04. Januar 2021 / 16:37 Uhr

Altbacken, retro oder hip? In Heeßel trägt man wieder die Nummern 1 bis 11

Altbacken, retro oder hip? In Heeßel trägt man wieder die Nummern 1 bis 11

Ole Rottmann
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Ein Spieler mit der 99 auf dem Rücken? Das gibt's beim Heeßeler SV nicht.
Ein Spieler mit der 99 auf dem Rücken? Das gibt's beim Heeßeler SV nicht. © Michael Plümer
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Martin Mohs hat beim Heeßeler SV abgeschafft, was auch in den unteren Spielklassen längst normal ist: die feste Vergabe von Rückennummern. Die Startelf des Landesligisten trägt die Nummern 1 bis 11, fast einzigartig in der Region. "Ich bin sowieso etwas oldschool oder altbacken", sagt der Coach.

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Irgendwann wurde es Martin Mohs schlicht zu bunt. „Wir hatten Trikotsätze mit einem Oberteil in Größe XL und einer Hose in M“, sagt der Trainer des Heeßeler SV. Vor der Amtszeit des Fußballlehrers beim Landesligisten lief es an der Dorfstraße wie vielerorts: Jeder Kicker sucht sich eine freie Rückennummer aus und darf bei Neubestellungen die für ihn passenden Konfektionsgrößen wählen.

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So weit, so gut. „Doch wenn der Spieler den Verein verlässt, wer soll dann in seine Klamotten passen?“, fragt Mohs. Schließlich bilden die mit Nummern beflockten Hosen und Hemden eine personalisierte Symbiose. Ob nun breite Schultern mit schmaler Hüfte oder das genaue Gegenteil (eher klein und untersetzt) – anhand der Körpermaße nach Neuzugängen zu fahnden, erscheint kein probates Mittel.

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Und so machte der Coach aus der Not eine Tugend, die ihm ohnehin zupasskam. Er schaffte ab, was – seit Mitte der Neunzigerjahre in den deutschen Profiligen üblich – mittlerweile auch in den unteren Klassen gang und gäbe ist: die feste Vergabe der Rückennummern. „Früher musste man zusehen, eine Nummer zu kriegen, die niedriger als 12 ist“, sagt Mohs. Denn das hieß Startelfeinsatz. „Heute denken viele, sie sind an der Schwelle zum Vollprofi und müssen deshalb mit der 99 rumlaufen“, ergänzt der Trainer, der kurzerhand einen neuen Satz Spielkleidung in der Einheitsgröße L orderte, leicht sarkastisch.

Niklas Rohden konnte sich von der 13 trennen

Gleiches Recht für alle bei freier Nummernvergabe vor jeder Partie. „Ich bin sowieso etwas oldschool oder altbacken“, sagt Mohs, der sich nach eigener Aussage darüber im Klaren war, dass er sich mit der Neuerung „nicht nur Freunde“ machen würde. Denn Rückennummern gehören heute häufig zum Selbstverständnis eines Kickers dazu, schon in den Juniorenteams werden die Zahlen oftmals fest vergeben. Man wächst mit seiner Zahl auf und diese einem ans Herz.


So war es auch Heeßels dienstältester Akteur Niklas Rohden gewohnt, mit der 13 seine Tore zu erzielen. Vor Jahren mehr oder weniger zufällig bekommen, mittlerweile als Hommage an Thomas Müller von Bayern München, der im deutschen Nationaltrikot diese Zahl abonniert hatte, etabliert. „Dieses etwas Stokelige und dann durch drei Leute auf einmal durch, das passt auch ganz gut zu meiner Spielweise“, sagt der ­27-Jährige schmunzelnd.

Doch damit ist nun Schluss; um die 13 zu behalten, müsste er sich schon auf die Ersatzbank setzen. „Den Kommentar habe ich schon häufiger gehört“, sagt Rohden. Doch so weit geht die Liebe zur 13 dann doch nicht. Lieber Startelf – und neuerdings eben meist mit der 11. Die Vergabe der Nummern obliegt nunmehr Mohs und erfolgt meist positionsbezogen. Der Trainer, Jahrgang 1975, verweist dabei auf die guten alten Zeiten mit ihren Gepflogenheiten.

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Hozan Partawie (SG Letter 05): Im Auswärtsspiel beim SV Türkay Spor Garbsen hat der 35-jährige Torhüter drei Elfmeter binnen drei Minuten pariert. Dafür wurde er mit 29,4 Prozent der Stimmen der Held der Woche. Zur Galerie
Hozan Partawie (SG Letter 05): Im Auswärtsspiel beim SV Türkay Spor Garbsen hat der 35-jährige Torhüter drei Elfmeter binnen drei Minuten pariert. Dafür wurde er mit 29,4 Prozent der Stimmen der Held der Woche. ©

Am meisten herumgekommen ist bislang das HSV-Textil mit der 3, das schon an vier Leibern durch die Landesliga Nord getragen wurde: Torben Westphal, Benjamin-Lukas Grund, Torben Buschmann sowie Wilke Buschmann liefen darin in den bisher absolvierten sechs Partien auf.

In Mariensee tauschen nur die Torhüter nicht

Mohs ist die Besonderheit seiner Maßnahme gar nicht so bewusst. Nie hätte er es für möglich gehalten, dass darüber eigens berichtet würde, gibt er zu. Doch ein Blick in die Statistik zeigt, dass er ein Alleinstellungsmerkmal geschaffen hat. Von 176 Teams, die von der Oberliga bis zur Kreisliga im Einsatz sind, ist die Heeßeler Erstvertretung das einzige, das so verfährt. Sogar die HSV-Reserve nummeriert fest.

Bruder im Geiste ist lediglich der TSV Mariensee/Wulfelade aus der Kreisliga 2. Doch beim Neustädter Klub tauschen nur die Feldspieler. Florian Rau (23), Rene Großkopf (48) und Timo Seidel (1) im Tor hingegen tragen feste Nummern, während bei Mohs auch zwischen den Pfosten stets eine echte Nummer 1 steht. Egal, ob nun gerade Nils Kühnen oder Pascal Hoppe den Torwartpullover von Betreuer Klaus Kietzmann gereicht bekommt.

Für Mohs ist das alles gar nicht so wichtig: „Es kann dem Fußball sicher nicht schaden, wenn alle mal wieder ein bisschen geerdet werden.“ Egal, ob nun mit der 11, mit der 13 oder der 99 auf dem Rücken.