28. Juni 2020 / 10:08 Uhr

Heidenheim statt HSV? Relegation wäre der Lohn für die kontinuierliche Arbeit von Trainer Frank Schmidt

Heidenheim statt HSV? Relegation wäre der Lohn für die kontinuierliche Arbeit von Trainer Frank Schmidt

Stefan Döring
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Spielen um den Aufstieg: Trainer Frank Schmidt (r.) und der 1. FC Heidenheim.
Spielen um den Aufstieg: Trainer Frank Schmidt (r.) und der 1. FC Heidenheim. © Tom Weller/dpa, Montage
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Der 1. FC Heidenheim könnte mit einem Erfolg bei Arminia Bielefeld die Relegation zur Bundesliga und damit den vorläufigen Höhepunkt der Vereinsgeschichte erreichen. Doch Trainer Frank Schmidt und Co. bleiben gelassen.

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Schaut man sich in der gut 50.000 Einwohner zählenden Stadt Heidenheim um, geht alles seinen gewohnten Gang. Aufregung und Hektik am Flüsschen Brenz? Fehlanzeige. Auch rund um den 1. FC Heidenheim ist keine größere Betriebsamkeit ausgebrochen, erzählen Verantwortliche. Klar, ein paar Interviewwünsche sind vor dem abschließenden Spieltag eingegangen, auch wollen mehr Leute etwas über den Zweitligisten wissen, heißt es dann noch. Wirklich alles wie immer? Irgendwie doch nicht.

Verständlich: Nach dem 2:1-Sieg über den Hamburger SV winkt dem kleinen Klub vor der Partie bei Arminia Bielefeld die Teilnahme an der Aufstiegsrelegation zur Bundesliga. Im Fernduell mit dem HSV, der am Sonntag zeitgleich den SV Sandhausen empfängt, geht Heidenheim mit einem Punkt Vorsprung ins Rennen.

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Heiden-wer? Während mit dem Verein aus dem Osten Baden-Württembergs in der Öffentlichkeit nur wenige etwas anfangen können, haben ihn Experten längst auf dem Schirm. An der Brenz wird gute und kontinuierliche Arbeit geleistet. Sportlich hauptverantwortlich ist dafür Frank Schmidt, der seit 2007 Cheftrainer ist und in Heidenheim geboren wurde. „Die Identifikation mit dem Verein, der Stadt und den Menschen“, mache diesen Standort so besonders, sagte der dienstälteste Trainer im deutschen Profifußball im vergangenen Jahr dem SPORTBUZZER. „Als Verein wollen wir einen Wiedererkennungswert und Identifikation schaffen. Alles, was wir tun, ist Mittel zum Zweck – für den Erfolg.“

Heidenheim: Von der Oberliga in die Bundesliga?

Der ist da. Seitdem Schmidt den FCH trainiert, führte er den Klub aus der Oberliga in die Spitzengruppe der 2. Bundesliga. Seit 2008 mit dabei: Die lebende Klublegende Marc Schnatterer, der in seinem letzten Vertragsjahr 2021 erstmals in der 1. Liga spielen könnte.

2009 wurde die Bundesliga-Relegation wieder eingeführt. Alle bisherigen Begegnungen im Überblick:

<strong>2009.</strong> Das war eine klare Sache: Zweitligist <strong>1. FC Nürnberg</strong> gewinnt zweimal souverän (3:0, 2:0) und kickt damit Energie Cottbus aus der Bundesliga. Im Rückspiel lief die La-Ola-Welle schon kurz nach der Halbzeit durchs Nürnberger Stadion. Christian Eigler und Marek Mintal hatte mit ihren Toren da schon alles klar gemacht. (Das Foto zeigt Ivica Iliev und Juri Judt.) Zur Galerie
2009. Das war eine klare Sache: Zweitligist 1. FC Nürnberg gewinnt zweimal souverän (3:0, 2:0) und kickt damit Energie Cottbus aus der Bundesliga. Im Rückspiel lief die La-Ola-Welle schon kurz nach der Halbzeit durchs Nürnberger Stadion. Christian Eigler und Marek Mintal hatte mit ihren Toren da schon alles klar gemacht. (Das Foto zeigt Ivica Iliev und Juri Judt.) ©

Ein Dorfverein, sagen Kritiker, wie der SV Sandhausen. Doch damit wollen sie in Heidenheim nicht verglichen werden. „Wir haben unseren eigenen Weg“, sagte Schmidt. Auch Vergleiche mit Mäzen-Vereinen wie der TSG Hoffenheim, die durch die Millionen von Dietmar Hopp 2008 den Sprung in die Bundesliga schaffte, lassen sich nicht halten. „Wir wurden immer als Dorfklub belächelt. Aber mit unserer ehrlichen und bodenständigen Arbeit können auch große Klubs von uns lernen“, sagt Vorstandschef Holger Sanwald. Unternehmen aus der Region und insgesamt 500 Sponsoren unterstützen den Verein.

Bürgermeister schwärmt von Heidenheim

Oberhalb der Stadt ist das Vereinsgelände mit Stadion, Trainingszentrum und Parkplatz im Erfolg mitgewachsen. Nun will man den nächsten Schritt gehen. „Der 1. FC Heidenheim ist ein Aushängeschild für Heidenheim und die ganze Region Ost-Württemberg“, sagte Bürgermeister Bernhard Ilg (CDU) dem SPORTBUZZER. „Sollte der FCH tatsächlich den Aufstieg in die 1. Fußball-Bundesliga schaffen, herrscht natürlich Ausnahmezustand im Verein, der Stadt und unter den Fans! Ganz Heidenheim, jeder FCH-Fan in und um unsere Stadt fiebert mit der Mannschaft. Der FCH hat jetzt die Möglichkeit, Fußballgeschichte zu schreiben und wir drücken alle die Daumen“, so Ilg.

Doch wer in Heidenheim war, stellt fest: So richtig nach Bundesliga sieht es hier noch nicht aus. 15.000 Zuschauer passen in die ­Voith-Arena. „Was passiert, wenn der FCH in die Relegation kommt, den Aufstieg tatsächlich schaffen sollte, dazu machen wir uns dann Gedanken“, sagt Bürgermeister Ilg. Falls nicht, kein Problem. „Mit unseren Transfermöglichkeiten und der Geschichte des Vereins sind wir sehr gut in der 2. Bundesliga aufgehoben“, so Trainer Schmidt.