21. Juli 2016 / 17:59 Uhr

„Hauptsache nicht negativ auffallen“

„Hauptsache nicht negativ auffallen“

Nadine Bieneck
Märkische Allgemeine Zeitung
Sarah Mayer spielt zukünftig für das Zweitliga-Team des 1. FFC Turbine Potsdam.
Sarah Mayer spielt zukünftig für das Zweitliga-Team des 1. FFC Turbine Potsdam. © Privat
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Ex-Leichtathletin Sarah Mayer wechselt von Beelitz in die 2. Bundesliga zu Turbine Potsdam.

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Vor exakt drei Jahren krönte Sarah Mayer im tschechischen Ostrava eine starke Saison mit dem U23-Vize-Europameistertitel im Speerwurf. Seitdem hat sich viel getan im Leben der angehenden Polizeikommissarin. Ihre Leichtathletikkarriere hat die 25-Jährige im vergangenen Jahr beendet und ist zum Fußball gewechselt (MAZ Sportbuzzer berichtete). 

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In den vergangenen Monaten ging Mayer in der Regionalliga mit der SG Blau-Weiß Beelitz auf Torejagd. Am Saisonende stand Tabellenplatz 10 zu Buche. „Zufrieden waren wir damit nicht, wir hatten uns alle mehr erwartet“, berichtet sie. „Wir sind schlecht in die Saison gestartet, haben uns dann aber gefangen. Für mich persönlich ärgerlich war, dass ich mich gleich nach dem Saisonstart verletzt habe und eine ganze Weile nur zuschauen konnte.“

Höhepunkt - der Gewinn des Landespokals Brandenburg

Deutlich positiver verlief die Hallensaison für die Spargelstädterinnen – sie entschieden die erstmals als Futsal ausgetragene Landesmeisterschaft für sich. Saisonhöhepunkt  war allerdings der Gewinn des Landespokals gegen den amtierenden Titelträger FSV Babelsberg 74. „Das war ein absolutes Highlight, vor allem, da wir am Ende überlegen gewannen“, blickt Mayer, die in der Partie den zwischenzeitlichen 0:1-Rückstand egalisiert hatte, zurück.

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Auch in der Saison 2016/17 wird die 25-Jährige ein blau-weißes Trikot tragen. Dann allerdings in der 2. Bundesliga. Mayer wagt den Sprung hinauf und schnürt zukünftig ihre Töppen für das Zweitliga-Team des 1. FFC Turbine Potsdam. „Ich habe in meinem Jahr in Beelitz viel gelernt, aber auch gemerkt, dass ich nach wie vor den Ehrgeiz der jahrelangen Leistungssportlerin in mir trage. Die Trainingsintensität hat mich am Ende nicht mehr so gefordert, wie ich es mir gewünscht habe. Irgendetwas hat gefehlt, daher habe ich mich entschieden, den Verein zu wechseln“, erklärt sie. Für die 25-Jährige naheliegend im wahrsten Sinne des Wortes war der 1. FFC Turbine Potsdam, wohnt Mayer doch in unmittelbarer Nähe des Trainingsgeländes der „Turbinen“. Sie suchte das Gespräch mit Trainer Thomas Kandler, es folgte ein Probetraining mit der 2. Mannschaft, die sich überwiegend aus Schülerinnen der Sportschule Potsdam zusammensetzt und Ausbildungsmannschaft für das Erstliga-Team ist. „Athletisch lief es gut für mich, am Ball muss ich noch einiges dazu lernen, ebenso wie im taktischen Bereich “, berichtet Mayer. „Vom Trainer gab es aber positives Feedback. Wir probieren es aus und schauen, wie sich das Ganze entwickelt.“ Das tägliche Training auf dem Mayer gut bekannten Olympiastützpunkt Potsdam in unmittelbarer Nähe ihrer WG „ist schon anstrengend. Es gibt keinen Tag, an dem ich nicht fertig bin. Vieles im Körper tut weh, die Beine sind schwer. Aber genau so wollte ich es ja. Und irgendwann ist die Intensivphase der Konditionseinheiten ja auch mal vorbei.“


"Taktiktraining" am Controller der Playstation für Sarah Mayer. Foto: Privat

Anders als in Beelitz gehört Sarah Mayer im Turbine-Team zu den ältesten Spielerinnen. „Auch wenn die meisten Mädels einige Jahre jünger sind, kann ich von ihnen viel lernen. Und da ich auch immer für einen Spaß zu haben bin, spielt der Altersunterschied keine große Rolle.“ Die angehende Polizistin ist ebenso wiss- wie lernbegierig: „Ich freue mich riesig, so viel wie möglich zu lernen und will leistungsmäßig vor allem nicht negativ auffallen“, blickt sie lachend auf die Herausforderung. „Natürlich hoffe ich auch auf Einsatzzeiten, weiß aber, dass ich Geduld mitbringen muss. Für mich ist es eine Riesenchance und ich werde mich richtig ins Zeug legen.“ Dankbar ist die 25-Jährige gleichzeitig ihrem Arbeitgeber, der Landespolizei Brandenburgs. Einst als Leistungssportlerin in die Sportfördergruppe aufgenommen, absolviert Mayer dort einen regulären 40-Stunden-Job. „Trotz des Abschieds aus der Leichtathletik erhielt ich viel Rückendeckung und gehöre weiter zum Team. Auch für den Wechsel in den Fußball erhielt ich Unterstützung. Das ist nicht unbedingt selbstverständlich und dieses Vertrauen möchte ich zurückgeben.“

"Toll, für diese Stadt aufzulaufen"

Ihre Leichtathletikkarriere behält Mayer in guter Erinnerung. Platz sechs bei den Deutschen Meisterschaften 2015 mit 56,78 Metern im Speerwurf der Frauen war für die gebürtige Donzdorferin (Stuttgart), die 2003 mit zwölf Jahren an die Sportschule Potsdam kam, ein versöhnlicher Abschluss. Die U23-Europameisterschaft 2011 („Mein schönstes sportliches Erlebnis“) und die U23-Vizeeuropameisterschaft vor drei Jahren waren mit Abstand die Höhepunkte ihrer Karriere. Selbst ihr ehemaliger Trainer Tino Lang, der einst Mayers Talent für den Speerwurf erkannte, hat der 25-Jährigen seinen „Segen“ gegeben. „Er hatte schon immer das Gefühl, dass ich auch im Fußball ganz gut aufgehoben wäre. Nach zwölf Jahren beim SC Potsdam jetzt das Trikot für Turbine zu tragen, ist schon richtig geil. Ich lebe schon so lange in Potsdam und habe hier meine Heimat gefunden, da ist es ein tolles Gefühl, auch für diese Stadt aufzulaufen“, strahlt Sarah Mayer und scheint angekommen zu sein. Auflaufen wird „Schmayer“ für Turbine zukünftig mit der Trikotnummer 21 und ist damit in bester Gesellschaft mit WG-Kollegin Tabea Kemme. Diese trägt im Erstliga-Team nämlich die gleiche Nummer.

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