27. Januar 2022 / 10:58 Uhr

Die Aussicht? "Knüppelhart!" Trotzdem haben sie in Heeßel "wieder richtig Lust"

Die Aussicht? "Knüppelhart!" Trotzdem haben sie in Heeßel "wieder richtig Lust"

Nicola Wehrbein
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Mit Leidenschaft, Ehrgeiz und unter Einsatz aller Kräfte will das junge Heeßeler Team den Klassenerhalt schaffen.
Mit Leidenschaft, Ehrgeiz und unter Einsatz aller Kräfte will das junge Heeßeler Team den Klassenerhalt schaffen. © Michael Plümer
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Für den Heeßeler SV geht die Saison in der Abstiegsrunde weiter. Was zunächst für Frust gesorgt hat, sehen Martin Mohs und seine Spieler jetzt als Herausforderung. Es werde "knüppelhart", so der Coach. Aber: "Die Jungs haben wieder richtig Lust auf Fußball."

Seit Mitte Januar ist der Heeßeler SV wieder im Training – mit viel Schweiß, aber auch jeder Menge Spaß. Sieben Wochen intensive Vorbereitung stehen an, bevor es ernst wird für die Grün-Weißen. In einer Staffel mit 13 Mannschaften werden in einfachen Duellen die sechs Absteiger in die Bezirksliga ermittelt. Alles ist auf Anfang gestellt, die Teams starten mit null Punkten. „Das wird ein knüppelhartes Frühjahr“, sagt Martin Mohs – und in seinen Worten schwingt schon jetzt dieses leichte Kribbeln mit.

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Zufrieden berichtet der Coach von seinen ersten Trainingseindrücken: „Es macht Spaß. Die Jungs sind mit Begeisterung und Freude dabei, alle ziehen super mit. Und die Trainingsbeteiligung ist extrem hoch.“ Fast zwei Monate hatte der Ball komplett geruht beim HSV. „Wir haben eine echte Pause gemacht. Das hat sicherlich dazu beigetragen, dass die Jungs jetzt wieder richtig Lust auf Fußball haben“, sagt Mohs. Wobei er in den Übungseinheiten nicht mit den absoluten Grundlagen beginnen musste, die Spieler hatten Laufpläne für die individuelle Vorbereitung an die Hand bekommen. Zurück auf dem Platz ist jetzt wieder Feuer drin bei den Grün-Weißen.

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Ein Feuer, das zwischenzeitlich nicht mehr ganz so stark brannte. Genau genommen in dem Moment, als klar wurde, dass es nicht für einen der vorderen Plätze reichen würde. Abstiegsrunde, das schmeckt wie trocken Brot, daran hatten sie in Heeßel erst einmal zu knabbern. Gerade, weil vor Saisonbeginn die Euphorie so groß gewesen war, angesichts der starken Zugänge, allen voran Mittelfeldregisseur Marvin Omelan, und der namhaften Rückkehrer um Nick Poelmeyer.

Doch das Verletzungspech grätschte dem HSV wie schon in den Jahren zuvor schmerzhaft in die Parade: Wilke und Torben Buschmann, Maurice Klinkowski sowie Torben Westphal mussten die komplette Hinserie passen und werden wohl auch für den Rest der Saison nicht einsatzfähig sein. Hinzu kamen permanent weitere Ausfälle beim HSV. Die Personalmisere und eine Serie von sieben Spielen ohne Sieg schlugen den Heeßelern aufs Gemüt und kratzten an der Moral. „Nicht einfach für einen Trainer, in einer solchen Situation alle Schäfchen zusammen- und die Motivation hochzuhalten“, sagt Mohs.

Trio hat es nach Ramlingen verschlagen

Neben dem Verletzungsdesaster trugen die Unerfahrenheit der jungen, talentierten Akteure sowie das fehlende Quäntchen Glück zur letztlich recht ernüchternden Bilanz bei: Mehr als 16 Punkte und der achte Platz in der Nordstaffel sprangen für die Heeßeler nicht heraus. Doch das ist Vergangenheit, mit freiem Kopf und neuer Motivation nehmen die Grün-Weißen nun die Mission Klassenerhalt in Angriff.

Nicht mehr dabei sind Kubilay Sanli, Jannick Schott und Darwish Hasn, das Trio hat sich der U23 des SV Ramlingen-Ehlershausen angeschlossen. Verzichten muss Mohs künftig auch auf Stammkraft Manuel Owsianski. „Manuel ist umgezogen, auf die andere Seite von Hildesheim. 60 Kilometer zum Training, eine einfache Fahrt, das ist ihm zu weit. Wir lassen Manuel schweren Herzens ziehen und bringen ihm unsere höchste Wertschätzung entgegen“, sagt der HSV-Coach. Neu an Bord ist Kirill Weber, der unter anderem bereits für den SV Ramlingen/Ehlershausen und OSV Hannover am Ball war, zuletzt trug der Mittelfeldakteur das Trikot des TSV Godshorn.


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„Abstiegsrunde, zwölf Spiele, die entscheiden: Das ist superinteressant und megaspannend. Und zugleich knüppelhart“, sagt Mohs. Viel hänge von einem guten Start ab. „Ansonsten kann man plötzlich auch mal mit dem Rücken zur Wand stehen.“ Abstiegsangst wollen sie in Heeßel möglichst gar nicht erst aufkommen lassen. „Die Jungs zeigen in jedem Training, dass sie gewillt sind, die Aufgabe mit Leidenschaft, Ehrgeiz und unter Einsatz aller Kräfte anzugehen.“

Mohs hatte bei aller berechtigten und positiven Aufbruchstimmung zu Saisonbeginn stets vor zu großen Erwartungen gewarnt. „Wir wissen, wo wir herkommen.“ Er spricht konsequent von einer Philosophie der kleinen Schritte, einer Entwicklung, die er kontinuierlich vorantreiben möchte. Viele wichtige Schritte in die richtige Richtung hat die Mannschaft unter seiner Regie bereits gemacht. Fehlt (vorerst) noch der große Sprung zum Klassenerhalt. Für den im Sommer aus beruflichen Gründen scheidenden Co-Trainer Gerome Völger wäre das zugleich ein schönes Abschiedsgeschenk.

Am Sonntag (12 Uhr) gastiert der Heeßeler SV bei Regionalligist HSC Hannover, ferner stehen Testspiele beim Mellendorfer TV (13. Februar), bei TuS Celle (20. Februar) und beim FC Lehrte (27.Februar) auf dem Plan. Am 6. März geht’s dann endlich los mit dem ersten Spiel in der Abstiegsrunde: Die Mannschaft um HSV-Kapitän Omelan ist beim SC Hemmingen-Westerfeld, dem Tabellenfünften der Staffel Süd, gefordert. Dann beginnt für den Heeßeler SV das knüppelharte Frühjahr mit der Hoffnung auf einen entspannten Sommer – und einem weiteren Jahr in der Landesliga.