03. Dezember 2019 / 15:29 Uhr

Heiko Scholz leitet erste Einheit als Interimstrainer von Dynamo Dresden

Heiko Scholz leitet erste Einheit als Interimstrainer von Dynamo Dresden

DNN
Dresdner Neueste Nachrichten
Interimstrainer Heiko Scholz (r.) tauscht sich mit Physiotherapeut Julian Binder aus.
Interimstrainer Heiko Scholz (r.) tauscht sich mit Physiotherapeut Julian Binder aus. © Jochen Leimert
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"Scholle" übernahm das erste Training bei Dynamo nach der Entlassung von Cristian Fiel und machte sich ein Bild von dem Zustand der Mannschaft.

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Dresden. Um 14.07 Uhr an Tag eins nach der Ära Cristian Fiel war es soweit: Heiko Scholz betrat am Dienstagnachmittag mit 19 Zweitliga-Profis von Dynamo Dresden den Rasen im Trainingsgelände im Großen Garten, um in Vorbereitung auf das wichtige Punktspiel am Sonntag gegen Sandhausen seine erste Einheit als Interimstrainer der Schwarz-Gelben zu leiten. „Tritt ihnen in den Arsch“, gab ihm einer der ca. 100 Zaungäste mit auf den Weg.

Keine zwei Stunden nach der Bekanntgabe dieser überraschenden Übergangslösung – Scholz soll das Vakuum zwischen der am Montag erfolgten Trennung von „Fielo“ und der Verpflichtung des neuen Cheftrainers in den nächsten Tagen füllen – machte sich der 53-jährige einstige Dynamo-Spieler „Scholle“ erstmals aus nächster Nähe ein eigenes Bild vom Zustand der gebeutelten Mannschaft. Die war nach einer 1:2-Heimniederlage am Sonnabend gegen Holstein Kiel ans Tabellenende der 2. Fußball-Bundesliga zurückgefallen. Als Co-Trainer stand ihm Willi Weiße zur Seite, der seit Beginn der aktuellen Saison Dynamo Dresdens U19 coacht.

DURCHKLICKEN: Bilder vom ersten Training mit Heiko Scholz

Am Zaun des Trainingsgeländes herrschte am Dienstagnachmittag dichtes Gedränge. Zur Galerie
Am Zaun des Trainingsgeländes herrschte am Dienstagnachmittag dichtes Gedränge. © Jochen Leimert
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Heiko Scholz mit Vertrag bis 2021

Sport-Geschäftsführer Ralf Minge stattete den gebürtigen Görlitzer, mit dem er 1990/91 noch selbst gemeinsam für Dynamo gestürmt hatte, am Dienstag mit einem bis 30. Juni 2021 gültigen Vertrag aus. Heißt also, dass Scholz nach Verpflichtung des neuen Chefcoaches einer von dessen Co-Trainern wird. „,Scholle’ ist ein Junge mit Stallgeruch. Da spielt eine Menge Erfahrung mit. Er kennt den Verein und weiß, wie das Umfeld tickt. Wir sind dankbar, dass er sich der Aufgabe stellt“, erklärte Minge, der durch die Verpflichtung auch Zeit für die Suche nach Fiels Nachfolger gewinnen will.

Dessen Anforderungsprofil ergebe sich aus Dynamos sportlicher Situation. „Jetzt geht es um Krisenmanagement“, machte Minge klar. Die Verpflichtung des neuen Cheftrainers solle möglichst schnell erfolgen und kein Kompromiss sein. Nach den Beurlaubungen von Uwe Neuhaus, Maik Walpurgis und jetzt Fiel steht die SGD zum dritten Mal in 16 Monaten ohne Cheftrainer da. „Das ist dann genau der Punkt, wo man sich auch selbst hinterfragen muss“, äußerte sich Minge selbstkritisch.

Dynamo Dresdens Marco Hartmann über den Trainerwechsel

„Persönliche Niederlage“

Allerdings wolle sich der 59-Jährige erst mit dem möglichen eigenen Rücktritt beschäftigen, wenn die Schwarz-Gelben wieder in ruhigerem Fahrwasser sind: „Wir haben jede Menge Sachen, die intern zu regeln sind. Das werde ich mit vollster Hingabe und Konzentration tun. Und dann wird irgendwann der Zeitpunkt kommen, wo man sich natürlich auch reflektieren muss – ob man nicht an der einen oder anderen Stelle anders hätte reagieren sollen, vielleicht sogar müssen.“

Nicht nur das seit Jahren maßgeblich von ihm vorangetriebene Projekt mit Cristian Fiel, den er zum langfristigen SGD-Cheftrainer aufbauen wollte, ist angesichts der nur neunmonatigen Amtszeit von „Fielo“ gescheitert. Auch den Abgang von Torwart Markus Schubert zu Schalke ohne einen einzigen Euro Ablöse erlebte Minge als „persönliche Niederlage“. Und zur Mitgliederversammlung im November hatte er Fehler in der Zusammenstellung des Kaders zugegeben und für die Winterpause eine Transfer-Offensive mit dem Budget von 1,7 Millionen Euro angekündigt. Ex-Trainer Cristian Fiel kann sich davon jetzt allerdings nichts mehr kaufen.

Dynamo Dresdens Interimscoach Heiko Scholz über seinen neuen Job

Emotionaler Abschied

Wie Minge über die letzten Stunden mit Fiel als Trainer berichtete, habe ein erstes Gespräch am Sonntag ergeben, dass man den Weg zu 100 Prozent weiter gemeinsam gehen wolle. In einer weiteren Sitzung am Montagmorgen sei man auf die Frage gekommen, was für den Verein am besten sei. „Dann haben wir schweren Herzens gesagt: Okay, es muss eine Veränderung her, die Situation ist prekär“, erzählte Minge, an dessen gutem Verhältnis zu „Fielo“ sich dabei nichts geändert habe.

So sei Minge auch zugegen gewesen, als der 39-jährige Fiel und sein ebenfalls mit sofortiger Wirkung geschasster Assistent Patrick Mölzl am Dienstag gegen 13 Uhr der Mannschaft und dem Betreuerstab der SGD Adieu sagten. „Ich habe die letzten Jahre einige Abschiede von Trainern miterlebt, aber der war der emotionalste“, schätzte Kapitän Marco Hartmann ein, der die Partie gegen Kiel – Fiel hatte anschließend von einer unentschuldbaren Leistung und komplettem Versagen gesprochen – als Zuschauer erlebt hatte und nachher völlig enttäuscht mit seinen Teamkameraden redete.

Dynamo Dresdens Interimscoach Heiko Scholz tritt seinen neuen Job an

„Mannschaft ist gewillt, eine Reaktion zu zeigen“

Die hätten ihm versichert: „Niemand hat gegen den Trainer gespielt! Dafür lege ich meine Hand ins Feuer“, sagte Hartmann und ergänzte: „Die Mannschaft wollte mit ihm erfolgreich sein, aber ich glaube, dass die letzten Wochen durch die Niederlagen viele Fragezeichen im Kopf aufgetaucht sind, die jetzt einfach beseitigt werden müssen.“

Nun liege der Fokus auf Sandhausen. „Ich glaube, dass jetzt gerade erst mal ein positiver Effekt eingetreten ist, den man sich bei einem Trainerwechsel wünscht. Das hängt nicht damit zusammen, dass man froh ist, dass der Alte weg ist. Sondern meine Ausrichtung auf Sonntag ist die, dass man alles auf dieses Spiel fokussiert“, erläuterte Hartmann, der bis 2015 selbst mit Fiel gemeinsam für die SGD gekickt hatte. Ralf Minge zufolge, der aktuell keine Ressourcen daran verschwenden wolle, sich mit dem drohenden Abstieg in Liga drei auseinanderzusetzen, seien die Spieler selbstkritisch mit der jüngeren Entwicklung umgegangen. Der Mannschaft attestierte er am Dienstag erneut einen guten Charakter, aber auch eine mentale Belastung. Er sei überzeugt davon, dass „die Jungs unter ,Fielo’ ihr Bestes gegeben haben. Die Mannschaft ist gewillt, eine Reaktion zu zeigen.“

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„Eigendynamik im Fußball“

Die soll es in dieser Woche erst auf dem Trainingsplatz und dann im Rudolf-Harbig-Stadion geben. Bei der gestrigen Auftakteinheit standen Heiko Scholz bis auf Sascha Horvath (Sehnenausriss im Zeigefinger), Patrick Möschl (Innenbandanriss), Jannis Nikolaou (krank), Patrick Ebert (Muskelfaserriss) und Marco Hartmann (Achillessehnenbeschwerden) alle Akteure zur Verfügung. Sollte Dynamo diese Woche keinen neuen Coach finden, wird Scholz am Sonntag als Verantwortlicher auf der Trainerbank sitzen. Ob das so kommen wird, wollte Minge am Dienstag noch nicht prognostizieren.

Lange Gesichter gibt es derweil bei Wacker Nordhausen, dessen Trainer Scholz noch bis Montag war, bis er eilig um seine Vertragsauflösung bat. Der Regionalligist hat große finanzielle Nöte, seit Monaten sollen die Gehaltszahlungen ausstehen. Das machte Scholz, der zuvor beim MSV Duisburg, Lok Leipzig und Viktoria Köln an der Seitenlinie gestanden hatte, den Abschied aus dem Südharz natürlich leichter.

Bei Dynamo hofft man nun auf einen Effekt ähnlich dem von Hansi Flick, der bei Bayern München mit großem Erfolg als Interimstrainer fungiert. Und dass Scholz selbst zum Chef befördert wird, sei zwar nicht der Plan, aber Ralf Minge meinte: „Nichtsdestotrotz gibt es auch eine Eigendynamik im Fußball.“ Caroline Grossmann, Jochen Leimert und Stefan Schramm

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