09. Oktober 2020 / 12:46 Uhr

Held der Woche: Dabei spielt Wilsches "Commander" eigentlich seit drei Jahren nicht mehr

Held der Woche: Dabei spielt Wilsches "Commander" eigentlich seit drei Jahren nicht mehr

Pascal Mäkelburg
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Held der Woche
Held der Woche: Helge "der Commander" Schacht vom VfR Wilsche/Neubokel. © Privat
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„Ich dachte nur, das ist jetzt nicht wirklich passiert?!“ Doch ist es. Und es ist eine Riesengeschichte, die Helge „der Commander“ Schacht da für seinen VfR Wilsche/Neubokel beim Bezirksliga-A-Spiel gegen die FSV Adenbüttel/Rethen schrieb. Und diese Riesengeschichte macht ihn zum ersten SPORTBUZZER-Helden der Woche nach der Corona-Pause.

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"Der Commander"

Ausgerechnet das Wilscher Urgestein, das seit drei Jahren eigentlich gar keinen Fußball mehr spielt und auch schon zu aktiven Zeiten nicht gerade für seine Torgefahr bekannt war, erzielte den entscheidenden 1:0-Siegtreffer zum Ligastart. Die Folge: Eine nicht enden wollende Liste von Glückwünsche, einige Kisten Bier – und als Sahnehäubchen nun die Wahl zum Helden der Woche durch die Sportbuzzer-User.

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Bernd Huneke ist schon seit 2011 Coach in Wilsche, vor ihm waren nur wenige im Verein, die jetzt immer noch da sind: Einer von ihnen ist Schacht, der schon seit der Pampers-Liga für den VfR alles gibt und nie den Verein gewechselt hatte. Deshalb genießt er hohes Ansehen im Klub, wo er aufgrund seiner guten Führungsqualitäten nur „der Commander“ genannt wird. Huneke musste jedenfalls nicht lange überlegen, als am Freitag nach dem Abschlusstraining wieder einige Verletzte mehr hinzukamen und neue Spieler für den Kader gegen Adenbüttel vonnöten waren. „Außer, dass er seit ein paar Wochen wieder bei unseren Altherren mitkickt, hat er seit 2017 nicht mehr aktiv Fußball gespielt. Trotzdem habe ich sofort an Helge gedacht. Auf ihn konnte und kann ich mich immer verlassen“, schwärmt Huneke.

Mehr heimischer Sport

Eigentlich sollte Schacht dann auch wirklich nur im Notfall kommen, vielleicht ein paar Minuten Bezirksliga-Luft schnuppern, das würde konditionell noch gehen. Doch es kam anders: Jonas Piep verletzte sich schon nach etwas mehr als einer Stunde, musste raus. Huneke rief Schacht herbei. „Bernd wollte mich dann eigentlich auf meiner angestammten Position im defensiven Mittelfeld bringen, aber da habe ich abgewunken. Dann wäre ich nach fünf Minuten platt“, sagte Schacht flachsend. Schließlich hatte er am selben Vormittag noch für die Altherren gespielt und eben jahrelang gar nicht trainiert.

Und so brachte Huneke den Commander tatsächlich als Rechtsaußen, dabei hat der 34-Jährige nie vorne gespielt. „Ich war jetzt auch echt nicht so für meine Torquote bekannt“, so Schacht schmunzelnd. Umso größer fiel der aus Jubel aus, als dann ausgerechnet er nach einem Freistoß kurz vor Schluss den Ball in bester Stürmer-Manier aus dem Gewühl heraus zum Tor des Tages in die Maschen knallte. Unglaublich! Der Mann, der lange kein Fußball mehr spielte. Der Mann, der nie Tore schoss. Der Mann, der alles für seinen VfR gab und gibt, erzielte den entscheidenden Treffer.


Keine Rückkehr in die Erste

Doch: Eine Rückkehr in die Erste wird es auch nach diesem für ihn unglaublichen Sonntag nicht mehr geben, aber revanchieren will er sich natürlich noch: „Natürlich werde ich noch die eine oder andere Kiste Bier springen lassen müssen. Mir haben so viele Leute gratuliert, das ist schon schön. Und meine Mitspieler in der Altherren flachsen natürlich ohne Ende, fragten schon, ob ich jetzt gesiezt werden müsse oder die Champions-League-Hymne gespielt werden müsse, wenn ich den Raum betrete“, so Schacht grinsend. Piep fasste die großartige Geschichte schließlich lachend zusammen: „Ich glaube, ich habe mich noch nie zu einem besseren Zeitpunkt verletzt.“