01. Dezember 2019 / 21:04 Uhr

Hertha BSC: Handy-Ärger für Jürgen Klinsmann, Fan-Ärger für die Spieler

Hertha BSC: Handy-Ärger für Jürgen Klinsmann, Fan-Ärger für die Spieler

Stephan Henke
Märkische Allgemeine Zeitung
30.11.2019, Berlin: Fußball: Bundesliga, Hertha BSC - Borussia Dortmund, 13. Spieltag, Olympiastadion Berlin. Berlins Trainer Jürgen Klinsmann reagiert am Spielfeldrand auf eine Spielsituation. Foto: Gregor Fischer/dpa - WICHTIGER HINWEIS: Gemäß den Vorgaben der DFL Deutsche Fußball Liga bzw. des DFB Deutscher Fußball-Bund ist es untersagt, in dem Stadion und/oder vom Spiel angefertigte Fotoaufnahmen in Form von Sequenzbildern und/oder videoähnlichen Fotostrecken zu verwerten bzw. verwerten zu lassen. +++ dpa-Bildfunk +++
Hertha-Trainer Jürgen Klinsmann startet mit einer Niederlage bei seinen neuen Klub. © dpa
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Beim Debüt von Jürgen Klinsmann als Hertha-Trainer verlieren die Berliner mit 1:2 gegen Borussia Dortmund. Neu-Trainer Jürgen Klinsmann sorgt mit seiner Handyhülle für Aufregung, die Fans legen sich mit den Spielern an.

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Auch wenn bei seinem ersten Auftritt als Hertha-Trainer Dutzende Kameras auf ihn gerichtet waren, wollte Jürgen Klinsmann diesen Moment für die private Videosammlung gerne selbst festhalten. Und so zückte der 55-Jährige kurz vor dem Anpfiff sein Smartphone und filmte ins weite Rund des ausverkauften Berliner Olympiastadions, als Frank Zander die Vereinshymne „Nur nach hause“ vor der Ostkurve performte. „Es war eine spontane Aktion. Ich mag es, wenn die Kurve singt: ‚Nur nach Hause geh’n wir nicht’“, erklärte er später. Dass auf seinem Smartphone das Logo des Mitbewerbers von Hertha-Ausrüster Nike prangte, tue ihm leid: „Es ist ein neues Handy“, das er von seiner Frau Debbie bekommen habe.

Hertha rutscht auf Relegationsplatz

Das Spiel selbst dürfte wohl keinen Ehrenplatz in der Videosammlung der Familie Klinsmann bekommen, mit 1:2 (1:2) unterlagen die Berliner der kriselnden Borussia aus Dortmund und rutschten mit weiterhin nur elf Punkten sogar auf den Relegationsplatz ab. „Ich bin generell zufrieden mit der Umsetzung der Punkte, die wir uns vorgenommen haben“, sagte Klinsmann nach der Partie und wies darauf hin, dass man vor dem Spiel gerade einmal drei gemeinsame Trainingseinheiten absolvieren konnte. „Auf uns kommen sehr arbeitsreiche Wochen zu. Wir wollen bis Weihnachten noch so viele Punkte wie möglich holen. Es geht nur ein Schritt nach dem anderen“, erklärte Klinsmann.

Das Debüt von Jürgen Klinsmann bei Hertha BSC in Bildern

Der neue Hertha-Coach Jürgen Klinsmann unterliegt beim Debüt Borussia Dortmund mit 1:2. Zur Galerie
Der neue Hertha-Coach Jürgen Klinsmann unterliegt beim Debüt Borussia Dortmund mit 1:2. © dpa
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Trotzdem waren schon erste Ansätze eines neuen Klinsmann-Stils bei der Hertha zu erkennen. Die Berliner gingen äußerst aggressiv zu Werke, schon nach fünf Minuten sah Marko Grujic die erste Gelbe Karte. Trotz der hohen Intensität gab es gleich einen doppelten Rückschlag nach nicht einmal 20 Minuten. Da überspielte Julian Brandt die Hertha-Abwehr mit einem präzisen Pass auf Jadon Sancho, der zum 1:0 (15.) einschob. Zwei Minuten später vollendete Thorgan Hazard einen schnellen Angriff des BVB zum 2:0.

Anschließend stand Klinsmann, wie die meiste Zeit des Spiels, in seiner Coachingzone, und machte mit seinen Händen ein deutliches Zeichen für „ruhig bleiben“. Immer wieder feuerte er seine Spieler an. Als Dortmund-Leihgabe Marius Wolf fast direkt vor Klinsmann einen Pass abfangen konnte, aber der Ball daraufhin ins Aus prallte, statt ihn zu stoppen, klatschte der neue Hertha-Coach wie wild in seine Hände und motivierte den Mittelfeldspieler, sich nicht hängen zu lassen. Die Szene war ein bisschen symbolisch für das Spiel: Die guten Ansätze waren zu erkennen, aber es gibt noch einiges an den Feinheiten zu feilen für Klinsmann.

"Wir woll'n euch kämpfen seh'n"

Dass die Hertha-Fans nach dem frühen Rückstand „Wir woll’n euch kämpfen seh’n“, skandierten, erschien nicht unbedingt gerechtfertigt. Auch nach der Partie gab es Diskussionen in der Kurve, Spieler wurden beschimpft. Niklas Stark und Davie Selke erklärten unisono, dass sie zu diesen Szenen besser schweigen – offenbar, damit ihnen nicht ein falsches Wort in Richtung der Berliner Anhängerschaft rausrutscht. Die hatte sich mit dem Banner „Covic bleibt Herthaner“ und Covic-Rufen vom entlassenen Klinsmann-Vorgänger verabschiedet. In Richtung Manager Michael Preetz hieß es auf einem Plakat „10 Jahre – 12 Trainer – Ein Verantwortlicher“.

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Als zumindest Mitverantwortlichen für die Niederlage hatten die Fans allerdings Schiedsrichter Sven Jablonski ausgemacht. Immer wieder entschied der Unparteiische in strittigen Szenen gegen die Berliner. Vor allem Davie Selke, der von Klinsmann überraschend in die Startelf beordert wurde und ein sehr engagiertes Spiel machte, forderte immer wieder Freistöße – und das nicht ganz zu Unrecht. Allerdings: Zwei klare Vergehen von Mats Hummels an Selke wurden von Jablonski mit zwei Gelben Karten quittiert, machte in Summe Gelb-Rot (45.).

Hertha BSC in Noten: Die Einzelkritik zum Dortmund-Spiel

<b>Tor:</b> Thomas Kraft (1) Zur Galerie
Tor: Thomas Kraft (1) © Getty Images

Selke war es auch, der nach dem 1:2 von Vladimir Darida (34.) kurz nach der Pause das vermeintliche 2:2 erzielte. Durch den Videoassistenten wurde allerdings eine hauchzarte Abseitsposition festgestellt. „Es ist eine Katastrophe“, ließ der Stürmer seinem Frust freien Lauf, „das bringt uns um unseren verdienten Lohn.“ Stark machte trotzdem eine Verbesserung aus. „Wir haben durch das neue Trainerteam einen positiven Flow bekommen. Brust raus, Kopf hoch und weitermarschieren“, sagte der Nationalspieler. Die Erkenntnis von Klinsmann lautete: „Wir haben viel vor, aber es geht nicht über Nacht.“

Kuriosum am Rande: Beim Auslaufen am Sonntag mischte sich ein Youtube-Star in voller Trainingsmontur unter die Hertha-Spieler. Von Klinsmann blieb dieser zunächst unbemerkt, allerdings stellte kurze Zeit später Fitness-Trainer Henrik Kuchno den jungen Mann zur Rede. Wie die „Bild-Zeitung“ berichtete, handelte es sich dabei um den Youtuber Marvin Undercover, der einen ähnlichen Streich schon bei Hannover 96 spielte.

Kommentar von SPORTBUZZER-Redakteur Stephan Henke: Angespannte Lage

Herthas Fanseele ist derzeit in Wallung. Bei der 1:2-Niederlage gegen Borussia Dortmund riefen die Anhänger der Berliner mehrfach „Wir woll’n euch kämpfen sehen“, nach der Partie nahmen sie sich einige Spieler zur Brust. Wobei das durchaus kritisch gesehen werden kann. Denn ein schlechtes Spiel hatte die Hertha – gerade in Relation zur bisherigen Saison – nicht abgeliefert. Dabei sind die Spieler nicht exklusiv die Angriffsziele der Hertha-Fans. Manager Michael Preetz wird per Plakat zum Vorwurf gemacht, dass er in zehn Jahren zwölf Trainer verpflichten musste. Dabei haben einige Fans bei der Mitgliederversammlung sogar den Rauswurf von Ante Covic gefordert. Und der Einstieg von Investor Lars Windhorst wird nicht überall so positiv gesehen wie in der Geschäftsführung. Schließlich hat Windhorst mit dem Klinsmann-Coup – zunächst als Aufsichtsrat, nun sogar als Trainer – durchaus ein Statement gesetzt, dass er auch sportlich mitreden will. Bei Hertha herrscht derzeit eine durchaus angespannte Lage.

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