27. Juni 2021 / 22:04 Uhr

"Man bekommt viel zurück": Darum engagiert sich Klaus Sydow als Platzwart

"Man bekommt viel zurück": Darum engagiert sich Klaus Sydow als Platzwart

Michael Felke
Kieler Nachrichten
Klaus Sydow präsentiert stolz den Platz des Heikendorfer SV.
Klaus Sydow präsentiert stolz den Platz des Heikendorfer SV. © Michael Felke
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Frühes Aufstehen am Wochenende, rund 20 Arbeitsstunden pro Woche: Platzwart ist kein leichtes Ehrenamt. Klaus Sydrow ist seit vier Jahrzehnten beim Heikendorfer SV aktiv. Was treibt ihn an? 

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Eine Seele des Vereins war schon immer der Platzwart, der heute Technischer Leiter heißt. Klaus Sydow ist es eigentlich egal, wie er genannt wird. „Hauptsache, die Plätze sind in Ordnung und die Jungs können spielen“, sagt der 71-Jährige, der seit 1964 in den verschiedensten Funktionen beim Heikendorfer SV seinen Mann steht. Erst als Trainer der Jugendmannschaften und später der Reserve. Ab 1999 übernahm der gelernte Landmaschinenmechaniker noch Funktionen im Vorstand. Er war Jugendobmann (bis 2002) und Fußballobmann (2006 – 2014), dann Staffelleiter beim KFV Kiel und natürlich Platzwart bei seinem Heimatverein.

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Der Platzwart – ein Mann für alle Fälle

Unter einem Platzwart stellt man sich oft den Mann auf dem Rasenmäher vor. Doch der Aufgabenbereich ist weitaus vielfältiger. Frühes Aufstehen inbegriffen. Denn bei schlechtem Wetter müssen die Plätze auf ihre Bespielbarkeit überprüft werden. „Da heißt es dann, jeden Sonnabend- und Sonntagmorgen um neun Uhr mit dem Bauamtsleiter vor Ort zu entscheiden, auf welchen Plätzen gespielt werden kann. Durch den Kunstrasen ist das heute etwas einfacher geworden. Da kann man praktisch das ganz Jahr drauf spielen“, sagt Sydow, der aber auch weiß, dass gerade auch im Sommer Probleme auftauchen können und dann sein Know-how gefragt ist.

So einen „Notruf“ erhielt er vor einigen Jahren an einem Mittwochabend im Spätsommer. Sydow hatte frei, und das Pokalspiel gegen den TSV Russee war in vollem Gang, als die unterirdisch verlegte Sprinkler-Anlage ansprang. Weiterspielen unmöglich.

„Es gab keinen, der sich mit der Pump-Anlage im Keller auskannte. Also musste ich ran, um das Wasser abzuschalten. Zum Glück wohne ich nur ein paar Minuten vom Platz entfernt und nach 15 Minuten Unterbrechung ging das Spiel weiter“, erinnert sich der ehemalige freiwillige Feuerwehrmann mit einem Schmunzeln.

Einmal feiern wie die Profis

Noch heute muss Sydow zwei Mal im Jahr den Rasenplatz vermessen und markieren. Das Ausrangieren und die Neuanschaffung von Eckfahnen und Tornetzen, das Kreiden der Plätze vor einem Spiel und die Verwaltung der Trainingsgeräte gehören ebenso zu seinem Aufgabenbereich wie die umfangreichen Hygiene-Maßnahmen während der Corona-Pandemie. Viel zu tun. „Ich komme wohl so auf 20 Stunden wöchentlich. Manchmal mehr, manchmal weniger. Aber ich bekomme auch viel zurück“, sagt Sydow. „Bei den Feierlichkeiten der Mannschaften werden wir einbezogen und gehören genauso dazu wie Trainer und Spieler“, erinnert sich der rüstige Rentner auch an seine Zeit als Trainer der zweiten Mannschaft, die 2008 den Aufstieg in die Kreisliga feierte.

Der Kunstrasen erleichtert Sydrow die Arbeit sehr.
Der Kunstrasen erleichtert Sydrow die Arbeit sehr. © Michael Felke
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„Zum letzten Punktspiel mussten wir zu Post Telekom nach Kronshagen. Da haben wir uns einen großen Bus gemietet, um bei einem Sieg schon auf der Rückfahrt die Korken knallen zu lassen.“ Die Heikendorfer gewannen – und erlebten den größten Applaus aller Zeiten. Sydow: „Kaum ein Spieler hat sich umgezogen. Rein in den Bus und los ging’s. Als wir dann am Rathausplatz vorbeifuhren, standen dort hunderte von Menschen, die uns zujubelten und applaudierten. Ein schönes Gefühl“, erinnert sich Sydow und lacht.

„Aber eigentlich haben die gar nicht uns gemeint. Es war nämlich der Tag, an dem auf dem Rathausplatz die Meisterfeier vom THW Kiel stattfand. Und die Leute haben uns einfach verwechselt. Egal. Wir haben es genossen, für einen Moment wie Helden gefeiert zu werden.“