22. Dezember 2018 / 08:26 Uhr

Heiko Scholz zum Abschied von Lok Leipzig: „Ich habe auch ein paar Tränchen verdrückt“

Heiko Scholz zum Abschied von Lok Leipzig: „Ich habe auch ein paar Tränchen verdrückt“

Fabian Held
Leipziger Volkszeitung
Heiko Scholz war Trainer von Lok Leipzig
Heiko Scholz war Trainer von Lok Leipzig © Christian Nitsche
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Heiko Scholz, der ehemalige Trainer von Lokomotive Leipzig, spricht über seine fünf Jahre bei seinem Club. Ab Januar geht’s nach Nordhausen.

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Leipzig. Gut gelaunt geht Heiko Scholz ans Telefon. Mit seiner gewohnt kumpeligen, offenen und fröhlichen Art spricht er über seine Zeit seit seiner Freistellung beim Viertligisten 1. FC Lok Leipzig. Immer wieder klingt durch, wie viel dem 52-Jährigen die knapp fünf Jahre im Verein bedeuten. Etwa, wenn ihm ab und an ein „wir“ rausrutscht, wenn er über Lok spricht. Ab 7. Januar darf ihm das nicht mehr passieren – ab dann ist er neuer Trainer bei Wacker Nordhausen.

Herr Scholz, wie haben Sie die Zeit seit Ihrer Freistellung Ende September erlebt?
Puh, das war ganz schön hektisch zum Schluss. Ich habe zwei, drei Wochen gebraucht, um alles zu verdauen. Dann habe ich die fünf Jahre Revue passieren lassen und alles verarbeitet. Ich habe mich viel ausgeruht, war auch mal wieder für mich joggen, habe meine Familie gesehen. Außerdem habe ich bei Gladbach, Leverkusen und Dortmund hospitiert – und viele Bundesliga-Spiele gesehen. Es dauert ein bisschen, bis du abgeschaltet hast.

War es für Sie keine Option, bei Lok Leipzig zu bleiben? Der Verein wollte Sie doch gerne in anderer Funktion behalten.
Ein Angebot haben sie mir nicht gemacht. Wir haben das Thema erst mal sehr weit weg geschoben. Ich bin dann selbst auf den Trichter gekommen, dass es für beide Seiten besser ist, wenn wir uns neu aufstellen. Ich war in meiner Zeit ja nicht nur Trainer, sondern ein bisschen das Aushängeschild des Vereins, auch gegenüber Sponsoren, in der Stadt und so weiter. Ich glaube, es ist für beide Seiten besser so.

Können Sie verstehen, dass der Verein Sie freigestellt hat?
Absolut. Man hätte es vielleicht vorher besser regeln können. Aber ich kann den Verein verstehen, wir hatten acht Punkte und die Fans wurden unruhig. Es ist klar, dass sich Profitum auch dann einstellt, wenn man keinen Erfolg hat.

Benny Kirsten hat verraten, dass er bei Ihrem Abschied geweint hat. Wie haben Sie das erlebt?
Ich habe auch ein paar Tränchen verdrückt. Das ist meine Mannschaft! Wir haben alle Spieler bekommen, die wir wollten. Ich bin überzeugt, dass sie gut genug ist für Platz eins bis vier. Vielleicht erreichen Sie dieses Ziel auch noch.

DURCHKLICKEN: Sie trainierten die Probstheidaer von 1991 bis heute

Jürgen Sundermann - 28. Mai 1991 bis 30. Juni 1993 Zur Galerie
Jürgen Sundermann - 28. Mai 1991 bis 30. Juni 1993 ©
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Wieso genau der Saisonstart so schlecht verlaufen ist, scheinen weder Scholz noch andere Blau-Gelbe so ganz genau zu wissen. Nur so viel scheint klar: Das Wort „Profitum“ hat im Umfeld eine Erwartung geschürt, die die Spieler nicht umsetzen konnten. Als die Ergebnisse ausblieben, wuchs die Unruhe, was die Kicker auf dem Platz lähmte. Das alles sorgte für eine ungesunde Mischung aus Frust, Unverständnis und Druck. Dazu kamen Verletzungen von wichtigen Spielern wie Benny Kirsten, Djamal Ziane oder Robert Berger. Am Ende sah der Verein sich gezwungen, dass Aushängeschild Scholz abzuhängen.

Doch was bleibt von der Ära Scholz? Anfang Oktober 2013 kam der gebürtige Görlitzer nach Leipzig. Lok war in der Regionalliga abgeschlagen Letzter, mit gerade einmal vier Punkten. Scholz brachte die Mannschaft zwar in die Spur, konnte den Abstieg aber nicht mehr verhindern. Nach einem Übergangsjahr schaffte der Verein souverän die Rückkehr – als ungeschlagener Aufsteiger! In der Viertklassigkeit konnte sich die Mannschaft etablieren. Gute Resultate mit einer Mischung aus Profis und Halb-Profis weckte Erwartungen. Die von Scholz selbst lang geforderte und mitinitiierte Umstellung auf Profitum war der Anfang vom Ende.

Wenn sie auf die vergangenen fünf Jahre zurückschauen: Wie empfinden Sie diese Zeit?
Es war absolut geil, für diesen Club arbeiten zu dürfen. Vor fünf Jahren hatten wir überhaupt gar nichts. Dennoch haben wir unsere Ziele immer erreicht. Es war eine anstrengende, aber eine geile Zeit.

Können Sie auch mal wieder ohne Groll und als Freund ins „Bruno“ gehen?
Das hoffe ich, dass keiner auf mich sauer ist. Ich glaube, ohne mich wäre vieles nicht erreicht worden. Ich kann mir nicht vorstellen, dass irgendjemand sauer auf mich ist. Außer vielleicht ein, zwei Mann, die ich mal beleidigt habe. Es ist klar: Ich habe auch nicht jeden gut gefunden.

Sie sind also stolz auf Ihre Zeit bei Lok Leipzig?
Ja, klar. Wir haben mit 750 Nassen angefangen und es ist ein Gesundungsprozess entstanden, an dem ich einen Anteil habe. Auch indem ich mit der ETL einen Sponsor rangebracht habe. Da bin ich stolz drauf. Ich habe vier Jahre als Spieler und fünf als Trainer bei Lok verbracht. Das ist ein halbes Fußballer-Leben.

Ihren Nachfolger Björn Joppe haben Sie selbst als Nachwuchsleiter nach Probstheida geholt. Ist er aktuell der Richtige?
Ich glaube schon. Blöd, dass er nicht die Scheine hat, die er braucht. Das dauert auch noch etwas, bis er die A-Lizenz dann hat. Er ist ein ähnlicher Typ wie ich. Die Truppe hat das Potenzial, um noch Vierter, Fünfter oder Sechster zu werden. Ich wünsche ihnen dafür viel Glück!

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Mit wachem Auge wird Heiko Scholz den Werdegang „seines“ Clubs weiterverfolgen. Vermutlich auch als Trainer von Nordhausen. Das sei ein „guter Club, einer der wenigen gesunden in der Liga“, meint der ehemalige Bundesliga-Profi (Dresden, Leverkusen, Bremen). Auf seinen Co-Trainer Rüdiger Hoppe wird er in Thüringen verzichten müssen. Dass Hoppe bei Lok Leipzig nicht weiter beschäftigt wurde, wundert viele. Lok gab am Freitag die Vertragsauflösung mit dem 49-Jährigen bekannt.

Scholz will noch ein paar Jahre Trainer sein. Die Arbeit mit jungen Spielern mache ihm sehr viel Spaß, erzählt er. Danach strebt er einen ruhigeren Posten an. Scout oder so, ein bisschen Spielbeobachtung, Gegnereinschätzung. Bis dahin bleibe vor allem noch ein Ziel: In allen Ligen, von der Bundesliga bis in die Oberliga, war Scholz schon Trainer; nur in der 3. Liga noch nicht. Da will er jetzt hin. Mit Wacker Nordhausen und nicht mit Lok Leipzig.

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