02. August 2020 / 19:42 Uhr

Hendrik Weydandt erklärt seinen Vertrags-Poker: "Verhandlungen mit 96 waren unfassbar fair"

Hendrik Weydandt erklärt seinen Vertrags-Poker: "Verhandlungen mit 96 waren unfassbar fair"

Dirk Tietenberg
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
96-Stürmer Hendrik Weydandt steigt zum Kopfball hoch.
96-Stürmer Hendrik Weydandt steigt zum Kopfball hoch. © imago images/Nordphoto
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Hendrik Weydandt (25) bleibt Hannover 96 treu. Doch der Weg zur Vertragsverlängerung war gar nicht so einfach. Im ersten Teil des SPORTBUZZER-Interviews erklärt der Stürmer, wie die Verhandlungen mit 96 waren und wieso er sich für einen Verbleib in Hannover entschieden hat.

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Hendrik Weydandt, Sie tragen ja immer noch die 26 auf dem Trainingstrikot. Wo ist die neue Nummer 9?

Die neuen Klamotten sind noch nicht da. Aber ich finde das ganz gut. So kann ich mich ordentlich von meiner alten Nummer verabschieden.

Warum ist die Nummer 9 Ihnen so wichtig?

Die 9 ist ganz klar die Stürmernummer. Stürmer-Vorbilder, die man so hat im modernen Fußball, tragen alle die Nummer 9. Für mich ist das eine Nummer, die ein Stürmer trägt, der Verantwortung übernehmen will, der sich mit in die erste Reihe stellt. Die Verhandlung war ganz einfach. Ich habe gefragt, ob die 9 frei ist. Sie war frei. Ich habe gefragt, ob ich sie haben kann. Ich konnte sie haben. Also habe ich sie genommen.

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Nummer 1: Ron-Robert Zieler Zur Galerie
Nummer 1: Ron-Robert Zieler ©

Sie hatten die Wahl, sich bei 96 in die erste Reihe zu stellen oder eine neue Rolle bei einem anderen Klub zu finden. Warum haben Sie sich dann für 96 entschieden?

Früher war ich eher der Typ, der Entscheidungen treffen wollte nach dem Motto: Schnell, mach mal fertig! Dabei hat man auch mal rumgefuscht und sich dann vielleicht nicht richtig entschieden. Diesmal lag alles in einer anderen Kategorie. Das war eine Entscheidung mit einer richtungsweisenden Auswirkung fürs Leben. Da sollte man schon einmal genau überlegen.

Und das haben Sie getan?

Ja. Sportlich hätte ich eine Liga höher spielen können. Ich kenne die Bundesliga ja, und da möchte ich wieder hin. Aber mit Hannover habe ich mich ja nicht dagegen entschieden, sondern dafür, dass ich mit 96 in die erste Liga spielen möchte. Ich wusste ja auch nicht, ich welcher Reihe ich bei einem anderen Klub gestanden hätte. Aber ein ausschlaggebender Grund war das nicht. Mehr als probieren, hinfallen und wieder aufstehen wäre ja nicht passiert.

Zum zweiten Teil des Interviews

Was war ausschlaggebend?

Ich merke jetzt, zwei Wochen danach, dass ich unfassbar zufrieden bin mit der Entscheidung. Man könnte fragen, warum ich nicht früher drauf gekommen bin – aber ich denke, ich bin auch so zufrieden damit, weil ich mir eben die nötige Zeit für eine wohl überlegte Entscheidung genommen habe.

Das Stichwort Heimat hat eine Bedeutung. Aber das ist ein Add-on, ein Bonus. Das Zugehörigkeitsgefühl zur Stadt war ein ausschlaggebender Punkt. Nach meiner Erfahrung mit der sportlichen Führung glaube ich außerdem, dass wir eine gute Perspektive haben, da weiterzumachen, wo wir aufgehört haben. Außerdem habe ich gemerkt, dass ich mich in der Mannschaft wohlfühle. Ich kann mit jedem und ich hoffe, jeder kann mit mir.

Hendrik Weydandts Fußballkarriere in Bildern:

Hendrik Weydandt (rechts) begann seine Fußballkarriere beim TSV Groß Munzel. Zur Galerie
Hendrik Weydandt (rechts) begann seine Fußballkarriere beim TSV Groß Munzel. ©

Bei unserem ersten Gespräch vor genau zwei Jahren haben sie im Sand von St. Peter Ording gesessen, während die anderen dort trainiert haben. Sie waren etwas bedrückt, weil sie das erste Mal in einem Profi-Trainingslager waren, sich am Fuß verletzten und doch nicht mitmachen konnten. Was ging Ihnen damals im Kopf herum?

Ich weiß noch, was ich gesagt habe. Dass ich wahrscheinlich von meinem Körper zum ersten Mal die Grenzen aufgezeigt bekomme. Tatsächlich war es eine einfache Überlastung, weil ich diese biorhythmische Belastung als Profi vorher nie kennen gelernt hatte. Ich bin damals auf die Nase gefallen, und dann halt wieder aufgestanden. Hat geklappt.

Haben Sie während der Verhandlungsphase mitbekommen, welchen Wert ein Fußballspieler hat? Hat Sie der Poker und die Reaktion darauf überrascht?

Ich wollte es so erwarten. Ich wusste aber nicht, wie es auf mich wirkt. Ich habe zwischendurch schon mal gedacht: Puh, da gibt es jetzt aber viele Meinungen, viele Interpretationen. Man wird in so einer Phase komplett auf den Prüfstand gestellt.

Wir werden Sie als Medium schon genervt haben mit den Ultimaten und Fristen ...

Wegen dieser Fragen habe ich die ganze Nacht nicht geschlafen. Nein, im Ernst: Ich wollte mich in dieser Phase der Vertragsverhandlungen raushalten aus den Medien und in Ruhe eine Entscheidung treffen. Ich weiß, dass es normal ist, dass Medien auf diese Art reagieren. Ich kann doch nachvollziehen, dass Medien versuchen, Dinge zu erfahren und zu bewerten. Als Außenstehender fand ich früher auch: Das ist normalste der Welt. Aber ich sage auch: Die konkreten Verhandlungen haben Anfang Juli begonnen und sie endeten Mitte Juli.

Das ist eine relativ kurze Verhandlung für einen Vertrag, der ausgelaufen war und zwei Wochen später verlängert wurde. Von Ultimaten, von denen viel geschrieben wurde, würde ich nicht sprechen, aber natürlich war klar und auch verständlich, dass sich der Klub eine zeitnahe Entscheidung wünscht. Die Verhandlungen mit 96 waren unfassbar fair. Aus meiner Sicht wurde da auch gar nicht so viel rumgepokert.

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Ihr Vater Heinrich berät Sie. Haben Sie irgendwann gesagt: Papa, jetzt ist mal gut, ich unterschreibe?

Mein Vater hat mich immer gefragt. Für ihn war klar: Ich sage ja oder ich sage nein. Wir waren irgendwann an dem Punkt, an dem alle Details besprochen waren. Da habe ich meinem Vater und anschließend Herrn Zuber gesagt, dass ich es machen will.

Wie ist es, wenn der Vater den Sohn berät?

Er ist wie ich: Er kann aus Neuem sehr schnell lernen. Ich kann mir jedenfalls nach zwei Jahren keine bessere Konstellation zwischen einem Spieler und einem Berater vorstellen.

Wie war Ihr Vater früher am Spielfeldrand?

Der stille Beobachter. Er hat es gemacht, wie man es machen sollte. Er hat mir nach dem Spiel unter vier Augen ein paar Tipps gegeben. Es ging ihm immer mehr um Dinge, die übers Fußballspielen hinausgehen. Es ging um Haltung, um Einstellung. Damals wusste ich noch nicht, wie wertvoll diese Tipps später für mich als Profi sein würden.