14. Juli 2022 / 20:54 Uhr

Vom Lehrling zum Meister: Wie Bayern-Manager Salihamidzic im Transfer-Sommer sein Profil schärfte

Vom Lehrling zum Meister: Wie Bayern-Manager Salihamidzic im Transfer-Sommer sein Profil schärfte

Patrick Strasser
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Bayern-Sportvorstand Hasan Salihamidzic überzeugt in diesem Transfer-Sommer mit seiner Arbeit.
Bayern-Sportvorstand Hasan Salihamidzic überzeugt in diesem Transfer-Sommer mit seiner Arbeit. © IMAGO/kolbert-press (Montage)
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Lange wurde Hasan Salihamidzic kritisiert und belächelt. In diesem Sommer sammelt der Sportvorstand des FC Bayern aber einen Transfer-Pluspunkt nach dem anderen. Ein Blick auf die Bilanz des Managers und die noch offenen Personal-Fragen.

Ein bisschen kam sich Uli Hoeneß damals vor wie James Bond. "Es ist zum Schluss ein richtiges Jagdfieber entstanden", sagte der ehemalige Manager des FC Bayern als er im Sommer 2007 auch den letzten Wunschtransfer für die damals stattliche Summe von rund 25 Millionen Euro eingetütet hatte – und zwar den von Franck Ribéry, der von Olympique Marseille kam und eine Klublegende werden sollte. Neben dem französischen Vizeweltmeister kamen mit dem Italiener Luca Toni ein amtierender Weltmeister sowie drei deutsche Nationalspieler (Miroslav Klose, Jan Schlaudraff, Marcell Jansen). Dazu José Sosa und Hamit Altintop, Zé Roberto wurde ausgeliehen – machte unterm Strich Ausgaben von 81,2 Millionen Euro als Reaktion auf das Verpassen der Champions-League-Teilnahme.

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Die Parallele zu heute: Weil die erste Saison von Wunschtrainer Julian Nagelsmann nicht wunschgemäß lief, startete man an der Säbener Straße auch in diesem Sommer eine Transfer-Offensive und das trotz vorheriger Ankündigungen wegen des Umsatzeinbruchs infolge der Corona-Pandemie nicht ganz so aggressiv auf dem Markt auftreten zu können. Doch mittlerweile werden sämtliche große Namen der Branche mit dem FC Bayern in Verbindung gebracht – ob es nun unrealistisch ist, dass sie in München landen wie im Fall von Cristiano Ronaldo oder beim tatsächlich realisierten Transfer von Sadio Mané vom Champions-League-Finalisten FC Liverpool.

Der Jagdfieber-Abenteurer des Sommers 2022 heißt Hasan Salihamidzic. Neben Oldie-But-Goldie Mané (30) hat der umtriebige und nimmermüde Sportvorstand die beiden Ajax-Stars Ryan Gravenberch und Noussair Mazraoui nach München lotsen können – den beiden stand die (Transfer-)Welt offen. Drei bemerkenswerte Deals, die noch von einem weiteren Coup getoppt werden könnten. Am Montag reiste Salihamidzic gemeinsam mit dem Technischen Direktor Marco Neppe nach Turin, um in der Juventus-Zentrale erstmals persönlich wegen Innenverteidiger Matthijs de Ligt (22) vorzusprechen und ein erstes Angebot vorzulegen. Juve schüttelte mit dem Kopf. Ein zweites, verbessertes Angebot ist in der Mache.

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Der Niederländer ist als neuer Abwehrchef bei Bayern auserkoren und hat den Juve-Verantwortlichen gesagt, dass er unbedingt nach München will und dem FC Chelsea bereits eine Absage erteilt hat. Was schon mal gut ist für Salihamidzic. Dennoch dürfte der Ablöse-Poker lang und zäh werden, da die Italiener rund 75 Millionen Euro Ablöse plus x verlangen. Aber wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.

Und wo ein Brazzo ist, ist Beharrlichkeit. Das zeichnet ihn aus. Und das schätzt Ehrenpräsident Uli Hoeneß (70), die graue Eminenz vom Tegernsee, der als Mentor und Förderer seine Hände schützend über seinen Zögling Salihamidzic hält. Gegen alle Widerstände. Ob von den Medien und der Öffentlichkeit oder im Verein selbst – etwa als Erfolgscoach Hansi Flick ganz andere Vorstellungen von seinem Kader hatte. Er warf schließlich das Handtuch, Salihamidzic blieb im Ring. Er ist ein Kämpfer. Mit langem Atem.

Dessen Transfer-Bilanz seit dem Triple-Sommer 2020 liest sich beinahe Tag für Tag besser. Selbst Reservist Omar Richards, der letzten Sommer ablösefrei aus der zweiten englischen Liga kam, verkaufte Salihamidzic nun für den Sockelbetrag von 8,5 Millionen Euro an Nottingham Forest. Auch Marc Roca erfuhr trotz zweier Bankdrücker-Jahre in München einen wundersamen Gewinnsprung von neun Millionen Einkaufswert auf zwölf Millionen Verkaufspreis (erhalten von Leeds United).

Mit seiner couragierten Transfer-Strategie in diesem Wechselfenster hat Salihamidzic allerdings auch den Druck auf einen erhöht, mit dem er gern möglichst langfristig zusammenarbeiten will: Auf Trainer Nagelsmann. Denn mit einem dank der Coups mit Mané und womöglich de Ligt aufgepimpten Kader werden höhere Saisonziele und mehr Titel angestrebt als in Nagelsmanns Debütsaison (nur Meister). Vorstandsboss Oliver Kahn hat bereits den Druck auf seinen Chefcoach erhöht: "Wir sind beim FC Bayern zum Erfolg verdammt, das weiß er auch." Das Saisonziel sei es, "im Idealfall die Champions League zu gewinnen". Salihamidzic liefert. Nun muss Nagelsmann liefern. Ein Ende der Saga um den wechselwilligen Robert Lewandowski wäre dabei sicher auch hilfreich.