22. Januar 2021 / 14:12 Uhr

"Hat Ohr an der Masse": So kommentieren Vereine die Wahl von Hermann Winkler zum NOFV-Präsidenten

"Hat Ohr an der Masse": So kommentieren Vereine die Wahl von Hermann Winkler zum NOFV-Präsidenten

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Als frisch gebackener NOFV-Chef liegen zahlreiche Aufgaben vor Hermann Winkler.
Als frisch gebackener NOFV-Chef liegen zahlreiche Aufgaben vor Hermann Winkler. © dpa / LVZ-Archiv
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NOFV-Präsident, DFB-Vize-Präsident, SFV-Präsident: Hermann Winkler hat ab sofort alle drei Ämter inne. Nach der Wahl des Grimmaers haben wir uns bei Lok Leipzig, BSG Chemie und ZFC Meuselwitz umgehört, was sie vom dem neuen Mann an der Verbandsspitze erwarten. Winkler selbst hat dem SPORTBUZZER verraten, was er als Erstes anpacken will.

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Leipzig. Hermann Winkler ist seit Donnerstagabend der neue kommissarische NOFV-Präsident. Der Grimmaer galt bereits vor der Wahl als Topkandidat für den Posten, wie etwa Holm Pinder vom thüringischen Regionalligisten ZFC Meuselwitz verrät: „Er war unser Favorit, von daher sind wir mit seiner Wahl natürlich zufrieden“, so Pinder, dessen Verein selbst einen Delegierten zur NOFV-Wahl schicken durfte. Und auch von Leipzigs Fußballvereienen gibt es bereits ein positives Echo auf Winklers Berufung.

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"Kompetente, unüberhörbare und lösungsorientierte Stimme"

Die BSG Chemie begrüßt die Wahl von Winkler. „Hermann Winkler kennt die Vereine und hat das Ohr an der Masse. Er wird für sie versuchen das Beste herauszuholen“, sagte Chemies Vorstandsvorsitzender Frank Kühne dem SPORTBUZZER. Zur aktuellen Situation um die TV-Verhandlungen zwischen MDR und NOFV äußerten sich die Leutzscher bisher zurückhaltend. Man beobachte genau und warte jetzt ab, so Kühne. Im Ernstfall stünde außerdem ein eigenes starkes Medienangebot für den Verein zur Verfügung. „Wir haben aber immer gerne mit dem MDR zusammengearbeitet.“

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Beim Lokalrivalen Lok Leipzig stößt die Wahl Winklers gar auf Freude. „Ich denke, Hermann Winkler wird wird eine kompetente, unüberhörbare und lösungsorientierte Stimme des Fußballostens sein. Er hat es bereits als SFV-Präsident sehr gut gemacht“, blickt Thomas Löwe zuversichtlich in die Zukunft. Der Präsident der Probstheidaer weiß jedoch auch, dass auf Winkler eine Menge Arbeit zukommt: Wie wird die Regionalliga-Saison zu Ende gespielt? Wann geht die neue Spielzeit los? Wird der MDR seinen TV-Vertrag verlängern? „Auf seinem Schreibtisch liegen fast nur Probleme, vergnügungsteuerpflichtig ist der Job nicht“, hält Löwe fest und wünscht sich: „Das Wichtigste ist die Unterstützung von uns Regionalligisten. In fast allen Programmen fällt die Regionalliga Nordost hinten runter. Ich hoffe, dass er da die ganze Kraft eines NOFV-Präsidenten reinlegen wird.“

Enger Schulterschluss mit den Vereinen

Das Arbeitspensum wird für Winkler in den kommenden Wochen noch einmal deutlich steigen. Schließlich ist der 57-Jährige gleichzeitig Präsident des Sächsischen Fußball-Verbandes (SFV) und aufgrund seines neuen Amtes auch DFB-Vize-Präsident. Sein SFV-Vize (und vielleicht Nachfolger an der Spitze) Dirk Majetschak gab bereits einen Ausblick auf kommende Aufgaben. Zum Einen sei da die Sportschule „Egidius Braun“ in Leipzig. „Außerdem steht nach der Corona-Zwangspause auch eine mehrjährige Strukturreform im SFV an, da ist viel zu tun. Um alles werden sich Hermann und ich aber gemeinsam kümmern“, so Majetschak gegenüber dem SPORTBUZZER. Ob er selbst das Präsidentenamt anstrebt? "Das würde ich nicht ausschließen." Es mache aber erst Sinn sich darüber Gedanken zu machen, wenn Winkler auch auf dem NOFV-Verbandstag 2022 als Präsident bestätigt wird.


Und der neue Präsident selbst? Winkler sprach am Abend seiner Wahl davon, dass es nun wichtig sei, gemeinsam mit den Vereinen einen engen Schulterschluss zu üben. Der Druck auf viele Amateuerclubs ist größer denn je. Für diese Aufgabe müsse man sich Verbündete suchen. In den kommenden Tagen will Winkler an zwei Stellen besonders angreifen – etwa bei der DFB-Spitze in Frankfurt, die der Sachse gerne auch mal kritisiert hat. Ebenso sucht der Fußballfunktionär das Gespräch mit der Politik. „Während ostdeutsche Regionalligaclubs bisher von Hilfsgeldern unbeachtet waren, floss in Nordrhein-Westfalen eine Menge Geld in die Vereine“, sagt Winkler. Er werde daher in den kommenden Tagen den Kontakt zum Innenministerium suchen und politische Lobbyarbeit leisten. Ein weiterer Ansprechpartner, an den sich Winkler wenden will: Marco Wanderwitz, Ostbeauftragter der Bundesregierung. „Das Ganze stellen wir unter die Schlagworte Zusammenhalt, Vertrauen und Optimismus“, sagte Winkler am Freitag dem SPORTBUZZER.

Optimismus ist in der aktuellen Lage kaum noch vorhanden. Trotzdem macht Winkler Mut. Die seit Dezember unterbrochene Hinrunde solle auf jeden Fall zu Ende gespielt werden. „Die Vereine wollen wir in finanzieller Hinsicht so aufstellen, dass keiner von ihnen den Bach runtergeht“, sagt Winkler zur Lage in der Regionalliga. Denn die Gefahr, dass Vereine wegen Corona in Gefahr geraten, sei bis zum Jahresende durchaus real.

Von Max Hempel, Anton Kämpf, Frank Müller, Jens Fuge, Johannes David