22. November 2020 / 19:44 Uhr

Hertha BSC nach der Dortmund-Pleite: Fehlerketten in allen Mannschaftsteilen

Hertha BSC nach der Dortmund-Pleite: Fehlerketten in allen Mannschaftsteilen

Stephan Henke
Märkische Allgemeine Zeitung
21.11.2020, Berlin: Fußball: Bundesliga, Hertha BSC - Borussia Dortmund, 8. Spieltag im Olympiastadion. Dortmunds Erling Haaland (M) schiesst das 3:1. Foto: Soeren Stache/dpa-Zentralbild/dpa - WICHTIGER HINWEIS: Gemäß den Vorgaben der DFL Deutsche Fußball Liga bzw. des DFB Deutscher Fußball-Bund ist es untersagt, in dem Stadion und/oder vom Spiel angefertigte Fotoaufnahmen in Form von Sequenzbildern und/oder videoähnlichen Fotostrecken zu verwerten bzw. verwerten zu lassen. +++ dpa-Bildfunk +++
Viele Fehler führten zu den Gegentoren: Erling Haaland (2.v.l.) erzielt hier das 1:3, Herthas Dedryck Boyata, Alexander Schwolow und Omar Alderete (v.l.) können den Treffer nicht verhindern. © Sören Stache/dpa
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Trainer Bruno Labbadia ärgert sich über die mangelhafte Defensivarbeit seiner Offensivabteilung - und nimmt die Hertha-Mannschaft nach dem 2:5 gegen Borussia Dortmund in die Verantwortung.

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Das Handeln auf dem Platz stand im krassen Gegensatz zu dem, was Bruno Labbadia von seinen Spielern gefordert hatte. „Die Ansprache war ganz klar, dass wir den Gegner extrem stören wollen“, sagte der Trainer des Fußball-Bundesligisten Hertha BSC über die Strategie gegen Borussia Dortmund. Beim Treffer zum 1:1-Ausgleich des BVB am Samstagabend sahen die Dortmunder allerdings extrem ungestört aus. Zunächst ließ Krzysztof Piatek seinen Gegenspieler Emre Can laufen, auch Niklas Stark bekam keinen Zugriff und in der Mitte schafften es Omar Alderete, Dedryck Boyata und Peter Pekarik nicht, Erling Haaland ausreichend zu decken – der Norweger schob zum Ausgleich ein.

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Noch drei weitere Tore ließ er beim 2:5 (1:0) der Hertha folgen. Der 20-Jährige sei ein „Killer“ vor dem Tor, habe „unglaublich gute Laufwege“, lobte Labbadia den gegnerischen Torjäger. Allerdings machte es ihm seine Mannschaft auch viel zu leicht, meinte der Hertha-Trainer. „Wir haben die Tore zu einfach kassiert. Wir haben das Spiel sehr einfach aus der Hand gegeben, und das ist ärgerlich.“ Vor dem 1:2 spielte Alderete auf Abseits, vor dem 1:3 spielte Marvin Plattenhardt einen schlampigen Rückpass – Fehlerketten in allen Mannschaftsteilen lautete die Diagnose. Explizit nannte Labbadia das Defensivverhalten seiner Offensivspieler, „wir wollten noch viel weiter vorne anlaufen“, meinte er, „wir haben das nicht gut gemacht im vorderen Bereich.“

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Das für ihn so Ärgerliche ist: Sein Team kennt die Probleme, aber kriegt sie nicht in den Griff. Schon die komplette Saison spricht Labbadia von individuellen Fehlern, die den Gegentoren vorausgehen. Stürmer Piatek, der den verletzten Jhon Cordoba vertrat, bekam schon häufiger vom Coach sein mangelhaftes Defensivverhalten aufgezeigt, ähnlich sieht es bei Dodi Lukebakio aus. Damit bringen sich die Berliner immer wieder um die Früchte ihrer Arbeit. „Das Ergebnis passt einfach nicht. Das haben wir schon ein paar mal gehabt, deswegen ist die Enttäuschung sehr, sehr groß“, sagte Labbadia.

Der wollte eine Diskussion um fehlende Führungsspieler im Keim ersticken. Maximilian Mittelstädt, gegen Dortmund kurz vor dem Ende eingewechselt, hatte diese befeuert. „Klar brauchen wir Leader“, meinte Mittelstädt, „ich glaube, in der letzten Saison hatten wir mehr solche Spielertypen. Jetzt stecken wir noch ein wenig im Umbruch, sind auf der Suche nach so einem Typen, der uns vorantreibt und auf dem Platz das Zepter in die Hand nimmt.“ Schon Vladimir Darida fand die Einschätzung seines Mitspielers unzutreffend („Wir haben schon die Spieler, die die Verantwortung übernehmen. Leider war die zweite Halbzeit nicht gut“). Labbadia entgegnete: „Es waren Leute auf dem Platz, die das Aufbäumen hatten.“ Doppeltorschütze Matheus Cunha beispielsweise, der zunächst mit einem satten 20-Meter-Schuss zur 1:0-Führung getroffen hatte (33. Minute) und – nach einem schmeichelhaften Elfmeter für Matteo Guendouzi – vom Punkt zum 2:4 (79.) verkürzt hatte.


Ungewöhnliche Teambesprechung

Labbadia hat sich schon eine Strategie zurecht gelegt, wie er seine Spieler vor den wichtigen Spielen gegen Leverkusen (Sonntag) und dem Derby gegen Union (4. Dezember) weiterentwickeln möchte. „Ich muss sie kitzeln, sie fördern und fordern“, meinte er und sprach vom „Finger in die Wunde legen“ auf der einen und „bestärken“ auf der anderen Seite. Das alles hatte er am Sonntagmorgen schon der Mannschaft erklärt. „Wir haben eine längere Besprechung gehabt und die Mannschaft mit einbezogen, wie sie es gesehen hat“, sagte Labbadia. Das war zum einen ein neuer Reiz für das Team – und damit zog der Trainer die Mannschaft auch mehr in die Verantwortung.