11. Mai 2021 / 20:11 Uhr

Mit "hausgemachter Stadionwurst": So planen RB Leipzigs Fans das Pokalfinale auf dem Sofa

Mit "hausgemachter Stadionwurst": So planen RB Leipzigs Fans das Pokalfinale auf dem Sofa

Elena Boshkovska
Leipziger Volkszeitung
RB Leipzigs Angelino im Duell mit Dortmunds Giovanni Reyna.
Wenn RB Leipzigs Angelino und Borussia Dortmunds Giovanni Reyna im Pokalfinale wieder um den Ball kämpfen, können die Fans nur von zu Hause aus zuschauen. © dpa
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Kein Stadionbesuch, kein Public Viewing, nicht einmal im eigenen Garten darf eine große Party stattfinden: RB Leipzig steht kurz vor dem ersten Titel der Vereinsgeschichte und die Fans können nicht ausgelassen mitfiebern oder gegebenenfalls feiern. Ein besonderer Tag und Abend wird es dennoch sein.

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Leipzig. Der Donnerstagabend wird in Leipzig ruhiger sein, als sich so manch einer gewünscht hätte. Die „Ahs“ und „Ohs“ bei Torchancen und Toren werden nur leise durch die Wohnungen, Häuser und Gärten der Fans von RB hallen, denn große Ansammlungen, gemeinsames Schauen und Treffen größerer Gruppen sind nicht erlaubt. Die Stimmung beim Pokalfinale gegen Borussia Dortmund (Donnerstag, 20.45 Uhr/ARD) wird sich nur in kleinen Kreisen ausbreiten können. Ein Haushalt darf sich mit einer weiteren Person treffen. Mehr ist aktuell nicht erlaubt. Die Lockerungen, die am Freitag in der Messestadt greifen werden und etwas mehr ermöglichen, kommen exakt einen Tag zu spät.

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Im Falle eines Sieges wird eine Fahne gedruckt

Aber an den Rückzug in den kleinsten Kreis haben sich die Anhänger der Roten Bullen gezwungenermaßen bereits gewöhnt. Dennoch schmerzt die Abstinenz nun ganz besonders, vor allem bei denen, die 2019 das Endspiel gegen den FC Bayern live miterlebten. Auch Tobias Hohensee war vor zwei Jahren bei der 0:3-Niederlage gegen München in der Hauptstadt: „Ich habe das damals vor Ort mit meiner Frau, meinem Vater und mit meinen besten Freunden erlebt.“ Damals habe sein Fanclub Red Campus Buttons für das Finale drucken lassen. „Da ist unser Fanclub-Logo mit dem Pokal drauf gedruckt. Die werde ich mir am Donnerstag beim Spiel auf jeden Fall anstecken.“

DURCHKLICKEN: Bisherige Auftritte von RB Leipzig im DFB-Pokal

29.07.2011: Regionalligist RB Leipzig gibt sein Debüt im DFB-Pokal. Und was für eins! Zu Gast ist Bundesligist VfL Wolfsburg. Der haushohe Favorit fährt geschlagen nach Hause. 3:2 gewinnen die Leipziger. Held des Abends ist Daniel Frahn, der alle drei Tore erzielt. Zur Galerie
29.07.2011: Regionalligist RB Leipzig gibt sein Debüt im DFB-Pokal. Und was für eins! Zu Gast ist Bundesligist VfL Wolfsburg. Der haushohe Favorit fährt geschlagen nach Hause. 3:2 gewinnen die Leipziger. Held des Abends ist Daniel Frahn, der alle drei Tore erzielt. ©

Anno 2021 sitzt er auf dem Sofa daheim. Vor Anpfiff werden dennoch zahlreiche Fan-Utensilien ausgepackt. „Der Schal wird rausgeholt, das Trikot wird angezogen“, sagt Hohensee. Zudem habe er noch etwas ganz besonderes vor, für den Fall das RB tatsächlich den Pokal holt: „Ich will eine Fahne drucken mit dem Logo von RB Leipzig, einem großen Pokal drauf, dem Datum und noch unser Fanclub-Logo. Die will ich dann an unserem Haus anbringen oder vielleicht auf dem Dach.“ Die Fahne soll dann bei jedem Spiel der Roten Bullen rausgehangen werden oder gegebenenfalls zu Auswärtsspielen mitfahren.



„Chatgruppen werden glühen“

Auch die Holy Bulls wären im Normalfall nach Berlin gefahren, sagt der Vorsitzende Olaf Olschewski. „Viele Mitglieder werden sich nun – ob im heimischen Garten, in der Wohnung oder auf der Terrasse – vor dem Fernseher postieren und ordentlich mitfiebern“, weiß er. Das alles natürlich in voller RB-Montur und ausgestattet mit viel Optimismus und sicherlich dem einen oder anderen Kaltgetränk, versichert Olschewski. „Die Aufregung steigt stündlich. Beim Spiel werden unsere Chatgruppen sicherlich glühen. Und nach Abpfiff hoffen wir alle auf eine erfolgreiche und gepflegte Eskalation. Wir sind mega optimistisch.“

Dass Chatgruppen glühen werden, ist nicht nur bei den Holy Bulls sicher. Auch Katja Herfurth von den ReBellen L.E. weiß, dass da „die Hölle los sein wird, weil sicherlich jede Situation kommentiert wird. So haben wir zumindest ein bisschen das Gefühl, zusammen zu sein.“ Sie selbst wird sich das Spiel zu Hause mit ihrem Mann ansehen, mit einem kühlen Getränk auf dem Sofa, ganz ungeschmückt. Von anderen Mitgliedern der ReBellen weiß sie aber, dass sie sich im Lieblings- oder gar Glückstrikot vor den Fernseher setzen werden.

Sportlich wird es hingegen bei Marco Cloodt von den MegaBullen. Er will nämlich am Donnerstagvormittag einen „Matchday Run“ an der Bullenwiese und am Bullenstall vorbei im RB-Trikot machen. Abends werde er sich in Fanausrüstung und mit RB-geschmücktem Tisch vor den Fernseher setzen. Bei Fanclub-Kollegin Susanne Odenthal soll das ähnlich aussehen. Allerdings will sie am Vormittag nicht joggen, sondern beten gehen. „Ich werde beim Gottesdienst zu Christi Himmelfahrt ein gutes Wort an höherer Stelle für den Pokalgewinn einlegen.“ Abends werde dann zusammen mit weiteren RB-Fans (im Rahme des Zulässigen) Fußball mit „hausgemachter Stadionwurst und Pommes rot-weiß“ gefiebert. „Natürlich in voller Montour.“