13. Juli 2020 / 09:17 Uhr

Für "Ziel Klassenerhalt": Heeßeler SV setzt auf Trainingsfleiß, Einsatz und Identifikation 

Für "Ziel Klassenerhalt": Heeßeler SV setzt auf Trainingsfleiß, Einsatz und Identifikation 

Nicola Wehrbein
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Mit vollem Einsatz: Heeßels Torben Westphal setzt im Spiel gegen den OSV Hannover zur Grätsche an. 
Mit vollem Einsatz: Heeßels Torben Westphal setzt im Spiel gegen den OSV Hannover zur Grätsche an.  © Debbie Jayne Kinsey
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Ohne die Corona-Krise würde der Heeßeler SV in der nächsten Saison nur noch in der Bezirksliga spielen. Doch durch den Abbruch der Saison ohne Absteiger bleibt er Landesligist. Die Mannschaft wurde auf vielen Positionen verändert - vor allem junge, entwicklungsfähige Spieler sollen unter Martin Mohs eine Chance kriegen.

Das Leben treibt manchmal seltsame Blüten. Selbst die kühnsten Optimisten hätten zur Winterpause wohl keinen Pfifferling mehr auf den Klassenerhalt von Landesliga-Schlusslicht Heeßeler SV gegeben. Die sportliche Lage war eindeutig: In 14 Begegnungen schaffte die Mannschaft nur einen Sieg, dem standen 13 teils deftige Niederlagen gegenüber. Die Verpflichtung des neuen Trainers Martin Mohs Anfang November erwies sich zwar schnell als wahrer Glücksgriff, doch Wunder kann auch er nicht vollbringen – das ist allen Beteiligten von vornherein bewusst gewesen.

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Die Planungen liefen folglich schon frühzeitig auf einen Neubeginn eine Etage tiefer hinaus. Plötzlich kam alles anders: Corona-Zwangspause, Saisonabbruch, keine Absteiger – der HSV bleibt Landesligist. Und nun? Wurde damit die Kader-Gestaltung wieder komplett über den Haufen geworfen? „Nein, keineswegs“, betont Mohs – „wir nehmen die Landesliga mit einer extremst jungen Truppe optimistisch in Angriff.“

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Harte Landung: Sarstedts Torschütze zum 3:1, Christian Schäfer, prallt hart auf den Boden.  Zur Galerie
Harte Landung: Sarstedts Torschütze zum 3:1, Christian Schäfer, prallt hart auf den Boden.  ©

Nach neun Spieltagen folgte die Trennung von Thomas Joedecke

Die jüngst abgebrochene Spielzeit war für die erste Mannschaft des Heeßeler SV eine Saison zum Vergessen. Thomas Joedecke hatte sich im Sommer letzten Jahres - nach dem Weggang von Coach Pascal Preuß und zahlreichen Spielern - der schwierigen Aufgabe gestellt, ein völlig neues Team aus dem Boden zu stampfen. Und das auf der Ebene Landesliga. Der XXL-Umbruch ist in der Kürze der Zeit nicht gelungen.

Nach neun Spieltagen und einer Bilanz von null Punkten trennte sich der Verein von Joedecke. Übergangsweise sprangen dessen ehemaliger Assistent Andreas Schaper, der Coach der Reserve, Marcel Pawlow, sowie das Spielertrio Niklas Rohden, Timo Kuhlgatz und Manuel Owsianski in die Bresche. Bevor schließlich Martin Mohs das Himmelfahrtskommando übernahm – aus Verbundenheit zu seinem Heimatklub. Unter der Regie des erfahrenen Fußballlehrers feierte der HSV prompt seinen ersten Sieg, ausgerechnet im Derby gegen die TSV Burgdorf. Ein klasse Einstand und moralischer Mutmacher, der jedoch an der grundsätzlichen Tabellensituation nichts änderte.

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„Ich wollte früh dran sein in puncto Personalplanung. Deshalb haben wir schon im Januar/Februar die Gespräche mit den Spielern aufgenommen und auch abgeschlossen“, schildert Mohs – „zu diesem Zeitpunkt sind wir natürlich davon ausgegangen, künftig in der Bezirksliga zu spielen.“ Dass nun dank Corona alles anders gekommen ist, löst bei den Heeßelern keineswegs Aktionismus aus.

Mohs ist guten Mutes und der festen Überzeugung, dass sein auf vielen Postionen neu aufgestelltes Team die Herausforderung Landesliga meistern wird: „An der Truppe, die wir zusammengestellt haben, ändern wir nichts mehr. In unserer Denk- und Vorgehensweise haben wir das Augenmerk auf eine junge, entwicklungsfähige Mannschaft gerichtet. Ein Perspektivteam, das wir kontinuierlich aufbauen und festigen wollen. Der Altersdurchschnitt liegt unter 23 Jahren. Allesamt vernünftige und talentierte Fußballer. Auf diese Jungs setzen wir.“ (Mit-)entscheidende Auswahlkriterien seien unter anderem Tugenden wie Trainingsfleiß, Einsatz, Motivation und Identifikation gewesen.


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Sechs Spieler kommen aus Ramlingen

Mohs und den Vereinsverantwortlichen ist es geglückt, den Stamm des Kaders zu halten. Bis auf Niklas Baylor (FC Burgwedel), Robin Beneke (1. FC Wunstorf), Michael Draper (Mellendorfer TV), Paul-Luis Hilzendeger (SV Bavenstedt) sowie Carlos Anson, Nürettin Demirel, Steven Kriesten und Justus Scheidemann (alle Ziel unbekannt) ist die Mannschaft zusammengeblieben. „Wir haben dann geschaut, auf welchen Postionen wir Spieler brauchen und wer in unser Anforderungsprofil passt“, erklärt der Fußballlehrer.

Geballte Verstärkung kommt aus der direkten Nachbarschaft: Paul Dietrich, Tahir Kezer, Maurice Klinkowski, Kubilay Sanli, Jan Spies und Volkan Umut trugen bislang das Trikot des SV Ramlingen/Ehlershausen, fortan sind sie im Dress des HSV am Ball. Aus der eigenen Jugend stoßen Pascal Hoppe und Leon Rasokat dazu. Wilke Buschmann (Sparta Göttingen) und Darwish Hasn (U19 HSC Hannover) komplettieren die Liste der insgesamt zehn Zugänge. Bereits kurz nach seiner Verpflichtung hatte Mohs die beiden jungen Talente Samet Gülle und Ozan Özdemir zum Heeßeler SV geholt. Neuer Co-Trainer ist Gerome Völger, in Fußballkreisen ein durchaus bekannter Name.

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Burgdorfs Jason Mau (links) versucht an den Ball zu kommen. Zur Galerie
Burgdorfs Jason Mau (links) versucht an den Ball zu kommen. ©

"Die Bäume werden nicht sofort in den Himmel wachsen."

„Wir haben versucht, die Fehler aus der Vergangenheit, nicht zu wiederholen“, sagt Mohs. „Zweifellos ist nun nicht plötzlich alles rosa-rot. Die Bäume werden nicht sofort in den Himmel wachsen. Es gilt weiterhin die Strategie, in kleinen Schritten voranzukommen. Unser Ziel ist der Klassenerhalt. Und ich bin optimistisch, dass wir das schaffen.“

Der Trainer hatte die Saison bereits vor einigen Wochen für beendet erklärt. „Ein normales Training war unter den vorgegebenen Regeln und Auflagen definitiv nicht möglich. Wir haben komplett Pause gemacht.“ An diesem Wochenende bat Mohs seine Akteure erstmals wieder auf den Platz – zum Auftakt einer intensiven Vorbereitung mit bis zu fünf Trainingseinheiten pro Woche. Die ersten Testspiele sind auch schon verabredet. Die junge ambitionierte Truppe des Heeßeler SV will gewappnet sein für die Herausforderung Landesliga. Wann auch immer die Saison 2020/21 beginnen mag.