13. Mai 2020 / 16:06 Uhr

Der vierte Hertha-Versuch: Labbadias Rezept für den Hauptstadtclub

Der vierte Hertha-Versuch: Labbadias Rezept für den Hauptstadtclub

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Hertha-Coach
Ist guter Dinge: Hertha-Trainer Bruno Labbadia. © Jan-Philipp Burmann
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Bruno Labbadia macht es einfach. Er erklärt einer verunsicherten Mannschaft seine Vorstellung von erfolgreichem Fußball mit wenigen klaren Vorgaben. Bei Hertha BSC kann er erst recht beweisen, dass er «ein Mann für schwere Fälle ist», wie eine Zeitung nun schrieb.

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Auf den donnernden Applaus und auf die "Bruno, Bruno"-Rufe wie bei seinem Abschied vom VfL Wolfsburg muss Bruno Labbadia bei seinem neuen Job noch länger verzichten. Vom Erfolg hängt das allerdings nicht ab. "Es wird einige Zeit dauern, bis ich den Fans begegne", sagte Labbadia bei seiner Vorstellung als Trainer des Berliner Fußball-Bundesligisten Hertha BSC. Wohl fühlte er sich schon gleich zu Beginn einer heiklen und deutschlandweit beobachteten Mission beim Hauptstadt-Club. "Ein Mann für schwere Fälle", titelten die Wolfsburger Nachrichten am Mittwoch in einem Beitrag über den ehemaligen VfL-Coach.

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In Bildern: 15 Fakten über den Hertha-Coach Bruno Labbadia.

<b>Fakt 1:</b> Bruno Labbadia ist in einer echten Großfamilie aufgewachsen. Der Jüngste der Familie hat vier Brüder und vier Schwestern. Seine Eltern sind zehn Jahre vor seiner Geburt als italienische Gastarbeiter nach Deutschland gekommen. Zur Galerie
Fakt 1: Bruno Labbadia ist in einer echten Großfamilie aufgewachsen. Der Jüngste der Familie hat vier Brüder und vier Schwestern. Seine Eltern sind zehn Jahre vor seiner Geburt als italienische Gastarbeiter nach Deutschland gekommen. ©

Hertha BSC ist Labbadias siebte Station als Chefcoach seit 2004, wobei er beim ähnlich krisenanfälligen Hamburger SV gleich zweimal im Amt war. Beim ersten Mal wurde er nach nicht mal einem Jahr entlassen, beim zweiten Mal als Retter gefeiert, um dann wieder vorzeitig gehen zu müssen. Apropos Retter: Für Labbadia ist ein Engagement im Laufe einer Saison nichts neues. Beim VfB Stuttgart war es so, beim zweiten HSV-Engagement auch, ebenso bei seiner Amtszeit in Wolfsburg. In Berlin ist nun aber doch noch alles ein bisschen anders. Was diesmal aber nicht nur an den Eigenheiten der Hertha liegt.

"Es ist eine außergewöhnliche Situation", betont Labbadia, extreme Gedanken mache er sich. "Ich kann keinem die Hand geben, ich kann auf dem Platz nicht mal einen in den Arm nehmen". Das gehört bei Bruno Labbadia eigentlich dazu, er baut die Spieler auf, er entwickelt Mannschaften, dieser Ruf eilte dem 54 Jahre alten ehemaligen Profi auch bis in die Hauptstadt voraus. "Bruno Labbadia ist mehr als ein Feuerwehrmann", titelte schon der Tagesspiegel.

Aktuelles von Hertha BSC

Selbst wenn Labbadia bereits einiges erlebt hat im Trainergeschäft, sind nicht nur die aktuellen Umstände des Neustarts der Liga mit Geisterspielen und Hygieneregeln in der Corona-Krise bemerkenswert: Bei der Hertha ist Labbadia bereits der vierte Trainer in dieser Saison. Ante Covic schaffte rund 150 Tage im Amt, Jürgen Klinsmann nicht mal 80, Alexander Nouri keine 60. Dazu die immer wieder mal aufkommenden Nachwehen der Posse um den ehemaligen Bundestrainer Klinsmann und dessen unrühmlichen Abgang. Oder das Video des danach suspendierten Salomon Kalou mit Verstößen gegen die Corona-Regeln und jüngst die Aufnahme des durchaus polarisierenden Jens Lehmann in den Aufsichtsrat als Klinsmann-Nachfolger und Vertreter von Investor Lars Windhorst, der mit seinen 224 Millionen Euro die Träumereien des Hauptstadtclubs beflügeln.

Labbadia hat trotz allem in seiner Zeit seit seinem Amtsantritt auch ohne Körperkontakt die nötige Nähe zu den Spielern schon erreicht. "Bruno spricht sehr viel mit uns", betonte Mittelfeldmann Vladimir Darida jüngst in einer Videokonferenz. Der neue Coach erkläre jedem einzelnen Spieler die Dinge ganz genau.

Labbadia, der seinem neuen Arbeitgeber direkt mal angeboten hatte, auf einen Großteil seines Gehalts bis zum Startzeitpunkt an diesem Wochenende zu verzichten, macht es einfach: Er gibt wenige, dafür aber umso klarere Vorgaben. Das scheint bei der Mannschaft, der es nach den Trainerpossen vor der Unterbrechung an einer sichtbaren Linie auf dem Platz mangelte, der richtige Ansatz zu sein, um am Samstag im Spiel bei der TSG 1899 dem neuen Coach des Tabellen-13. einen erfolgreichen Start zu ermöglichen. "Jeder versteht, was er will. Wenn wir es gut machen, kann es sehr gut funktionieren", meinte Darida.