09. November 2020 / 13:06 Uhr

Hätte, hätte, Dreierkette: Nordsächsische Trainer trauern abgesagtem Spieltag hinterher

Hätte, hätte, Dreierkette: Nordsächsische Trainer trauern abgesagtem Spieltag hinterher

Johannes David
Leipziger Volkszeitung
FSV-Trainer Mike Geppert, Delitzschs Trainer Tilo Ohlig und Radefelds Trainer Kai-Uwe Ziegler.
Man hätte gerne weitergespielt: Coach Mike Geppert vom FSV Krostitz, Delitzschs Trainer Tilo Ohlig und der Radefelder Cheftrainer Kai-Uwe Ziegler bedauern, dass es zur Zwangspause kam. © Thomas Jentzsch/Alexander Prautzsch
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Die Trainer Mike Geppert vom FSV Krostitz, Delitzschs Tilo Ohlig und der Radefelder Kai-Uwe Ziegler greifen zur verbalen Breitseite, wenn schon der Ball in der nordsächsischen Landesklasse nicht mehr rollt. Es gibt Kritik an zu lascher Umsetzung der Hygienemaßnahmen und dem Stopp des Amateursports.

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Nordsachsen. Das vergangene Fußball-Wochenende hätte aus nordsächsischer Sicht so ein schönes werden können. Den drei hiesigen Landesklasse-Teams standen eigentlich mehr als hübsche Vergleiche bevor. Doch Corona durchkreuzte abermals die Pläne, so dass vorerst nur der Konjunktiv bleibt – hätte, hätte, Dreierkette. Die Trainer gehen mit der Lage überaus unterschiedlich um und auch ihre Einschätzungen sind ziemlich vielschichtig.

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„Wir haben es uns selbst versaut“, sagt Kai-Uwe Ziegler, Coach des Tabellendritten Radefelder SV. „Anfangs haben alle die Hygienemaßnahmen sehr gut umgesetzt und eingehalten. In letzter Zeit aber sind einige Mannschaften damit sehr locker umgegangen und das ist jetzt das Resultat.“ Vereinsnamen nennt er keine, in Radefeld jedenfalls habe man sich immer an die Vorgaben gehalten, so Ziegler.

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Sein Trainerkollege Tilo Ohlig vom ESV Delitzsch beschreibt die Situation geradeaus schlicht als „beschissen“. „Wie soll ich einem Kind begreiflich machen, dass es zum Schulsport auf unserem Gelände Sport treiben darf, aber dort am Nachmittag nicht seinem Hobby nachgehen darf. Das widerspricht sich alles ein bisschen. Einfach nur ärgerlich.“ Mike Geppert, Übungsleiter des FSV Krostitz, wird gar melancholisch: „Uns bleibt bloß die Hoffnung. Wir können leider nur abwarten.“



Ziegler: „Kann Trennung nicht nachvollziehen“

Den plötzlichen Stopp empfinden viele als Schlag ins Gesicht. „Die Vereine haben sich Gedanken gemacht, viel investiert. Deswegen ist es jetzt einfach schade“, sagt Ziegler. Eine große Gefahr sieht Geppert für die Nachwuchsarbeit. „Die Kinder und Jugendlichen merken vielleicht jetzt: Es geht auch ohne Fußball. Sie verlieren die Lust und kommen dann nicht wieder.“

Ähnlich unerklärlich: Profis dürfen spielen, Amateure eben nicht. „Ich kann die Trennung nicht nachvollziehen. In der Regionalliga trainiert zum Beispiel Chemnitz, während Chemie Leipzig nichts macht. Die U12 von RB Leipzig darf trainieren. Sind das jetzt etwa Profis? Ich sehe da keine Zusammenhänge mehr“, sagt Ziegler.

Für den Profibetrieb, sprich die Bundesligen, bringen dagegen alle drei Trainer Verständnis auf. „Die werden ständig getestet. Außerdem sind das eben Wirtschaftsunternehmen, die weitergeführt werden müssen“, erklärt Ohlig. Doch Tests und Hygienemaßnahmen hin oder her – die Infektionszahlen in den europäischen Topligen steigen.

Online-Kurs einmal in der Woche


Und ob in der Landesklasse in diesem Jahr noch gespielt werden kann oder sollte? Da gehen die Trainermeinungen sehr weit auseinander. „Ich glaube nicht, dass wir im Dezember starten. Du musst vorher fußballspezifisch trainieren, ansonsten ist das kompletter Wahnsinn“, sagt Ziegler. Ohlig fordert „Minimum 14 Tage“ Trainings-Vorlaufzeit, ehe die Punktspiele wieder starten könnten. Geppert würde derweil „eine Woche mit Ball“ reichen. „Die Jungs verlernen das Fußballspielen ja nicht und halten sich jetzt individuell fit.“

Damit sich auch alle daran halten, hat der FSV-Coach seine Schützlinge beim bislang letzten gemeinsamen Üben auf die Waage gestellt. Bei der Rückkehr werden die Zahlen dann verglichen. „Vielleicht motiviert es ein wenig. Ich weiß ja, dass es Überwindung kostet, nach der Arbeit laufen zu gehen, wenn es abends um fünf schon stockdunkel ist.“ In Radefeld hat man sich deswegen neben den individuellen Einheiten noch etwas anderes überlegt. Einmal in der Woche gibt es einen Online-Kurs, bei dem Co-Trainer Olaf Artmann Stabilisationsübungen mit der Mannschaft macht.

Ansonsten blieb an diesem Wochenende lediglich das Schwelgen in vergangenen Erfolgen, genauer gesagt jene vom bislang letzten Landesklasse-Spieltag. Ohlig stellte nach dem ganz wichtigen 2:0-Erfolg in Bad Lausick einen „Aufwärtstrend“ fest. „Wir haben uns endlich mal wieder belohnt, obwohl wir personell gehandicapt waren.“ Und Geppert sagt zum – trotz 70-minütiger Unterzahl – errungenen 3:1-Sieg gegen Tapfer Leipzig: „Wir waren auf dem richtigen Weg.“ Wenn die Fußballer wieder auf den Punktspielpfad zurückkehren, sollten sie ihn sich aber besser nicht noch einmal „versauen“...

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