16. November 2020 / 19:29 Uhr

HCL-Fan ficht Geisterspiele vor dem Verwaltungsgericht Leipzig an

HCL-Fan ficht Geisterspiele vor dem Verwaltungsgericht Leipzig an

Kerstin Förster
Leipziger Volkszeitung
Derzeit müssen die Spiele des HC Leipzig coronabedingt ohne Zuschauer stattfinden. Ein Fan des Vereins ficht den Beschluss nun vor Gericht an.
Derzeit müssen die Spiele des HC Leipzig coronabedingt ohne Zuschauer stattfinden. Ein Fan des Vereins ficht den Beschluss nun vor Gericht an. © André Kempner
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Einige sportbegeisterte Fans möchten ihre Teams wieder live vor Ort unterstützen und können die seit Anfang November verschärften Corona-Maßnahmen nur teilweise nachvollziehen. Heinz Jörg Winkler will deshalb den Beschluss, dass Spiele nur ohne Zuschauer stattfinden, vor dem Leipziger Verwaltungsgericht anfechten.

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Leipzig. Handball ist sein Lieblingssport, Frauen-Zweitbundesligist HC Leipzig seine Lieblingsmannschaft, die Heinz Jörg Winkler aus der Südvorstadt als treuer Fan und Vereinsmitglied am 1. November letztmalig in der Sporthalle Brüderstraße live verfolgen konnte. Der 75-Jährige gehörte damit zu den erlaubten 150 Dauerkartenbesitzern in der Halle. Doch tags darauf traten die neuen Beschränkungen für Profi-, Amateur- und Breitensport in Kraft – Geisterspiele im Teil-Lockdown inklusive. Dagegen hat HCL-Anhänger Winkler am 9. November beim Verwaltungsgericht Leipzig einen Eilantrag auf einstweiligen Rechtsschutz eingereicht, mit dem er die verordneten Partien ohne Publikum anfechten will.

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Von der Stadt genehmigtes Hygienekonzept

„Es steht für mich außer Zweifel, dass außergewöhnliche Zeiten auch außergewöhnliche Maßnahmen erfordern. Diese Maßnahmen setzen aber auch ein vernünftiges Augenmaß voraus. Es ist bisher kein Fall bekannt, dass es unter den ohnehin schon eingeschränkten Zuschauerzahlen bei Sportveranstaltungen zu Ansteckungen mit Corona gekommen ist“, argumentiert der aus einer Handball-Familie stammende Senior. Weiter führt er das schlüssige und von der Stadt genehmigte Hygienekonzept an, das beim besagten Heimspiel gegen die Füchse Berlin von allen Beteiligten diszipliniert eingehalten wurde.

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Die nun unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfindenden Partien seien auch für die Akteure keine befriedigende Angelegenheit. „Dafür besteht bei mir und vielen anderen kein Verständnis. Irgendwo muss es Grenzen der Zumutbarkeit geben. Diese Aussage trifft natürlich auch auf andere Bereiche des Daseins zu.“ Der frühere Bergmann führt an, dass beispielsweise Kirchen weiterhin ihre Gottesdienste durchführen können. Am 15. November sogar zweimal mit einem Benefiz-Auftritt der Violinistin Anne-Sophie Mutter in der Leipziger Thomaskirche, obwohl Konzerte grundsätzlich verboten sind.

Eile sei geboten, damit im Sport einigermaßen vertretbare Verhältnisse möglich sind. „Ehrlicherweise muss ich gestehen, dass ich nicht in der Haut der Entscheidungsträger stecken möchte“, sagt Winkler. Wann eine Entscheidung zum Verfahren fällt, ist unklar. „Für die Stadt als Antragsgegnerin läuft noch eine Frist zur Stellungnahme“, teilte eine Gerichtssprecherin gestern mit.

Noch ein Heimspiel im November, dann Pause

Vergangenen Sonntag hätte der HC Leipzig, derzeit Tabellensechster, die SG Kirchhof aus Nordhessen empfangen. Doch die Partie wurde wegen Corona-Fällen beim Gegner abgesagt. Auch zwei weitere Spiele konnten nicht stattfinden. Für die Leipzigerinnen hieß es deshalb statt Punktekampf weiter die gute Form erhalten. Cheftrainer Fabian Kunze (29) setzte eine schweißtreibende Laufeinheit an. „Wenn Herr Winkler mit seiner Initiative etwas erreicht, würde dies uns sehr helfen. Aber solange andere, wie beispielsweise die Gastronomie, von pandemiebedingten Beschränkungen betroffen sind, ist eine Extrabehandlung sehr schwer vorstellbar und nicht gut“, betont Kunze.

Ohnehin wäre im November nur noch der TV Beyeröhde aus Wuppertal zu Gast in Leipzig. Im Dezember pausiert die Liga. Ein Ausweichtermin für das Heimspiel gegen Kirchhof (Stadtteil von Melsungen) wird gesucht.