21. Oktober 2021 / 08:49 Uhr

Henrichs unzufrieden bei RB Leipzig: "Ich will nicht wechseln, aber ich will Fußball spielen"

Henrichs unzufrieden bei RB Leipzig: "Ich will nicht wechseln, aber ich will Fußball spielen"

Antje Henselin-Rudolph
Leipziger Volkszeitung
Sein Platz ist in dieser Saison bisher meist auf der Ersatzbank: Benjamin Henrichs zwischen Josep Martinez (l.) und Kevin Kampl (r.).
Sein Platz ist in dieser Saison bisher meist auf der Ersatzbank: Benjamin Henrichs zwischen Josep Martinez (l.) und Kevin Kampl (r.). © Imago/Noah Wedel
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Ganze 23 Pflichtspielminuten hat Benjamin Henrichs in der bisherigen Saison für RB Leipzig absolviert. Klar, dass der Verteidiger damit unzufrieden ist. Er will kicken, und zwar nicht nur im Training. Seine Gefühlslage ist offenbar soweit gediehen, dass der 24-Jährige überlegt, den Bundesligisten zügig wieder zu verlassen.

Leipzig. Coach Jesse Marsch sprach im Sommer davon, einen der breitesten Kader der Bundesliga zur Verfügung zu haben. Ein breiter Kader bedeutet neben reichlich personeller Auswahl für das Trainerteam aber auch: An jedem Spieltag gibt es Enttäuschte, die schnell zum Problem werden können. Einer dieser Enttäuschten ist Benjamin Henrichs, der seinem Unmut nun medial Luft gemacht hat. Der 24-Jährige ist mit seiner Situation bei RB Leipzig unzufrieden und macht sich sogar Gedanken über einen möglichen Wechsel. „Es ist eine sehr schwere Situation und nicht das, was ich mir vorgestellt habe“, sagte der 24-Jährige dem „Kicker“ (Donnerstag).

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Nagelsmann holte Henrichs

Dass seine fehlenden Einsätze den Verteidiger gedanklich schon eine Weile beschäftigen, ließ er immer mal wieder über Postings auf seinen Social-Media-Kanälen durchblicken, auch in jüngster Vergangenheit. So gratulierte er am 2. Oktober nach dem 3:0-Erfolg gegen Bochum seinem Teamkollegen Ilaix Moriba via Instagram zum Bundesligadebüt und kommentierte durchaus ironisch zu einem Bild der beiden sowie einem von sich selbst beim Gang auf die Ersatzbank: "Meine Highlights von heute. Hauptsache gewonnen." Vor dem Champions-League-Gastspiel bei Paris Saint-Germain am Dienstag versprach der Kicker via Twitter: "Drücke den Jungs die Daumen." Das dazugehörige Foto zeigt Henrichs allein auf der Bank sitzend. Unter seinem Post erhielt er reichlich Zuspruch von den Fans, die "ihrem" Benny auch abseits der sozialen Netzwerke versuchen, den Rücken zu stärken. Als Henrichs nach einem der letzten Heimspiele im Auto gemeinsam mit Dominik Szoboszlai die Red Bull Arena verließ, riefen ihm zwei Anhängerinnen durch das geöffnete Wagenfenster zu: "Halte durch!"

Henrichs war ein Wunschzugang von Ex-RB-Coach Julian Nagelsmann, der sich im Sommer 2020 für dessen Ausleihe von der AS Monaco ausgesprochen hatte. Anfang April wurde Henrichs fest verpflichtet, obwohl er große Teile der Spielzeit zuvor aufgrund einer Verletzung der Patellasehne verpasst hatte. Doch unter dem neuen Trainer Jesse Marsch spielt der Abwehrspezialist bisher überhaupt keine Rolle und wurde in der Bundesliga lediglich beim 6:0 gegen Hertha BSC in der 74. Minute eingewechselt. In der Königsklasse durfte er in der Partie in Paris in der Schlussphase kurz ran.

"Ich bin bereit"

„Es ist nicht mein Anspruch, in zwei Monaten nur 20 Minuten zu haben. Mit 24 bin ich in einem Alter, in dem ich Woche für Woche spielen will. Das ist das Wichtigste für mich, und wenn das nicht gegeben ist, muss man sich Gedanken machen“, sagte Henrichs. Zur Wahrheit gehört auch: Der Kicker, der mit der deutschen U21 bei den Olympischen Spielen antrat, war zu Saisonbeginn verletzt, verpasste die ersten beiden Liga-Partien aufgrund von Knieproblemen.

Sollte sich an seiner Situation nichts ändern, wäre ein Wechsel im Winter eine Option, auch wenn Henrichs sich „voll und ganz“ mit dem Gesamtpaket Leipzig identifiziere: „Ich bin eigentlich glücklich hier. Aber man muss sich überlegen, wie es weitergeht. Ich will nicht wechseln, aber ich will Fußball spielen.“

Vorwerfen könne er sich nichts, er gebe alles. „Die Realität ist, dass ich hart an mir arbeite und gut trainiere, das bestätigt mir auch der Trainer“, sagte Henrichs: „Ich warte einfach auf den Moment, in dem ich meine Chance kriege. Ich bin bereit und brenne darauf zu zeigen, was in mir steckt. Das wäre gefühlt wie ein Debüt.“ Nicht auszuschließen, dass genau diese Chance am Samstag in der Partie gegen Greuther Fürth kommt. Denn Lukas Klostermann, einer der Konkurrenten auf der rechten Abwehrseite zog sich in Paris einen Muskelfaserriss zu, wird erst einmal fehlen.


Mit: dpa