24. Juli 2021 / 21:20 Uhr

Basketball-Bundestrainer Henrik Rödl über das Olympia-Turnier, Joshiku Saibou und Michael Jordan

Basketball-Bundestrainer Henrik Rödl über das Olympia-Turnier, Joshiku Saibou und Michael Jordan

Christian Müller
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Bundestrainer Henrik Rödl trifft mit der deutschen Nationalmannschaft beim Olympischen Turnier der Sommerspiele von Tokio zunächst auf Italien.
Bundestrainer Henrik Rödl trifft mit der deutschen Nationalmannschaft beim Olympischen Turnier der Sommerspiele von Tokio zunächst auf Italien. © IMAGO/camera4+ (Montage)
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Die deutsche Basketball-Mannschaft startet am Sonntagmorgen in die Olympischen Spiele. Vor der Auftaktpartie gegen Italien sprach der SPORTBUZZER mit Bundestrainer Henrik Rödl.

Mit der Partie gegen Italien steigt die deutsche Basketball-Nationalmannschaft am Sonntag (6.40 Uhr, ARD und Eurosport) in die Olympischen Spiele in Tokio ein. Bundestrainer Henrik Rödl stellte sich zuvor den Fragen des SPORTBUZZER, des Sportportals des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND).

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SPORTBUZZER: Henrik Rödl, Olympiaqualifikation nach einer langen, von der Pandemie geprägten Saison – wie hat Ihre Mannschaft die Strapazen verkraftet?

Henrik Rödl (52): Dass sich überhaupt eine deutsche Mannschaft aus eigener Kraft für Olympia qualifiziert, ist eine besondere Sache. Nach einer langen und harten Saison mit extrem vielen, zum Teil coronabedingten Ausfällen ist es etwas Besonderes, dass die Jungs da sind. Sie arbeiten auf einem ganz hohen Motivationsniveau – und so haben sie sich die ganze Zeit präsentiert.

Erstmals seit 2008 nimmt ein deutsches Basketballteam an den Sommerspielen teil. Überwiegt der Druck oder die Vorfreude?

Im Moment auf jeden Fall die Vorfreude. Unsere Gegner sind sehr gut, und da müssen wir auf dem allerhöchsten Level spielen, um zu gewinnen. Diese Mannschaft ist aber motiviert, weiterzuführen, was sie angefangen hat.

Sie treffen in der Gruppe auf Italien, Nigeria und Australien. Wen schätzen Sie am stärksten ein?


Schwer zu sagen, weil alle drei sehr gut sind. Italien haben wir beim Supercup zweimal geschlagen. Sich aber in der Qualifikation in Serbien durchzusetzen ist ein Zeichen für sich. Nigeria und Australien haben in Freundschaftsspielen gegen die USA gewonnen. Das muss nicht unbedingt alles heißen, weil Team USA vielleicht noch nicht so fit war wie später, aber das ist schon eine Duftmarke. Alle sind gespickt mit Talent und NBA-Spielern.

Von wem erwarten Sie in Abwesenheit von NBA-Star Dennis Schröder (aus Versicherungsgründen nicht dabei, d. Red.) eine tragende Rolle?

Die tragende Rolle ist das Team selbst. Das ist das, was dieses Team am meisten prägt. Es ist immer ein anderer, im Endeffekt aber immer alle. Das und die Verteidigung sind die größte Stärke. Man hat den Eindruck, wenn es bei einem mal besonders gut klappt in einem Spiel, hilft die Mannschaft ihm, noch besser zu sein.

Joshiku Saibou stand wegen seiner Teilnahme an einer Demonstration gegen die Anti-Corona-Maßnahmen in der Kritik. Die Telekom Baskets Bonn trennten sich von ihm. Inzwischen hat er sich in einem Statement erklärt, Sie haben ihn für Tokio nominiert. Ist das Thema abgehakt?

Ich weiß, dass es für einige ein Aufklärungsbedürfnis gibt. Für uns legt sich der Fokus jedoch auf das rein Sportliche. Er hat sich gut in die Mannschaft eingefügt und sie ihn gut aufgenommen – am Anfang mit einer gewissen Distanz und ein paar Fragen. Diese Zeit haben sich die Spieler genommen. Aber jetzt sind wir eine Einheit.

Sie haben die Olympischen Spiele 1992 selbst als Spieler erlebt. Hilft das, der Mannschaft die Besonderheit dieser Veranstaltung zu erklären?

Das muss man dieser Mannschaft nicht erklären. Sie ist extrem fokussiert, das hat sie gezeigt. Für jeden Einzelnen ist es eine besondere Sache, sich qualifiziert zu haben. Klar, ab und zu kann man mal die Kiste rausholen, aber das ist jetzt schon lange her. Dann sind das für die Spieler eher Anekdoten von anno dazumal. Aber auch für uns war es etwas ganz Besonderes, mit dem Dreamteam überhaupt.

Wir können also davon ausgehen, Ihre Mannschaft kennt die Geschichte.

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(lacht) Ja, aber nicht wirklich. Ich weiß gar nicht, ob zu dem Zeitpunkt überhaupt schon alle geboren waren. Vielleicht einer oder zwei. Die meisten werden noch nicht einmal in der Planung gewesen sein.

Sie haben damals gegen Michael Jordan gespielt, der wie Sie eine Vergangenheit an der University of North Carolina hat. Was hat Ihnen das Duell in Barcelona bedeutet?

Es war für jeden damals das ganz große Event, gegen diese Mannschaft zu spielen. Für mich war er schon vorher der Lieblingsspieler, gepaart mit der Gemeinsamkeit, dass ich vom selben College war – vielleicht der einzigen (lacht). Dementsprechend wusste ich, woher er kam und wie er sich entwickelt hat.

Sie haben gegen Jordan zwei Punkte gemacht – weil er Sie diese machen ließ, wie er einst sagte.

Das war scherzhaft gemeint, eine kleine Anekdote am Rande.