20. November 2020 / 19:15 Uhr

"Ehrgeiz ist wieder entfacht": In Heeßel geht es nach der Katastrophensaison langsam bergauf

"Ehrgeiz ist wieder entfacht": In Heeßel geht es nach der Katastrophensaison langsam bergauf

Nicola Wehrbein
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Niklas Rohden vom Heeßeler SV
 (grünes Trikot) läuft dem Eilveser Richard Leimann davon. 
Niklas Rohden vom Heeßeler SV (grünes Trikot) läuft dem Eilveser Richard Leimann davon.  © CHRISTIAN HANKE
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Seit der Saison 2014/15 spielt Niklas Rohden inzwischen für den Heeßeler SV. In dieser Zeit hat der Schlüsselspieler (fast) alles miterlebt. Negativer Höhepunkt war sicherlich der Fastabstieg in der vergangenen Saison, der nur durch den Saisonabbruch verhindert werden konnte. Inzwischen geht es beim HSV langsam wieder bergauf - auch dank Trainer Martin Mohs, der den Spaß zurückgebracht hat. 

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Er ist in seinem verflixten siebten Jahr. Und das ist laut Statistik in einer Beziehung tatsächlich ein besonders schwieriges. Auf das Verhältnis von Schlüsselspieler Niklas Rohden zu seinem Herzensverein Heeßeler SV trifft das allerdings nicht zu. Der Mittelfeldakteur schloss sich zur Saison 2014/2015 dem Landesligisten an und ist damit der dienstälteste Spieler.

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Er hat beim HSV schon unter sechs Trainern gespielt – und viele Höhen und Tiefen miterlebt: Von Fastaufstiegen in die Oberliga bis zum Fastabstieg in der vergangenen Saison war (fast) alles dabei. Unter Martin Mohs hat das Team wieder zurück in die Spur gefunden – darüber ist nicht nur Rohden glücklich.

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Levestes Sascha Romaus überwindet Kirchdorfs Schlussmann Jens Trampenau und trifft zum vermeintlichen 1:1-Ausgleich. ©

Rohden beim Fastaufstieg mittendrin

Als Steppke war Rohden für seinen Heimatverein FC Lehrte am Ball. Erste fußballerische Erfahrungen im Männerbereich sammelte der Lehramtsstudent bei Bezirksligist MTV Ilten – an der Seitenlinie damals: sein Vater Ralf Rohden.

Im Sommer 2014 dann der Wechsel nach Heeßel in die Landesliga. Es folgte eine sehr erfolgreiche Spielzeit. „Trainer war Niklas Mohs. Wir standen lange auf Platz eins, hatten es selbst in der Hand, den Aufstieg klarzumachen. Erst zum Ende haben wir das Heft aus der Hand gegeben und wurden Dritter“, erinnert sich der 27-Jährige.

Nach der Trennung von Niklas Mohs geriet der HSV ins Straucheln, die Amtszeiten von Walter Zimmermann und Hendrik Großöhmichen blieben glanzlos. Pascal Preuß brachte Ruhe rein – und den Erfolg zurück. Die Vizemeisterschaft 2018 gehörte zu den Höhen, die der offensive Mittelfeldmann Niklas Rohden beim HSV erleben und mitprägen durfte.

"Viel schlimmer als die ständigen Niederlagen war die Gesamtsituation"

Bevor es vergangenen Sommer zum freien Fall kam: Preuß wechselte zum Ligakonkurrenten TSV Krähenwinkel/Kaltenweide, überdies verließen etliche Spieler den Verein. Thomas Joedecke übernahm das Himmelfahrtskommando und musste eine neue Mannschaft aufbauen. „Eine schwierige Situation. Ich bin geblieben, weil ich Thomas Joedecke kenne und gern mal bei ihm spielen wollte“, sagt Rohden.

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Acht Landesligaspiele ohne Punktgewinn – das war’s für Joedecke. Auch die nachfolgenden Interimslösungen konnten das Ruder nicht herumreißen. „Viel schlimmer als die ständigen Niederlagen war die Gesamtsituation. Beim Training waren wir oft nur zu fünft. Und in den Spielen sind wir mit A-Junioren und Altherrenspielern aufgelaufen. Man musste anfangen, mit Niederlagen glücklich zu werden. Dabei ist der Ehrgeiz auf der Strecke geblieben“, so Rohden.

Martin Mohs als Glücksfall

Die ersehnte Wende kam mit der Verpflichtung von Martin Mohs im November vergangenen Jahres, der Fußballlehrer erwies sich als Glücksgriff. Aber das Wunder Klassenerhalt hätte auch er sicher nicht vollbringen können – das besorgte Corona. Und warf damit die Saisonplanung des HSV für einen Neubeginn eine Etage tiefer über den Haufen. Dass der mit Bedacht zusammengestellte junge Kader in der Landesliga bestehen kann, hat er in den bisherigen sechs Partien gezeigt.

„Martin Mohs hat viele Gespräche mit uns geführt und dabei aufgezeigt, wohin der Weg führen soll“, sagt Niklas Rohden. „Man spürt, wie sehr ihm der Verein am Herzen liegt. So etwas überträgt sich. Der Ehrgeiz ist wieder entfacht, da mussten wir erst mal hinkommen. Plötzlich sind 16 Mann beim Training, weil alle einen Riesenspaß daran haben, gemeinsam zu kicken.“

Rohden weiß, was Heeßel auszeichnet

Auch das Drumherum in Heeßel sei fantastisch, unterstreicht Niklas Rohden. „Man kommt gern auf den Platz. Es fühlt sich ein bisschen wie Familie an. Nicht nur wegen der Mitspieler und Kumpels. Da ist auch noch Inge Kronimus, ich freue mich immer, wenn ich sie sehe. Sie ist unsere gute Seele, versorgt uns mit Essen nach den Spielen, backt Kuchen und schmiert Brötchen. Inge kümmert sich mit so viel Herzblut. Oder unser Betreuer ,Klausi’, Klaus Kietzmann, der schon ewig dabei ist. Das sind Menschen, die den Verein ausmachen. Sie geben dem Heeßeler SV eine Identität.“

Und die gesamte grün-weiße Fußballfamilie fiebert mit, wenn es für die Mannschaft in der Landesliga um das große Ziel Klassenerhalt geht. „Die bisherige Zählerausbeute ist mit vier Punkten nicht wirklich toll. Aber es waren viele gute Ansätze da. Es geht voran, der Teamgeist stimmt, wir sind motiviert und ehrgeizig. Und wir werden alles dafür geben, noch viele Punkte zu sammeln“, sagt Niklas Rohden.