04. März 2018 / 11:07 Uhr

Heidenheim-Star: Warum sind Sie nie in die Bundesliga gewechselt, Marc Schnatterer?

Heidenheim-Star: Warum sind Sie nie in die Bundesliga gewechselt, Marc Schnatterer?

Angelo Freimuth
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Marc Schnatterer spielt bereits seit 2008 für den 1. FC Heidenheim.
Marc Schnatterer spielt bereits seit 2008 für den 1. FC Heidenheim. © imago
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Er gehört seit Jahren zu den Spitzenspielern der 2. Bundesliga, ist Leistungsträger beim 1. FC Heidenheim. Aber warum ging es für Marc Schnatterer niemals höher hinaus? Ein Interview mit dem vielleicht besten Zweitliga-Spieler Deutschlands.

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Marc Schnatterer ist die Ikone des 1. FC Heidenheim. Schon seit zehn Jahren spielt der gebürtige Heilbronner beim Zweitligisten und schoss in 351 Spielen starke 105 Tore. Der 32-Jährige gehört unbestritten zu den besten Spielern der 2. Bundesliga. Auch in diesem Jahr sind seine Statistiken überragend: Neun Tore und 15 Vorlagen erzielte Schnatterer in 27 Spielen – stark. Am Sonntag erzielte er beim 2:2 gegen Arminia Bielefeld das Tor zum 1:0.

Warum aber wechselte Schnatterer nie in die Bundesliga? Das Potenzial wäre locker da – trotzdem blieb der erfahrene Linksaußen den Heidenheimern treu. Warum? Das erzählt er uns vor dem Heimspiel gegen Arminia Bielefeld (13.30 Uhr/SPORTBUZZER-Ticker) im Interview.

SPORTBUZZER: Herr Schnatterer, kennen Sie Ross McCormack?

Marc Schnatterer: Nein. Sollte ich?

Ross McCormack ist der Marc Schnatterer Englands. Herausragende Leistungen, tolle Statistiken, aber er hat genau wie Sie nie in der 1. Liga gespielt. Wieso ist das so?

Ich habe mich in Heidenheim immer sehr wohl gefühlt. Wenn es konkrete Anfragen gegeben hätte, hätte ich mir das vielleicht überlegt, da muss man auch ehrlich sein. Vielleicht haben viele auch immer gedacht: ‚Gut, der Schnatterer bleibt eh für immer in Heidenheim, da brauchen wir gar nicht zu fragen.‘ Aber natürlich ist die Bundesliga immer ein Traum gewesen, doch auch die 2. und 3. Liga sind toll.

Ross McCormack schoss 120 Tore in der Championship, 42 davon für Fulham.
Ross McCormack schoss 120 Tore in der Championship, 42 davon für Fulham. © imago
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Haben Sie nie gedacht: „Egal welcher Klub, Hauptsache, Bundesliga“?

Nein. Es gibt Bundesliga-Vereine, die denken wie Heidenheim – zum Beispiel Freiburg, Augsburg oder Mainz. Wo man aus der Ferne sagt: Das könnte passen. Aber ich muss mich auch wirklich wohlfühlen, und deshalb musste ich auch nicht mit aller Macht in die Bundesliga.

Sie waren fünf Jahre lang einer der besten Spieler der 3. Liga und sind seit vier Jahren einer der besten Spieler der 2. Liga. Was wäre dann – rein hypothetisch – in der Bundesliga drin?

Das ist noch mal ein ganz anderer Schritt. Ich würde mir die Bundesliga zutrauen und sagen, dass man sich da reinarbeiten und reinkämpfen kann. Aber das ist ein großer Unterschied zwischen 2. und 3. auf der einen und der 1. Liga auf der anderen Seite.


Gibt es Spieler, die zu gut für die 2. Liga sind?

Gibt es Spieler, die zu gut für die zweite und zu schlecht für die 1. Liga sind? Zum Beispiel Ronny von Hertha BSC.

Es gibt auch Gegenbeispiele. Siehe Guido Burgstaller bei Schalke. Der macht einen richtig guten Job und ist fast nicht mehr wegzudenken. Es kommt auch immer auf den Typ an. Ich wäre jemand, der alles dafür tun würde. Ob es dann nachher reichen würde, sei mal dahingestellt. Wenn man den Schritt wagt, ist es immer möglich, dass das nach hinten losgeht, aber man kann genauso gut positiv überraschen.

Das Magazin 11Freunde hat Sie mal mit Francesco Totti verglichen. Passt das?

(lacht) Teilweise schon. Bei ihm ist das natürlich noch extremer, er hat ja auch seine ganze Jugendzeit bei der AS Rom verbracht. Aber ich glaube, ich habe es auch geschafft, hier in den letzten neuneinhalb Jahren einen guten Eindruck zu hinterlassen. Wie Totti bei der Roma bin ich vielleicht auch ein wenig zur Identifikationsfigur geworden und bin womöglich das Gegenteil zum heutigen, schnelllebigen Fußballgeschäft.

Francesco Totti spielte bereits über 600 Mal für die Roma.
Totti beendete seine Karriere im vergangenen Sommer. © imago

War es für Sie reizvoller, eine Identifikationsfigur zu sein, als in der Bundesliga zu spielen?

Ruhm hin oder her, ich kann mich nicht beklagen. Ich bin unglaublich froh, wie es gelaufen ist. Man sollte sich nicht immer mit dem Negativen beschäftigen und sagen: ‚Ich hab irgendwas verpasst.‘ Ich sollte glücklich darüber sein, dass ich so lange professionell Fußball spielen konnte.

Sie spielen seit fast zehn Jahren in Heidenheim. Das ist heute im Profi-Fußball extrem selten. Was unterscheidet Sie von anderen Fußballern?

Für mich stimmen hier einfach die Rahmenbedingungen. Wenn man zehn Jahre zurückblickt, ist der Trainer noch der gleiche, der einstige Geschäftsführer und jetzige Vorstandsvorsitzende Holger Sanwald ist der gleiche und ich bin auch noch hier. Die Zusammenarbeit macht immer noch unglaublich viel Spaß. Das rostet auch nicht ein. Warum soll ich hier nicht auch meine aktive Zeit als Fußballer beenden?

Machen Sie weiter – wie Totti bis 40?

Sie sind jetzt 32 Jahre alt. Wie lange wollen Sie denn noch weitermachen? Wie Totti bis 40?

(lacht) Wenn ich fit und verletzungsfrei bleibe, warum soll nicht noch das ein oder andere Jährchen dazukommen? Solange es so ist, dass die Jungen mir nicht komplett davonrennen, kann ich noch spielen. Aber ich will mich nicht auf ein Alter festlegen.

Ist Trainer Frank Schmidt der Grund, weshalb Sie so lange für Heidenheim spielen?

Frank Schmidt hat mir vom ersten Tag an unglaubliches Vertrauen entgegengebracht und mich bei meiner Entwicklung unterstützt. Er hat auch relativ schnell gemerkt, was ich für ein Typ bin. Das besondere Verhältnis macht es aus. Er weiß, wie er mich anpacken muss. Er ist der Hauptgrund, warum ich mich in der 3. und jetzt in der 2. Liga so gut behaupten konnte. Ich weiß nicht, ob ohne ihn alles so gut gelaufen wäre für mich.

Bis auf Rang drei sind es nur vier Punkte. Träumen Sie vom Aufstieg mit Heidenheim?

Wenn wir am Anfang nicht so miserabel gespielt hätten, wäre die Ausgangssituation richtig gut. Aber so spielen die vorderen Plätze für mich gerade gar keine Rolle. Stand heute geht es ganz allein um den Klassenerhalt. Das steht über allem.

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