16. April 2021 / 13:28 Uhr

"Es ist eine Extremsituation": Hertha-Bosse sprechen über Corona-Quarantäne

"Es ist eine Extremsituation": Hertha-Bosse sprechen über Corona-Quarantäne

Stephan Henke
Märkische Allgemeine Zeitung
Sprechen über die Corona-Fälle und die Quarantäne: Hertha-Boss Carsten Schmidt und Sportdirektor Arne Friedrich.
Sprechen über die Corona-Fälle und die Quarantäne: Hertha-Boss Carsten Schmidt und Sportdirektor Arne Friedrich. © IMAGO/Matthias Koch, Stuart Franklin/Getty Images
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Geschäftsführer Carsten Schmidt und Sportdirektor Arne Friedrich äußern sich in einer Medienrunde über die Quarantäne bei Hertha BSC, die Folgen für die Bundesliga und den gesundheitlichen Zustand der vier infizierten Teammitglieder.

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Am Donnerstagabend war es offiziell: Hertha BSC muss in eine 14-tägige Quarantäne, weil zuletzt insgesamt vier Teammitglieder - die Spieler Dodi Lukebakio und Marvin Plattenhardt sowie Trainer Pal Dardai und Co-Trainer Admir Hamzagic - positiv auf das Coronavirus getestet wurden, vor zwei Wochen bereits Keeper Rune Jarstein. Hertha BSC hat daraufhin die Verlegung der kommenden drei Spiele gegen den FSV Mainz 05 (18. April), den SC Freiburg (21. April) und den FC Schalke 04 (24. April) beantragt. In einer Medienrunde stellten sich Geschäftsführer Carsten Schmidt und Sportdirektor Arne Friedrich den Fragen der Presse:

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Wie geht es den Infizierten? Am schwersten hat es Torhüter Rune Jarstein erwischt, der bereits am 3. April positiv getestet wurde, er hat sich mit der hochinfektiösen englischen Variante des Virus infiziert. "Er ist auf dem Weg der Besserung, ihm ging es sehr schlecht, er wurde zwischenzeitlich ins Krankenhaus eingeliefert", berichtete Friedrich. Stand jetzt werde er in dieser Saison nicht mehr spielen können. "Er hat klar betont, dass es eine Krankheit ist, die man niemandem wünscht und eine Krankheit ist, die man sehr ernst nehmen sollte." Co-Trainer Admir Hamzagic zeige Symptome und habe leichtes Fieber, ihm gehe es "den Umständen entsprechend gut". Pal Dardai habe kein Fieber aber Gliederschmerzen und eine leichte Schlappheit, "die Symptome haben sich in Grenzen gehalten, bei Dodi ebenso", sagte Friedrich. Bei Marvin Plattenhardt müsse man die Entwicklung der nächsten Tage abwarten.

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Wie haben sich die Teammitglieder infiziert? "Wer sich von wem angesteckt hat ist am Ende super schwer nachzuverfolgen", sagte Friedrich. Jarstein kam am 31. März von der Reise mit der norwegischen Nationalmannschaft zurück. Ein erster Test am 1. April war negativ, ehe er in der Nacht vom 2. auf den 3. April Symptome entwickelt hatte. Allerdings hat Hertha für alle Nationalmannschaftsrückkehrer die Vorgabe, dass sie sich in getrennten Kabinen umziehen, Jarstein hatte regenerativ alleine trainiert, teilte Hertha mit. "Wir haben alles gemacht und durchgeführt, wie es vom Gesundheitsamt und der DFL vorgeschrieben war", sagte Friedrich. Als nächstes wurde Hamzagic positiv getestet, anschließend Dardai und Lukebakio und Plattenhardt schließlich am Donnerstag.



Wie erleben die Verantwortlichen die Situation? "Die Ereignisse der letzten zwei Tage haben sich überschlagen. Wir nehmen diese Situation an, wir hadern nicht mit dieser Situation. Unsere Gedanken sind in erster Linie bei unseren erkrankten Spielern und Trainern", sagte Geschäftsführer Carsten Schmidt. Sportdirektor Arne Friedrich sagte mit Blick auf die aktuelle Saison: "In den letzten Wochen und Monaten gab es ja viele Änderungen, man musste sich auf viele Dinge neu einstellen." So leitete er am Donnerstag als Vertreter von Pal Dardai ein Training: "Ich hatte die kürzeste Trainerlaufbahn der Bundesliga-Geschichte mit einem Training." Allgemein ergänzte er: "Es ist eine Extremsituation, die wir alle so noch nicht erlebt haben. Wir werden sie sportlich annehmen."

Welche Maßnahme hat Hertha sportlich ergriffen? Die Spieler erhalten Ergometer und Laufbänder, dazu werden Trainingspläne erstellt, außerdem sind Live-Trainingseinheiten via Video geplant. "Die Motivation ist maximal, ich spüre so einen Spirit: Jetzt erst recht! Ich hoffe, dass der auch bei den Spielern ankommt", sagte Schmidt. Am Freitagabend will sich die komplette Mannschaft und das Team drumherum per Video zusammenschalten und die vergangenen Tage und die künftigen Wochen besprechen.

Wann sollen die Spiele nachgeholt werden? Die drei kommenden Spiele wurden am Freitag offiziell von der DFL abgesagt, die neuen Termine sollen im Laufe der nächsten Woche veröffentlicht werden. Die DFL hat laut Friedrich bereits erste Vorschläge für Nachholspiel-Termine geschickt, Hertha anschließend Gegenvorschläge. "Es wird natürlich keinen perfekten Spielplan für uns geben. Wir werden unseren Vorschlag einreichen, zu Einzelheiten möchte ich aber nichts sagen", erklärte Friedrich. Die Partien an den Spieltagen 33. und 34. werden traditionell immer um 15.30 Uhr angepfiffen, ob Hertha bis dahin die Nachholspiele absolviert haben muss, wollte Friedrich ebenfalls nicht beantworten.

Die neuen Marktwerte von Hertha BSC (Stand: 10. Februar 2021).

Nach dem jüngsten Marktwert-Update mussten fast alle Spieler von Hertha BSC Einbußen hinnehmen. Zur Galerie
Nach dem jüngsten Marktwert-Update mussten fast alle Spieler von Hertha BSC Einbußen hinnehmen. ©

Wie lange kann die Quarantäne dauern? Meldungen, wonach sich die Quarantäne der kompletten Mannschaft weiter verlängere, wenn ein weiterer Spieler positiv getestet wird, dementierte Schmidt, dann würde sich die Quarantäne nur für den einzelnen Spieler verlängern. Eine Verkürzung der Quarantäne, wenn alle Spieler weiter negativ getestet werden, sei offenbar nicht möglich, "ein sogenanntes Freitesten ist nicht zur Sprache gekommen. Wir richten uns jetzt auf 14 Tage Quarantäne ein", sagte Schmidt.

Wie groß ist der Nachteil im Kampf um den Klassenerhalt? "Wir werden nicht hadern und nehmen die Situation an", betonten Schmidt und Friedrich unisono. "Aber es ist Fakt, dass wir Fitness verlieren werden. Wenn man zwei Wochen raus ist und hat zwei Tage, um sich auf ein Bundesligaspiel vorzubereiten, dann ist das alles andere als optimal", sagte Friedrich. Das Verletzungsrisiko steige, "es ist die eine Sache, ob man zu Hause auf dem Laufband oder dem Fahrrad trainiere oder auf dem Platz", ergänzte Friedrich. "Es wird eine extreme Herausforderung für jeden einzelnen Körper, es wird auch mental herausfordernd sein." Dass die Konkurrenten nun Punkte vorlegen könnten, beschäftige ihn nicht: "Ich bin ein Freund davon, sich darüber Gedanken zu machen, was man kontrollieren kann. Die Ergebnisse der anderen Mannschaften können wir nicht kontrollieren."

Mögliche Schwierigkeiten bei der Beendigung der Saison? "Meine Sorge gilt in erster Linie Hertha BSC und den erkrankten Kollegen", schob Carsten Schmidt voraus, aber: "Ich mache mir schon Gedanken, dass wir in eine Situation kommen, die wir schwer beherrschen. Aber wie weit das in den Mai reinragt und wir in der Bundesliga Termin- und Ansetzungsprobleme bekommen, ist Spekulation. Aber wir müssen anerkennen, dass die Zahlen steigen und der Fußball keine Ausnahme ist."

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