermsdorf (1:3) mit 226 Zuschauern verweisen. Und auch gegen den SV Mügeln-Ablaß (3:3) strömten 220 Besucher ins Heidestadtion.