03. September 2020 / 07:31 Uhr

"Härtetest" gegen Spanien, "Grenzwertiges" Programm bis zur EM: So läuft der DFB-Neustart

"Härtetest" gegen Spanien, "Grenzwertiges" Programm bis zur EM: So läuft der DFB-Neustart

Heiko Ostendorp
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Anpfiff für den DFB-Neustart. Vor der Nationalmannschaft liegen anstrengende Wochen.
Anpfiff für den DFB-Neustart. Vor der Nationalmannschaft liegen anstrengende Wochen. © imago images/Sportfoto Rudel/ULMER/Montage
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Das Länderspiel gegen Spanien ist der Auftakt eines Mammutprogramms für den DFB im Jahr vor der Europameisterschaft: Für Bundestrainer Joachim Löw ein "grenzwertiges", was die Belastung der Spieler angeht.

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Zum Neustart hat sich der DFB-Präsident noch mal zu Wort gemeldet. „Wie weit unsere Mannschaft mit vielen talentierten und hoffnungsvollen Spielern in ihrer Entwicklung ist, erfahren wir vielleicht schon gegen Spanien, wenn die lange Pause mit einem echten Härtetest endlich endet“, schreibt Fritz Keller im Editorial des neuen DFB-Magazins.

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Tatsächlich ist das wohl die größte Frage, die sich neben dem obersten Boss des Fußballbundes und dem Bundestrainer auch die meisten Fans in Deutschland stellen: Wie gut sind wir wirklich und wie weit kann die Nationalmannschaft bei der ins nächste Jahr verschobenen Europameisterschaft tatsächlich kommen?

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„Wir sind immer noch eine sehr gute Mannschaft und haben den Anspruch, zu jedem Turnier zu fahren, um es zu gewinnen“, glaubt Timo Werner. „Wir zählen vielleicht noch nicht zu den großen Favoriten, aber nach diesem Jahr werden wir wissen, wo wir stehen“, sagt der ehemalige Leipziger und aktuelle Profi des FC Chelsea.

Satte acht Spiele hat das DFB-Team bis dahin noch vor der Brust. Die Partie in der Nations League an diesem Donnerstag in Stuttgart gegen Spanien (20.45 Uhr, ZDF) bildet dabei den Auftakt, bevor es am Sonntag in Basel gegen die Schweiz weitergeht. Im Oktober und November folgen je zwei Dreierpacks mit den Rückspielen, den weiteren Partien gegen die Ukraine und zwei Testspielen gegen die Türkei und die Tschechische Republik.

Joachim Löw: DFB-Programm ist "grenzwertig"

„Grenzwertig“ nennt Joachim Löw dieses Mammutprogramm und legt den Fokus bereits auf den kommenden Sommer. „Die alleroberste Priorität hat natürlich die EM im nächsten Jahr. Ich weiß, dass man nur siegen kann, wenn man geistig und körperlich frisch in das Turnier gehen kann“, so der Bundestrainer.

Wohlwissend, dass die Belastung vor allem für die Nationalspieler, die bei international vertretenen Klubs unter Vertrag stehen, immens ist, wird er in den kommenden Wochen und Monaten genau überlegen müssen, wen er wann nominiert und spielen lässt. Aktuell verzichtete Löw im Aufgebot auf die Münchner Triple-Helden Manuel Neuer, Leon Goretzka, Joshua Kimmich und Serge Gnabry. Für sie stehen bis Weihnachten nicht weniger als 26 Spiele auf dem Programm! Gegen Spanien plant der Bundestrainer seine Startelf mit Torhüter Kevin Trapp (Frankfurt) und Neuling Robin Gosens von Atalanta Bergamo. Auch die Bayern-Profis Niklas Süle und Leroy Sané werden nach langen Verletzungspausen ihr Comeback in der Nationalmannschaft geben. „Wie lange die Kräfte reichen, wird man dann sehen“, sagte Löw.

Die Leipziger Königsklassen-Halbfinalisten Lukas Klostermann und Marcel Halstenberg bekamen eine Verschnaufpause, obwohl sie wie die Bayern-Stars gern zur Zusammenkunft nach Stuttgart gekommen wären. „Aber da müssen wir alle vorausschauend und verantwortungsbewusst handeln und denken“, sagte Löw. „Im nächsten Jahr werden wir daran gemessen.“ Zumal es die deutsche EM-Vorrundengruppe mit dem aktuellen Weltmeister Frankreich und dem amtierenden Europameister Portugal durchaus in sich hat.

Der DFB-Kader für die Nations-League-Spiele gegen Spanien und die Schweiz

Am 3. September trifft die Nationalmannschaft in der Nations League in Stuttgart auf Spanien, drei Tage später geht es in Basel gegen die Schweiz. Der <b>SPORT</b>BUZZER zeigt den Kader von Bundestrainer Löw für die Partien – mitsamt drei DFB-Neulingen! Zur Galerie
Am 3. September trifft die Nationalmannschaft in der Nations League in Stuttgart auf Spanien, drei Tage später geht es in Basel gegen die Schweiz. Der SPORTBUZZER zeigt den Kader von Bundestrainer Löw für die Partien – mitsamt drei DFB-Neulingen! ©

Längste DFB-Pause seit dem Zweiten Weltkrieg

Wenn die Nationalelf heute gegen Spanien aufläuft, sind sage und schreibe 289 Tage seit dem letzten Länderspiel am 19. November gegen Nordirland vergangen. Mit einem furiosen 6:1 verabschiedeten sich Toni Kroos und Co. in Frankfurt in die Winterpause (die es in diesem Jahr nicht geben wird). Ausgerechnet die Partie gegen Spanien (in Madrid) war im März dann die erste, die wegen der Corona-Pandemie abgesagt werden musste. So eine lange Unterbrechung hatte es seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr gegeben. Außerdem ist es das erste Länderspiel in der DFB-Geschichte, welches ohne Zuschauer stattfinden wird. Allen Umständen zum Trotz will Löw die Nations League seriös angehen und ein Debakel wie bei der Premiere vermeiden, als man Gruppenletzter wurde und nur aufgrund der Aufstockung des Wettbewerbs nicht in die ­B-Grup­pe abstieg.