06. September 2020 / 14:25 Uhr

Mit Havertz, Gnabry, Kimmich & Co.: Sehen wir Löws 600-Millionen-Elf erst bei der EM?

Mit Havertz, Gnabry, Kimmich & Co.: Sehen wir Löws 600-Millionen-Elf erst bei der EM?

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Bundestrainer Löw (r.) steht in der Vorbereitung auf die EM im nächsten Jahr vor einigen Problemen.
Bundestrainer Löw (r.) steht in der Vorbereitung auf die EM im nächsten Jahr vor einigen Problemen. © Getty Images/imago images/Sportfoto Rudel (Montage)
Anzeige

In Top-Besetzung ist die potenzielle Startelf der deutschen Nationalmannschaft knapp 600 Millionen Euro wert. Doch beim Spiel gegen die Schweiz fehlen viele Profis, die bei der EM 2021 eine Rolle spielen werden. Und da die kommende Saison extrem eng getaktet ist, kann Bundestrainer Löw seine Stamm-Elf vielleicht erst beim Turnier versammeln.

Anzeige

Wenn die deutsche Nationalmannschaft am Sonntagabend (20.45 Uhr, So könnt ihr es sehen!) im St.-Jakob-Park von Basel auf die Schweiz trifft, steht sicherlich ein schlagkräftiges Team auf dem Platz. Doch die Wunsch-Elf von Joachim Löw für die Europameisterschaft im kommenden Jahr wird es wohl nicht sein. Denn: Viele Stars fehlen. Vier Triple-Sieger vom FC Bayern und die beiden Leipziger Champions-League-Halbfinalisten bekommen wohlverdienten Urlaub, Kai Havertz ist wegen seines Transfers zum FC Chelsea abgereist. Macht zusammen sieben potenzielle Stammspieler, die dem Bundestrainer nicht zur Verfügung stehen. Ein Brett.

In Top-Besetzung könnte die Nationalmannschaft ein Starensemble mit einem Marktwert von knapp 600 Millionen Euro sein (laut transfermarkt.de). Doch möglicherweise sehen wir dieses DFB-Team erst bei der EM gemeinsam auf dem Platz stehen. Der Blick auf den Terminplan der kommenden Spielzeit macht nämlich klar: Die Saison ist extrem eng getaktet. Insbesondere für die Profis von Triple-Sieger FC Bayern wartet mit Bundesliga. Champions League, DFB-Pokal, dem deutschen Supercup, dem UEFA-Supercup und der Klub-WM ein fast unglaubliches Programm, das mit zusätzlichen Länderspiel-Einsätzen wohl kaum durchzuhalten ist.

Mehr vom SPORTBUZZER

Mit Marktwerten: So könnte Deutschland bei der EM 2021 spielen

Tor: Manuel Neuer (14,5 Millionen Euro)
Abwehr: Lukas Klostermann (35 Millionen Euro), Niklas Süle (48 Millionen Euro), Antonio Rüdiger (40 Millionen Euro), Robin Gosens (27 Millionen Euro)
Mittelfeld: Toni Kroos (48 Millionen Euro), Joshua Kimmich (75 Millionen Euro), Kai Havertz (81 Millionen Euro)
Angriff: Leroy Sané (80 Millionen Euro), Timo Werner (64 Millonen Euro), Serge Gnabry (72 Millionen Euro)

Problem: Mit Manuel Neuer, Niklas Süle, Joshua Kimmich, Leon Goretzka, Leroy Sané und Serge Gnabry stellen die Münchener immerhin sechs absolute Stammplatz-Anwärter für die Nationalelf. Löw hatte bereits bei der Nominierung seines Kaders für den Nations-League-Auftakt auf die notwendige Belastungssteuerung verwiesen und freiwillig auf das Gros der Champions-League-Teilnehmer verzichtet. Ein Szenario, dass sich durch die Saison ziehen könnte. So ist es auch mit Blick auf den nächsten DFB-Lehrgang fraglich, ob der Bundestrainer schalten und walten kann, wie er möchte.

Für die Bayern-Profis stehen allein in den beiden Wochen vor dem Testspiel gegen die Türkei am 7. Oktober und den folgenden Nations-League-Partien in der Ukraine (10. Oktober) und gegen die Schweiz (13. Oktober) vier Partien auf dem Programm. Und es geht ungebremst weiter: Zwei Tage nach dem Rückspiel gegen die Eidgenossen steht der DFB-Pokal an, am darauffolgenden Wochenende wartet Arminia Bielefeld in der Bundesliga. Es muss wohl erneut eine Einigung zwischen dem DFB und den Münchnern her. Karl-Heinz Rummenigge & Co. wären wohl wenig begeistert, wenn ihre Stars auch noch einen Länderspiel-Dreierpack absolvieren müssen. DFB-Manager Oliver Bierhoff mahnte bei Sport1 schon: "*Es kann auch nicht sein, dass es immer die Nationalmannschaft ist, die zurücksteckt."*

Löw braucht Trainingseinheiten mit dem Team – doch das wird schwierig

Löw ist das Dilemma bewusst. Schon nach dem 1:1 gegen Spanien klagte er über die Ansetzung von drei Länderspielen in einer Abstellungsperiode – ein Szenario, das im November noch einmal auf das DFB-Team zukommt. Der Bundestrainer betonte, dass er Trainingseinheiten benötige, um an Mechanismen zu arbeiten. Ein Wunsch, der aufgrund des Hammer-Programms aber nur unbefriedigend erfüllten werden kann. Und: Sollten Bayern, Borussia Dortmund, RB Leipzig oder Borussia Mönchengladbach auch noch im kommenden Frühjahr in der Champions League vertreten sein, dürften die Probleme noch größer werden.

Folglich hofft man beim DFB darauf, dass sich in der Spitze eine gewisse Breite entwickeln wird. So war schon gegen Spanien der Sieg zum Greifen nah - trotz der vielen Ausfälle. "Man hat gesehen, wie viele Talente und gute Spieler wir haben. Vor allem wenn man bedenkt, wer alles nicht dabei war", sagte DFB-Präsident Fritz Keller. Auch der Verbandsboss weiß, dass man durch das Programm in den kommenden Monaten wohl nicht umhinkommen wird, immer wieder einigen Säulen der designierten ersten Elf eine Pause zu genehmigen. Auch mit Verletzungen muss in der kurzen Saison gerechnet werden.

50 ehemalige deutsche Nationalspieler und was aus ihnen wurde

Patrick Owomoyela, Benjamin Lauth, David Odonkor und Manuel Friedrich spielten für die deutsche Nationalmannschaft. Wir zeigen, was sie heute machen. Klickt euch durch! Zur Galerie
Patrick Owomoyela, Benjamin Lauth, David Odonkor und Manuel Friedrich spielten für die deutsche Nationalmannschaft. Wir zeigen, was sie heute machen. Klickt euch durch! ©

Auch die unmittelbare EM-Vorbereitung ist historisch kurz

Viel Zeit, um Abläufe und Automatismen einzustudieren, bleibt da nicht. Denn auch die direkte Vorbereitung auf die EM fällt enorm kurz aus. Das Eröffnungsspiel beim in ganz Europa ausgetragenen Turnier findet weniger als zwei Wochen nach dem Champions-League-Finale statt. Hoffnung macht nur, dass die anderen Top-Nationen mit den gleichen Problemen zu kämpfen haben.