02. April 2019 / 06:00 Uhr

Heidenheim-Trainer Frank Schmidt im Interview über FC Bayern, Niko Kovac und die Chance im DFB-Pokal

Heidenheim-Trainer Frank Schmidt im Interview über FC Bayern, Niko Kovac und die Chance im DFB-Pokal

Stefan Döring
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Heidenheim-Trainer Frank Schmidt ist vor dem DFB-Pokal-Duell gegen den FC Bayern optimistisch.
Heidenheim-Trainer Frank Schmidt ist vor dem DFB-Pokal-Duell gegen den FC Bayern optimistisch. © imago
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Kennt ihr Heidenheim? Trainer Frank Schmidt erklärt im SPORTBUZZER-Interview den Zweitligisten und verrät, warum es gut ist, im DFB-Pokal auswärts beim FC Bayern München zu spielen. Zudem lohnt der Heidenheim-Macher seinen Gegenüber Niko Kovac in höchsten Tönen.

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Frank Schmidt weiß, wie man den FC Bayern im DFB-Pokal ärgert. 1994 stand der heutige Trainer des 1. FC Heidenheim in der Innenverteidigung des TSV Vestenbergsgreuth, der in der ersten Pokalrunde dem deutschen Fußball-Rekordpokalsieger die wohl größte Schmach der Vereinsgeschichte zufügte (1:0). So wie sein Team damals ist heute Heidenheim, das Schmidt von der Oberliga in die 2. Liga geführt hatte, auch am Mittwoch (18.30 Uhr) absoluter Außenseiter im Viertelfinale des DFB-Pokals gegen die Münchner.

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Der Berliner AK fegt Hoffenheim im Jahr 2012 mit 4:0 vom Platz, Vestenbergsgreuth besiegt 1994 den deutschen Meister FC Bayern um Torwart Oliver Kahn mit 1:0. Der SPORTBUZZER zeigt die größten Sensationen in der Geschichte des DFB-Pokals. ©

In Heidenheim, einer mittelgroßen Stadt auf der Ostalb im Dreieck zwischen Stuttgart, Nürnberg und München, ist alles etwas ruhiger und beschaulicher. Hier, wo das höchstgelegene Profistadion Deutschlands steht, weiß Schmidt, wie man die Fans begeistert. Deswegen hat er auch vor dem Pokalspiel noch lange nicht aufgegeben.

Heidenheim-Trainer Frank Schmidt: "Wenn wir schon München gezogen bekommen, dann fahren wir dahin, um eine Runde weiterzukommen"

Herr Schmidt, was war Ihr erster Gedanke nach der Auslosung?

Der Jubel war groß im Bus. Natürlich hätte ich mir ein Heimspiel gewünscht, aber es ist eine Bestätigung und Belohnung für uns als Verein. Deshalb sage ich auch: Gut, dass wir nicht zu Hause spielen. Das würde zwar die Wahrscheinlichkeit erhöhen, die Überraschung zu schaffen. Aber wir hätten die Problematik, dass nur 15 000 Zuschauer in die Voith-Arena passen, weil ganz Heidenheim kommen wollen würde. (lacht) Wirtschaftlich profitieren wir so enorm davon, dass wir in München spielen, weil wir ja an den Zuschauereinnahmen partizipieren. Im Spiel wollen wir uns einfach gut präsentieren. Große Augen machen, in Ehrfurcht erstarren und darauf achten, wo ich stehen muss, um das beste Trikot zu bekommen – das sind nicht wir.

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Und wie gehen Sie das Spiel dann an?

Wenn wir schon München gezogen bekommen, dann fahren wir dahin, um eine Runde weiterzukommen. Dass es extrem schwer wird und wir unsere beste Leistung auf den Platz bringen müssen und es trotzdem nicht reicht, ist mir vollkommen klar. Ich will das Weiße in den Augen der Spieler sehen. Auch wir haben dort was zu verlieren. Es ist ein Unterschied, ob wir eine Klatsche bekommen oder 0:2 verlieren.

"Kovac hat mich beeindruckt"

Ihr Gegenüber Niko Kovac stand in der Hinrunde schon fast vor dem Aus. Wie sehen Sie ihn?

Ich habe Niko Kovac schon die Leistung in Frankfurt hoch angerechnet. Die haben letztes Jahr gegen uns im Pokal gespielt und die haben uns knapp geschlagen. Was er mit dieser Mannschaft erreicht hatte, war schon stark. Der Schritt nach München war absolut logisch aus meiner Sicht. Dann in seiner authentischen Art die Ruhe zu bewahren, während er komplett auseinandergeschraubt wird, hat mich beeindruckt. Er ist ja kein fertiger Trainer. Das gehört im Profifußball dazu, und wenn man das richtig kanalisiert, gehst du gestärkt daraus hervor. Aber mir gibt es Mut, dass selbst beim FC Bayern Fehler gemacht werden. Ich denke nur an die Pressekonferenz (die Medienschelte der Bayern-Bosse Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß, Anm. d. Red.). Das macht sie für mich dann auch ein Stück weit sympathisch.

Heidenheim wird in Deutschland gern belächelt. Sie sind hier geboren, trainieren hier seit fast zwölf Jahren, sind damit sogar dienstältester Trainer im Profifußball. Was macht den Standort Heidenheim für Sie so besonders?

Die besondere Identifikation mit dem Verein, der Stadt und den Menschen. Das gibt es im Profifußball wahrscheinlich nicht so häufig, vielleicht noch in Freiburg mit Christian Streich. In unserem Job in der Heimat zu arbeiten und etwas aufzubauen – das ist etwas Besonderes und eine Bestätigung für mich. Die Konstellation Heidenheim, Frank Schmidt, Profifußball passt einfach. Wir sind eine Mittelstadt mit großem Einzugsgebiet. Wir haben über 500 Sponsoren. Wir werden immer mit dem SV Sandhausen verglichen – aber das ist etwas ganz anderes hier, wir haben unseren eigenen Weg. Als Verein wollen wir einen Wiederkennungswert und Identifikation schaffen. Alles, was wir tun, ist Mittel zum Zweck – für den Erfolg.

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Heidenheim: Aufstieg in die Bundesliga? "Man muss realistisch sein"

Also den Aufstieg in die Bundesliga?

Blicken wir doch mal in die Regionalliga West: Da spielen zum Beispiel Rot-Weiss Essen und Alemannia Aachen. Die waren mal in der Bundesliga. Denen sind wir als 1. FC Heidenheim inzwischen einige Jahre voraus. Man muss realistisch sein! Wenn wir in eine Saison gehen und mehr als die Hälfte der Liga sagt, sie wolle aufsteigen, dann ist klar, dass viele gegen die Wand fahren. Wir haben im vergangenen Sommer zum Beispiel ausschließlich Spieler aus der 3. Liga, der Regionalliga und dem eigenen Nachwuchs geholt, aber gestandene Zweitligaspieler verloren. Mit unseren Transfermöglichkeiten und der Geschichte des Vereins sind wir sehr gut in der 2. Bundesliga aufgehoben.