11. April 2022 / 21:44 Uhr

Mutig, gierig, bodenständig: Das ist Hertha-Eigengewächs Julian Eitschberger

Mutig, gierig, bodenständig: Das ist Hertha-Eigengewächs Julian Eitschberger

Christoph Brandhorst
Märkische Allgemeine Zeitung
Union-Routinier Christopher Trimmel läuft Hertha-Debütant Julian Eitschberger (r.) im Stadtderby davon. 
Union-Routinier Christopher Trimmel läuft Hertha-Debütant Julian Eitschberger (r.) im Stadtderby davon.  © IMAGO/Metodi Popow
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Bundesliga: Der Berliner Debütant aus Borgsdorf in Oberhavel setzt mit seiner Premiere im Stadtderby gegen Union Berlin die Tradition talentierter Linksverteidiger aus Brandenburg fort. 2023 soll er bei der Hertha Profi werden.

Der große Tag von Julian Eitschberger hatte sich in der Vor-Derby-Woche schon angekündigt. Am vergangenen Mittwoch, so berichteten es die Beobachter, stand der 18-jährige Fußballer aus Borgsdorf (Oberhavel) im Hertha-Training bereits in Felix Magaths vermeintlicher A-Elf für das Hauptstadtderby gegen den 1. FC Union Berlin. „Er hat mich beeindruckt“, sagte der Berliner Trainer am Sonnabend bei „Sky“ vor dem Spiel, für das er den Youngster tatsächlich von Anfang an auf der Linksverteidigerposition aufbot. Es war Eitschbergers Bundesliga-Debüt – ausgerechnet im Derby gegen Union, vor 74 667 Zuschauern im ausverkauften Olympiastadion.

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Eine undankbare Premiere für den jungen Mann mit der Rückennummer 42: Eitschberger wirkte oft alleingelassen mit dem fast doppelt so alten Christopher Trimmel (35), war bei Genki Haraguchis Flugkopfball zur Union-Führung hintendran und musste zur Pause Marton Dardai weichen. Die Hertha verlor das prestigeträchtige Duell schließlich 1:4 (0:1).

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Beim SV Grün-Weiß Bergfelde hatte der Borgsdorfer als Steppke mit dem Kicken begonnen und wechselte kurz darauf zu den „Förstern“. Als es aufs Großfeld ging, zog es Julian Eitschberger zum SC Staaken. Und schließlich 2017 in die Nachwuchsakademie von Hertha BSC. Dort spielt das Talent in dieser Saison zumeist in der U19-Bundesliga – als Rechtsverteidiger. Wie der „Kicker“ zuerst berichtete, soll der Derby-Debütant im Sommer zur U23 aufrücken und ab 2023 einen Profivertrag erhalten. Der Club bestätigte diesen Zeitplan auf SPORTBUZZER-Nachfrage: Eitschberger werde im nächsten Jahr zum Profi befördert.

Nur zweimal habe der Oberhaveler vor dem Stadtduell mit der Bundesliga-Mannschaft trainiert, berichtete Magath am „Sky“-Mikrofon. „Er hat diese Mentalität, dass er Spiele gewinnt, dass er Fußball spielen will, dass er mutig ist, dass er gierig ist nach dem Ball. So einen Spieler mit Energie und Vorwärtsdrang brauchen wir.“

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Am Samstagabend wurde dieser Vorwärtsdrang häufig jäh gestoppt. Einer seiner ehemaligen Borgsdorfer Jugendtrainer, Andy Kokor, allerdings kann die Eigenschaften des U18-Nationalspielers, die in kürzester Zeit selbst Trainerfuchs Magath aufgefallen waren, nur bestätigen. „Viel konnte man ihm nicht beibringen. Er wollte immer alles alleine machen, man musste ihn eher bremsen“, erinnert sich der Borgsdorfer, der in direkter Nachbarschaft zu Eitschbergers Elternhaus lebt. Deshalb weiß Andy Kokor auch: „Der Junge ist super bodenständig.“

In den Spuren von Michael Hartmann und Fabian Holland

Der Nachwuchscoach kann sich noch genau daran erinnern, wie der heutige Hertha-Kicker früher schon zwei Stunden vor Trainingsbeginn bei ihm klingelte, um nach dem Schlüssel für das Sportplatzgelände zu fragen. „Und nach dem Training wollte er immer noch weitermachen, dann haben wir eine halbe Stunde nur Torschüsse geübt“, erzählt Kokor.

Erst später wurde Julian Eitschberger bei der Alten Dame zum Abwehrspieler. Talentierte Linksverteidiger aus der Mark haben bei der Hertha ohnehin fast schon Tradition. Zuletzt schaffte der Wandlitzer Luca Netz, ebenfalls 18, den Durchbruch. Er trägt inzwischen das Trikot von Borussia Mönchengladbach. Sogar Borgsdorfer Vorbilder gibt es: Etwa Eitschbergers aktueller U19-Trainer bei Hertha, Michael Hartmann. Auch der heute 47-Jährige war auf der linken Defensivseite zu Hause. Genau wie der in Borgsdorf aufgewachsene Ex-Berliner und heutige Darmstadt-Kapitän Fabian Holland. Dirk Noack, der Nachwuchsleiter beim FSV Forst war, sagt heute aber: „Von allen, die hier rumgerannt sind, war ,Juli’ vielleicht der Herausragendste.“

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