20. November 2018 / 11:04 Uhr

Heftiger Makel - ein Kommentar zum Rücktritt von Julian Geils

Heftiger Makel - ein Kommentar zum Rücktritt von Julian Geils

Tobias Dohr
Weser-Kurier
Nach vier erfolgreichen Jahren ein unrühmliches Ende. Julian Geils ist bei der TuSG Ritterhude zurückgetreten.
Nach vier erfolgreichen Jahren ein unrühmliches Ende. Julian Geils ist bei der TuSG Ritterhude zurückgetreten. © Tobias Dohr
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"Am Ende muss sich jeder einzelne Spieler hinterfragen", findet Redakteur Tobias Dohr.

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Der Trainer ist die ärmste Sau. Selten passte diese Fußballer-Binsenweisheit besser zu einem Rücktritt als zu dem des langjährigen Ritterhuder Trainers Julian Geils. Und selten war die Sympathie für einen Coach größer als in diesem Fall. Julian Geils steht für eine Generation Fußballer, die im Amateurbereich immer seltener anzutreffen ist.

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Er liebt und lebt seinen Sport. Er ordnet ihm vieles unter. Sehr vieles. Er kann Spieler von einer Idee begeistern und verliert trotz allen Ehrgeizes nie den Bezug zur Realität. So sehr er seinen Sport auch liebt – am Ende ist es dann eben doch nur Fußball. Am Ende seiner fast vierjährigen Amtszeit ist das Trainerdasein für Geils aber offenbar eine physische und psychische Belastung geworden. Und das wirft zwangsläufig die Frage auf: Wie konnte es nur soweit kommen?

Wieso macht ein Trainer mit seiner Mannschaft behutsam einen Schritt nach dem nächsten, baut sich eine zwischenmenschliche Struktur auf, die das Team von Erfolg zu Erfolg trägt? Und wieso stürzt dieses Miteinander innerhalb weniger Monaten komplett in sich zusammen? Natürlich: Julian Geils hat sich den aktuellen Kader selbst zusammengestellt und wusste somit auch, dass er sich schwierige Charaktere ins Team holt. Offenbar scheint es aber besonders in der jüngeren Spielergeneration immer mehr Typen zu geben, an denen jede erzieherische Maßnahme wirkungslos abprallt. Solche, die glauben, schon mit 19 Jahren mehr zu wissen, als ein erfahrener Spieler oder Trainer und die ihr persönliches Wohl stets über das der Mannschaft stellen.

Am Ende muss sich nun jeder einzelne Spieler aus dem TuSG-Kader hinterfragen. Die Alteingesessenen Ur-Ritterhuder haben es nämlich nicht geschafft, die Quertreiber in die Spur zu bekommen. Und die jungen Quertreiber? Die sollten sich spätestens jetzt einmal fragen, was sie eigentlich wollen? Jeder TuSG-Spieler ist fortan mit dem Makel behaftet, einen der engagiertesten Trainer des Landkreises (und vermutlich auch darüber hinaus) verschlissen zu haben.

Das ist ein heftiger Makel. Einer, der in tiefer Demut resultieren sollte. Die persönlichen Befindlichkeiten einiger weniger haben ein über Jahre harmonisch gewachsenes Gebilde zum Einsturz gebracht. Wenn diese Spieler tatsächlich so etwas wie sportliche Ehre haben sollten, dann gibt es jetzt eigentlich nur noch zwei Optionen: Entweder sie stellen sich ab sofort zu 100 Prozent und mit allen Konsequenzen in den Dienst der Mannschaft – oder sie hören besser ganz mit dem Fußball auf.