21. November 2021 / 19:03 Uhr

Corona, Formtief, abgestraft: Das tiefe Tal der Hertha-Stürmer

Corona, Formtief, abgestraft: Das tiefe Tal der Hertha-Stürmer

Ronald Tenbusch
Märkische Allgemeine Zeitung
Fussball, Herren, Saison 2021/2022, 1. Bundesliga 12. Spieltag, 1. FC Union Berlin - Hertha BSC 2:0, Krzysztof Piatek r., Hertha BSC, 20.11. 2021, *** Football, Men, 2021 2022 season, 1 Bundesliga 12 matchday , 1 FC Union Berlin Hertha BSC 2 0 , Krzysztof Piatek r , Hertha BSC , 20 11 2021, Copyright: xMatthiasxKochx
Agierte gegen Union Berlin sehr unglücklich: Hertha-Stürmer Krzysztof Piatek (r.). © imago images/Matthias Koch
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Hertha BSC arbeitet die Derbypleite auf. Vor allem die Offensive war gegen Union erschreckend harmlos. Ein Problem, das sich durch die Saison zieht und auch Trainer Pal Dardai vor Rätsel stellt. Die Vergangenheit zeigt: Geht es so weiter, droht Ungemach.

Am Tag nach der 0:2-Derbyniederlage gegen Union Berlin herrschte bei Hertha-Trainer Pal Dardai Ernüchterung. Und das lag nicht nur am grauen Regenwetter über dem Schenckendorffplatz. Im Duell mit dem Stadtrivalen aus Köpenick hatte sein Team eine mangelhafte Leistung abgeliefert – in den entscheidenden Momenten fehlerhaft in der Defensive und auffallend uninspiriert in der Offensive.

„Wenn du offensiv einen schwachen Tag hast, dann hast du wenig Torschüsse. Und dann ist es schwierig, etwas zu holen. Von der Statistik, gelaufene Meter, Sprints, war das ok. Wir wollten in die Tiefe gehen, aber der letzte Pass, die letzte Konsequenz vor dem gegnerischen Strafraum war nicht da“, so Dardai. Die angesprochene Statistik zählte am Samstagabend acht Torschüsse für sein Team. Doch nur ein ungefährlicher Distanzschuss von Marco Richter und ein unplatzierter Abschluss des eingewechselten Ishak Belfodil gingen überhaupt auf das Tor von Union-Schlussmann Andreas Luthe.

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Bezeichnend, dass Außenverteidiger Peter Pekarik mit einem Flachschuss knapp neben den Pfosten und seinem nicht gegebenen Kopfballtor kurz vor der Halbzeit die beiden gefährlichsten Offensivaktionen der Hertha hatte. „Ich habe alle Stürmer gebracht und trotzdem konnten wir beim Gegner keine Unordnung erzeugen“, so Dardai, der in der Offensive vor allem „Dynamik und Spritzigkeit“ vermisst habe. Beides Eigenschaften, wegen derer Hertha im Sommer Myziane Maolida für vier Millionen Euro aus Nizza verpflichtete. Doch gegen Union saß der 22-jährige Flügelstürmer zum wiederholten Male über 90 Minuten auf der Bank. „Maolida weiß selber, warum er nicht spielt. Aber das ist nicht für die Öffentlichkeit“, sagte Dardai ebenso kryptisch wie vielsagend zu den Gründen.

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Weil Stevan Jovetic vor dem Derby erneut positiv auf Corona getestet wurde, musste Dardai zudem auf seinen, mit zwei Treffern, erfolgreichsten Angreifer dieser Bundesliga-Spielzeit verzichten. Für den Montenegriner rückte Krzysztof Piatek ins Sturmzentrum, der bis zu seiner Auswechslung in der 61. Minute aber weder einen Torschuss, noch eine Torschussvorlage vorzuweisen hatte. Davie Selke, in dieser Saison in der Liga noch torlos, kam erst fünf Minuten vor Schluss und trat nicht mehr in Erscheinung. Marco Richter, wie Jovetic mit zwei Saisontoren und bislang einer der wenigen Lichtblicke im Angriff, gelang gegen Union ebenfalls nichts.

Herthas Sturm-Quote lässt Alarmglocken schrillen

Am auffälligsten war noch Nulltore-Stürmer Belfodil nach seiner Einwechslung. Dass dieser dem Derby aber keinesfalls seinen Stempel aufdrücken konnte, zeigt, wie niedrig die Messlatte im Hertha-Angriff aktuell hängt. „Welcher Offensivspieler war gut bei uns? Wer hat ein oder zwei ausgedribbelt? Belfodil kommt rein und hat ordentliche Aktionen. Aber zum Abschluss hat er uns auch nicht gebracht“, sagte Dardai, der ein wenig ratlos wirkte: „Wir haben letzte Woche sehr viel Offensive geübt, haben sehr viele Abschlüsse gemacht. Trotzdem hat man davon wenig gesehen.“

Wie gefährlich eine derart ungefährliche Offensive werden kann, zeigt ein Blick in die Vergangenheit. Seit der Rückkehr in die Bundesliga 2013 musste Hertha immer dann um den Klassenerhalt fürchten, wenn es nicht mindestens einen Stürmer mit zweistelliger Torausbeute gab. 2014/15 war Julian Schieber bester Torschütze (7 Treffer), 2020/21 waren es Piatek, Matheus Cunha und Jhon Cordoba (je 7 Treffer). Am Ende wurde man 15. und 14. Sollten die Hertha-Angreifer weiter treffen wie bislang, stünden Jovetic und Richter am 34. Spieltag bei je sechs Toren. Man muss kein Rechen-Ass sein, um zu erkennen, dass es so mit dem Klassenverbleib knapp werden könnte.