23. Mai 2019 / 10:09 Uhr

Heidrun Lieke trägt den TSV Dollbergen im Herzen: "Meine große Leidenschaft“

Heidrun Lieke trägt den TSV Dollbergen im Herzen: "Meine große Leidenschaft“

Nicola Wehrbein
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Ihre Leidenschaft hat die Farben Rot und Weiß: Heidrun Lieke verpasst kein Spiel des TSV Dollbergen. Der Fanschal darf natürlich nicht fehlen.
Ihre Leidenschaft hat die Farben Rot und Weiß: Heidrun Lieke verpasst kein Spiel des TSV Dollbergen. Der Fanschal darf natürlich nicht fehlen.
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Die 75-jährige Heidrun Lieke als Edelfan des Kreisligisten TSV Dollbergen zu bezeichnen, ist nicht weit hergeholt. Die rüstige Seniorin verpasst kein Spiel, bastelt Postkarten und Spielpläne und verteilt Kaugummis an die Torhüter.

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75 Jahre alt und kein bisschen fußballmüde: Heidrun Lieke geht mit ihrem Herzensklub durch dick und dünn, seit mehr als einem halben Jahrhundert. Wenn die Männerteams des TSV Dollbergen am Ball sind, kann man sicher sein: Edelfan Heidrun ist nicht weit, die Kamera hat sie stets im Anschlag. Woche für Woche schießt sie ihre Fotos und dokumentiert alles rund ums Spiel, in Ordnern und auf Facebook.

Egal, ob es regnet oder schneit

„Darin gehe ich auf, das ist meine große Leidenschaft“, sagt sie. Über drei kickende Generationen hinweg ist die Seniorin ihrem Verein schon eng verbunden geblieben, bei (fast) jeder Partie fiebert sie aufgeregt mit. Auswärtsspiele? Selbstverständlich auch da! „Und bei jedem Wetter, egal ob es regnet oder schneit. Wir fahren immer nur eine Woche in den Urlaub, damit wir bloß kein Spiel verpassen“, sagt Lieke.

Mit allen per Du

Kürzlich sei sie an einem Spieltag „etwas spät dran“ gewesen. Das Schiedsrichtergespann wollte gerade mit den Mannschaften das Feld betreten, da habe sich der Unparteiische umgeschaut und gefragt, wo denn „die Heidrun“ sei, „ich müsse doch das obligatorische Einlauffoto machen“, erzählt Lieke und schmunzelt. Die 75-Jährige ist in Dollbergen und Umgebung, bei den gegnerischen Teams und den (meisten) Referees bekannt wie ein bunter Hund. Und sie ist mit allen per Du.

Fast zu spät: Vor dem Heimspiel des TSV Dollbergen gegen den TSV 03 Sievershausen verpasste Heidrun Lieke beinahe das Einlauffoto.
Fast zu spät: Vor dem Heimspiel des TSV Dollbergen gegen den TSV 03 Sievershausen verpasste Heidrun Lieke beinahe das Einlauffoto. © Heidrun Lieke
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Besonders beliebt bei Ehepaar Lieke sind die Sonntage, an denen die ersten und zweiten Männer des TSV hintereinander spielen. „Dann gehen wir um 13 Uhr zum Platz und sind um 17.30 Uhr wieder zu Hause.“ Weit haben sie es nicht, vom Wohnzimmer ihres Hauses in Dollbergen haben die Liekes sogar freien Blick auf das Sportgelände. Das trifft sich gut. „Nach dem Spiel sortiere ich meine ganzen Fotos und stelle Bilder im Netz ein. Währenddessen liegt mein Mann schon auf dem Sofa.“

Ein Auge auf Hans-Hermann geworfen

Herzensklub – in diesem Fall ist das wörtlich zu nehmen. Das Ganze hat damit angefangen, dass die Dollbergerin als junges Mädchen ein Auge auf Hans-Hermann Lieke warf – und der Mann ihres Herzens spielte damals Fußball beim örtlichen TSV.

Fortan zählte Heidrun zu den regelmäßigen Zuschauern der Männermannschaft und brachte zu Turnieren Heißgetränke in Thermoskannen oder selbst gebackenen Kuchen mit. Inzwischen sind Heidrun und Hans-Hermann seit 56 Jahren verheiratet. Dass ihre beiden Söhne von der Pampersliga an im Dress der Rot-Weißen dem Leder nachjagten – wen wundert das?

"Mit unseren Enkeln ist der Funke so richtig auf mich übergesprungen"

„Wir haben unsere Jungs zu jedem Spiel begleitet.“ Auch die nächste Generation fand Gefallen am Kicken. „Mit unseren Enkeln Marc, Dennis und Marvin ist der Fußballfunke so richtig auf mich übergesprungen“, formuliert die umtriebige Fan-Oma. Aktuell sei zwar nur noch Marc aktiv, „aber das hindert uns nicht am Fußballgucken“.

Zum 30. Geburtstag bekommt jeder Spieler eine Foto-Collage von Heidrun Lieke geschenkt. In ihren roten Ordnern finden sich unzählige Bilder.
Zum 30. Geburtstag bekommt jeder Spieler eine Foto-Collage von Heidrun Lieke geschenkt. In ihren roten Ordnern finden sich unzählige Bilder. © Picasa
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Süßigkeiten für die Kinder, Kaugummis für die Torhüter

Allein mit Fußballgucken ist es bei Heidrun Lieke längst nicht mehr getan. „In meiner Tasche habe ich immer Kaugummis für den Torwart, Süßigkeiten für die Kinder und meine Kamera“, sagt sie. Etliche rote Ordner stapeln sich im Hause Lieke: Mehr als zehn Jahre Fußballhistorie des Vereins in Bildern, dazu die wesentlichen Informationen zu jedem Spiel und zahlreiche Zeitungsausschnitte – alles wird fein säuberlich festgehalten.

Eine Torte zum 100.

Das gilt natürlich auch für den 100. Geburtstag des TSV Dollbergen von 1909, Lieke hatte zu diesem Anlass eine Torte gebacken und mit dem Vereinsnamen verziert. „Der Kuchen war in zehn Minuten verspeist.“ Oder der Aufstieg der Zweitvertretung in die 3. Kreisklasse in der Saison 2012/2013 – unter der Regie von Kapitän Marc Lieke. Die ersten Männer schafften 2016 den Sprung in die Kreisliga, auch dazu finden sich viele Fotos. Ebenso zum Besuch der Dollberger Fußballer bei Anstoß Live in der Nordkurve mit NP-Moderator Christoph Dannowski.

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Das Spiel war manchmal zum Hände-über-den-Kopf-schlagen oder nicht mit anzusehen. Zur Galerie
Das Spiel war manchmal zum Hände-über-den-Kopf-schlagen oder nicht mit anzusehen. ©

Ein rot-weißes Fußballarchiv. Zum 30. Geburtstag bekommt jeder Spieler eine Fotocollage von der rührigen Seniorin geschenkt – mit Actionbildern vom Fußball und Aufnahmen vom traditionellen Fegen. Ihre selbst gefertigten Teampostkarten mit dem Konterfei jedes Akteurs finden im Verein begeisterte Abnehmer. Und die kleinen laminierten Spielpläne, die sie gern verteilt, kommen ebenfalls gut an. „Mir macht es Spaß, und die Jungs freuen sich“, sagt Lieke.

„Das ist doch gesund“

Die 75-Jährige genießt den Kontakt zu den eigenen Fußballern, den Schiedsrichtern und gegnerischen Mannschaften. „Alle kommen an und begrüßen uns. Die Spieler klatschen mit uns ab. Das gibt mir das Gefühl, mittendrin zu sein. Ich bin zwar alt, aber die Jugend akzeptiert mich. Außerdem: frische Luft, ein bisschen Aufregung – das ist doch gesund.“ Ihren Stammplatz in der „Fankurve“ des TSV Dollbergen möchte sie noch für möglichst lange Zeit einnehmen. Und weiterhin viele Fotos schießen, ihre Ordner sowie die Facebook-Seite pflegen. Denn das ist ihre Leidenschaft. „Na klar bin ich eine Fußballverrückte. Aber ehrlich, es gibt Schlimmeres“, findet sie.

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