05. Januar 2020 / 15:05 Uhr

„Am Anfang hatten wir schon Bedenken": Blue Boys und Blue Girls motivieren die Shooters 

„Am Anfang hatten wir schon Bedenken": Blue Boys und Blue Girls motivieren die Shooters 

Matthias Abromeit
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Auf sie können sich die TSV Neustadt temps Shooters verlassen: die Blue Boys und Blue Girls.
Auf sie können sich die TSV Neustadt temps Shooters verlassen: die Blue Boys und Blue Girls. © Matthias Abromeit
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Auf diese Fans können die TSV Neustadt temps Shooters stolz sein. Sie trommeln fast ohne Pause, zwei Stunden lang. Sie feuern an, sie treiben an. Die Mannschaft und auch die anderen der bis zu 800 Zuschauer. Sie leiden oder feiern. Die Blue Boys und Blue Girls um Sven Jaensch und Tim Tucholski sind der wahre sechste Mann. 

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Der Lohn für die Mühen, das Engagement auch bei Auswärtsspielen, sind die Siege des Teams. „Oh wie ist das schön, so was hat man lange nicht gesehen, so schön, so schön“, sangen die Edelfans. Die zwei Stunden Trommelarbeit in der Heimhalle hatten sich besonders nach dem letzten Spiel des Jahres gelohnt. Mit 103:88 hatten die Shooters den VfL Stade abgefertigt. „Nach solchen Spielen schmeckt das Bier noch etwas besser“, sagt Tucholski mit glücklichem und zufriedenem Gesichtsausdruck.

Szenenwechsel: Drei Wochen früher, gleiche Halle, anderer Gegner. Die Shooters liegen gegen den Eimsbütteler TV hoffnungslos zurück. „Sieht nicht wirklich gut aus“, gesteht Tucholski. Aber nur ganz leise. In sein Megafon brüllt er andere Worte. „Shooters, Shooters – du wirst niemals untergehen“. Am Ende gingen die Shooters mit 74:108 unter. Echte Fans müssen auch solche Stunden verkraften können.

Die Blue Boys und Blue Girls sorgen für Stimmung bei den Spielen der TSV Neustadt temps Shooters.
Die Blue Boys und Blue Girls sorgen für Stimmung bei den Spielen der TSV Neustadt temps Shooters. © Matthias Abromeit

„Am Anfang hatten wir schon Bedenken, ob Trommeln, Megafon und das Anfeuern das Richtige sind."

Die Geschichte der Blue Boys - die Blue Girls im Namen kamen erst später hinzu - begann schon vor rund sechs Jahren. Damals noch in der bald danach baufällig gewordenen und mittlerweile abgerissenen Gymnasiumhalle. „Wir waren es aber nicht, die die Halle mit unseren Trommeln zum einstürzen gebracht haben. Die war schon hin. Nur keiner wusste das“, witzelte Jaensch. Er war es, der zusammen mit Tim Tucholsky und Peer Beck diesen Fanclub aus der Taufe gehoben hatte. „Aus Liebe zum Sport“, sagt Jaensch, der als einer der wenigen Blue Boys selber Basketball gespielt hat und noch immer in der dritten TSV-Mannschaft aktiv ist.

„Am Anfang hatten wir schon Bedenken, ob Trommeln, Megafon und das Anfeuern das Richtige sind“, sagte Tucholski. Hemmungen, immer wieder auf die Pauke zu hauen, standen am Anfang ebenfalls. Doch die Resonanz war groß. Die Spieler des TSV waren motiviert. „Es gab nur positives Feedback. Und nur das zählte", sagt Jaensch. In der kleinen Gymnasiumhalle reichten auch 50 bis 100 Fans, vier, fünf Blues Boys und zwei Trommeln, um für Stimmung zu sorgen.

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Stimmung verbreiten, Zuschauer animieren, Spieler motivieren

Der Umzug in die Michael-Ende-Schule ließ alles wachsen: Die Zuschauerzahlen, die sportlichen Ambitionen der Shooters, die Stimmung in der Halle und auch die Anzahl der Blue Boys. „Ich kann mich noch an die entscheidenden Spiele um den Aufstieg in die 1. Regionalliga gegen die beiden Göttinger Teams erinnern. Da war die Halle ein echter Hexenkessel“, sagt Tucholski. Die Shooters siegten nicht zuletzt durch die Unterstützung der Blue Boys und stiegen auf.

Es folgte ein abermaliger Umzug, diesmal in die für die bis dahin geltenden Verhältnisse riesige Halle an der Bunsenstaße. „Das war schon gewagt und ein Risiko, ob die Stimmung weiter rüberkommt“, sagt Tucholski. Doch die Mannschaft schaffte das, wurde im ersten Jahr gleich Vizemeister. Auch die Blue Boys bewältigten ihre neue Aufgabe in der bis zu 1000 Menschen fassenden Halle: Stimmung verbreiten, Zuschauer animieren, Spieler motivieren.

Die Blue Boys und Blue Girls sorgen für Stimmung bei den Spielen der TSV Neustadt temps Shooters.
Die Blue Boys und Blue Girls sorgen für Stimmung bei den Spielen der TSV Neustadt temps Shooters. © Matthias Abromeit

„Sicher kommt unsere Mannschaft zu erst. Aber wir wollen nicht als Assis dastehen."

Nur schossen sie auch manchmal über das Ziel hinaus. Beleidigungen, verbale Angriffe besonders gegen einen ehemaligen Shooters-Spieler, der im Derby gegen den SC Langenhagen nun das gegnerische Trikot trug, waren der Tiefpunkt. „Wir grenzen keinen aus. Bei uns dürfen alle dabei sein. Was aber da passiert war, ging gar nicht. Wir haben darüber gesprochen, Verwarnungen ausgesprochen. Im schlimmsten würden wir auch welche ausschließen“, stellt Jaensch unmissverständlich klar. „Sicher kommt unsere Mannschaft zu erst. Aber wir wollen nicht als Assis dastehen. Wenn die anderen besser spielen, ist das halt so“, sagt Jaensch. Die Blus Boys haben gelernt.

Auch mit den Gegnern wird mittlerweile geredet. „Vor Auswärtsfahrten fragen wir nach, ob und mit wie viel Trommeln wir kommen dürfen. Wir wollen doch nicht nur für unsere Mannschaft was tun, sondern für Basketball generell“, sagt Jaensch. Im ersten Spiel des neuen Jahres müssen sie nicht nachfragen. Am 11. Januar haben die Shooters zum Start der Rückrunde die WSG Königs Wusterhausen zu Gast. Ein Trommelmarathon ist schon jetzt garantiert. Erst eine Woche später, wenn es zum Erzrivalen ASC Göttingen geht, ist wieder Gesprächsbedarf da. Aber vorher soll ja erst die Feier bei der Heimpartie steigen.