23. August 2019 / 16:35 Uhr

Mediziner kritisiert Helm-Vorschlag von Bundesliga-Profi Gjasula: "Scheinsicherheit"

Mediziner kritisiert Helm-Vorschlag von Bundesliga-Profi Gjasula: "Scheinsicherheit"

Jan Jüttner
Loris Karius, Klaus Gjasula und Petr Cech (v.l.) haben bereits Erfahrungen mit Kopfverletzungen gemacht.
Loris Karius, Klaus Gjasula und Petr Cech (v.l.) haben bereits Erfahrungen mit Kopfverletzungen gemacht. © 2019 Bongarts/Getty Images
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Paderborn-Profi Klaus Gjasula hat sich für das generelle Tragen eines Helms im Fußball stark gemacht. Der SPORTBUZZER hat einen Experten zum Thema befragt. Die Antwort des Sportmediziners fällt eindeutig aus.

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Mit seinem Vorschlag, dass Fußballer einen Helm zum Schutz vor Kopfverletzungen tragen sollten, hat Bundesliga-Profi Klaus Gjasula eine Debatte angeregt. "Das würde vielleicht auf dem Platz komisch aussehen, aber es wäre definitiv für die Gesundheit aller das Beste", sagte er gegenüber t-online.de. Doch wie sinnvoll ist sein Vorschlag?

Der renommierte Sportmediziner Dr. Claus Reinsberger hält den Gedankengang des Spielers für wenig sinnvoll. "Der Helm von Gjasula schützt sein Jochbein, aber nicht das Gehirn. Um es wirklich zu schützen, müssten die Fußballer Helme wie beim American Football tragen", sagte Reinsberger dem SPORTBUZZER. Das Tragen eines solchen Helms sei daher „aus medizinischer Sicht nicht zielführend". Solche Helme, wie sie neben Gjasula auch der langjährige Weltklasse-Torwart Petr Cech nach einem erlittenen Schädelbasisbruch trug, würden nur einen Schutz vermitteln, ihn aber keinesfalls garantieren. "Diese Spieler tragen die Helme aus psychologischen Gründen, weil sie sich damit einfach sicherer fühlen. Es ist eine Scheinsicherheit".

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Reinsberger warnt vor Panikmache

Vielmehr spricht sich der Mediziner dafür aus, dass mit dem Thema Kopfverletzungen im Fußball noch sensibler verfahren wird. "Der Umgang mit Kopfverletzungen hat sich in den letzten Jahren erheblich gebessert. Die Mannschaftsärzte achten verstärkt darauf, wenn Spieler Verletzungen am Kopf erleiden", sagte Reinsberger, der als Institutsleiter für Sportmedizin an der Uni Paderborn arbeitet. Eine generelle Panikmache vor Kopfverletzungen im Fußball sei nicht sinnvoll. "Im Vergleich zu Sportarten wie American Football sind schwerwiegende Kopfverletzungen im Fußball eher selten".

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Karius spielte im CL-Finale durch - trotz Gehirnerschütterung

Der Mediziner begrüßt die Einführung der sogenannten Baseline-Untersuchung durch die DFL und den DFB. Diese sieht eine regelmäßige Kontrolle der Gehirnfunktion vor, die in den ärztlichen Untersuchungen der Profispieler integriert ist. Eine Verletzung am Kopf oder eine Beeinträchtigung des Gehirns kann im Millionengeschäft Fußball nicht nur medizinische Folgen haben. Dies musste auch der ehemalige Bundesligaprofi Loris Karius erfahren. Im Champions-League-Finale 2018 gegen Real Madrid war der damalige Liverpool-Torwart nach einem Ellenbogenschlag nicht ausgewechselt worden und patzte im Verlauf des Spiels schwer. Das Match ging mit 1:3 verloren.

Nach dem Spiel diagnostizierten Mediziner eine Gehirnerschütterung, welche unter anderem Sehstörungen auslösen kann. Speziell in solchen Fällen wünscht sich Reinsberger eine noch sensiblere Reaktion der Mannschaftsärzte. "Wir müssen aus solchen Fällen lernen und noch feinfühliger mit Kopfverletzungen umgehen. Vor allem um Spätschäden zu vermeiden."

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