27. Februar 2020 / 13:16 Uhr

Windhorst und Spieler schweigen nach Klinsmann-Beben: Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Hertha-Chaos

Windhorst und Spieler schweigen nach Klinsmann-Beben: Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Hertha-Chaos

Stephan Henke
Märkische Allgemeine Zeitung
Hertha-Investor Lars Windhorst will sich zum geleakten Klinsmann-Protokoll nicht äußern. Für die Berliner kommt die Störung zur Unzeit.
Hertha-Investor Lars Windhorst will sich zum geleakten Klinsmann-Protokoll nicht äußern. Für die Berliner kommt die Störung zur Unzeit. © imago images/Nordphoto
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Das geleakte Protokoll von Jürgen Klinsmann hat erneut für große Unruhe bei Hertha BSC gesorgt. Der Verein kommt auch gut zwei Wochen nach dem Blitz-Abschied des Ex-Bundestrainers nicht zur Ruhe. Der SPORTBUZZER beantwortet die wichtigsten Fragen zum Hertha-Chaos.

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Jürgen Klinsmann sorgt auch weiterhin für Schlagzeilen, selbst zwei Wochen nach seinem Blitz-Abschied als Trainer von Hertha BSC bestimmt der Ex-Bundestrainer die Schlagzeilen beim Hauptstadtklub. Am Mittwoch sorgte er durch die zur Sport Bild geleakte Abrechnung mit seinem Ex-Verein erneut für ein Beben bei den Berlinern. Der Ex-Coach griff die Verantwortlichen des Klubs scharf an und fällt auch harte Urteile über die Spieler, ohne mögliche eigene Fehler einzugestehen. Unter anderem heißt es: „Der Klub hat keine Leistungskultur, nur Besitzstandsdenken und es fehlt jegliches Charisma in der Geschäftsleitung.“ Die Rede ist zudem von einer „Lügenkultur“ und „jahrelangen katastrophalen Versäumnissen“ von Geschäftsführer Michael Preetz.

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Wie groß ist der Schaden, den Klinsmann angerichtet hat? Wie geht es sportlich weiter bei der aus der Bahn geworfenen Hertha? Und wie sehr leidet das Image des selbsternannten "Big City Clubs"? Der SPORTBUZZER beantwortet die wichtigsten Fragen:

Nach Klinsmann-Abrechung mit Hertha: Ralf Rangnick soll bei Michael Preetz angerufen haben

Wie angegriffen ist Manager Michael Preetz? Der Manager der Hertha, seit 2009 im Amt, war das Hauptziel der Klinsmann-Abrechnung. "Die Planung der Vorbereitung auf die Rückrunde, für die Michael Preetz verantwortlich ist, ist eine Katastrophe", heißt es im Protokoll und: „Der Klub hat keine Leistungskultur, nur Besitzstandsdenken und es fehlt jegliches Charisma in der Geschäftsleitung.“ Außerdem wird behauptet, dass Ralf Rangnick als möglicher Trainer abgesagt habe, weil er nicht unter Preetz arbeiten wolle. Nach dem Blitz-Abgang von Klinsmann stand Preetz noch einigermaßen gut da,

inzwischen hat der Berater von Ralf Rangnick zudem dementiert, dass der Ex-RB-Leipzig-Trainer wegen Preetz abgesagt hat. Nach Informationen des kicker hat Rangnick sogar selbst bei Preetz angerufen und vehement dementiert. Doch nach so einer Generalbrechnung ist die Position von Preetz definitiv geschwächt, auch wenn er selbst sagt, er halte das aus. Anders als bei vielen anderen Bundesligisten gibt es beispielsweise keinen Sportdirektor oder eine ähnliche Position, Preetz ist der Alleinverantwortliche - für Erfolge und wie aktuell für Misserfolge. Dass sich in knapp elf Jahren gewisse Abläufe einschleichen, die nicht positiv sind, ist bei den Berlinern offensichtlich. Zum 0:5-Debakel gegen den 1. FC Köln, als sich der Manager eigentlich hätte äußern müssen, schwieg Preetz. Von Präsident Werner Gegenbauer wird er immer gestützt, doch auch der Vereinsboss wurde von Klinsmann scharf angegriffen.

Vom Hoffnungsträger zum Unruhestifter: Die Chaos-Chronologie von Klinsmann bei Hertha BSC

Das Engagement von Jürgen Klinsmann als Hertha-Trainer hat nach nur zehn Wochen ein abruptes Ende gefunden - dann kam der chaotische Abschied samt Zwist mit der Vereinsführung. Der <b>SPORT</b>BUZZER zeigt die Chronologie von Klinsmanns Zeit bei Hertha - und des Trubels danach! Zur Galerie
Das Engagement von Jürgen Klinsmann als Hertha-Trainer hat nach nur zehn Wochen ein abruptes Ende gefunden - dann kam der chaotische Abschied samt Zwist mit der Vereinsführung. Der SPORTBUZZER zeigt die Chronologie von Klinsmanns Zeit bei Hertha - und des Trubels danach! ©

Die Schlammschlacht bei Hertha BSC wirkt verheerend

Wie ist das Standing von Klinsmann? Innerhalb von drei Monaten vom Heilsbringer zur Persona non grata - dieses Kunststück hat Klinsmann immerhin fertiggebracht. Hertha sei sein Herzensverein, sagte er. Es ist auch der einzige Verein, in dem er Mitglied ist (Mitgliedsnummer 18, wie seine Rückennummer als Spieler). Schon sein Vater Siegfried war Fan der Berliner, von ihm habe er seine Leidenschaft für den Verein. Doch warum hat er seine Kritik nicht konstruktiv und intern geäußert? "Alle Vorwürfe, darauf möchte ich hinweisen, sind nie direkt geäußert worden", sagt Preetz. Dadurch leidet die Glaubwürdigkeit Klinsmanns fundamental, der mit seinem Auftreten Hertha epochal geschadet hat - und sich selbst gleich mit. In Deutschland dürfte Klinsmann wohl kaum ein Engagement mehr finden, auch international wird es für den einstigen Sympathieträger deutlich schwerer werden.

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Wie sehr leidet das Image von Hertha? Früher galten die Berliner als graue Maus, ein Image, das die Hertha unbedingt loswerden wollte. Aktuell sehnen sich die Berliner aber wohl gerade in diese Zeiten zurück. Die Schlammschlacht, angezettelt von Klinsmann, wirkt verheerend. Potenzielle Spieler und Trainer werden das Klinsmann-Protokoll ganz genau gelesen haben, einige werden sicherlich dadurch abgeschreckt - und die Konkurrenz lacht sich ins Fäustchen.

Nach Klinsmann-Protokoll: Investor Lars Windhorst schweigt

Was sagen die Spieler? Nichts. Denen wurde vom Verein ein Maulkorb verpasst, wie die Bild berichtet. In der aktuellen Situation eine nachvollziehbare Maßnahme. Auch wenn es in einigen brodeln dürfte. Klinsmann hatte über jeden einzelnen geurteilt, teilweise vernichtend. Salomon Kalou sei "zu alt und satt, kein Mehrwert", Ersatzkeeper Thomas Kraft "ständig krank oder verletzt", habe ebenfalls keinen "Mehrwert" mehr.

Was sagt der Investor? Lars Windhorst, an den das Protokoll ursprünglich gerichtet war, will sich zu den schweren Angriffen gegen den Fußball-Bundesligisten Hertha BSC nicht äußern. Man werde den Vorgang nicht öffentlich kommentieren, sagte Windhorsts Sprecher Andreas Fritzenkötter am Donnerstag auf Anfrage. Preetz meinte über mögliche Reaktionen von Lars Windhorst: "Ich finde, er hat sich vor zwei Wochen recht eindeutig dazu geäußert, wie die Zukunft von Klinsmann bei Hertha BSC aussieht. Eine weitere Zusammenarbeit ist ausgeschlossen."

Berät Klinsmann weiter Tennor? Nach einem Bericht des kicker und der Bild ist Windhorst auch diesen Posten beim Investor los - als Folge des geleakten Protokolls. Das dementierte Tennor allerdings umgehend. Vor zwei Wochen hatte Windhorst bereits Klinsmann das Aufsichtsratsmandat in der Hertha BSC Kommanditgesellschaft (KG) entzogen.

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Klinsmann dürfte Hertha-Trainer Alexander Nouri keinen Gefallen getan haben

Wie geht es weiter mit Alexander Nouri? Klinsmann behauptet in seiner Abrechnung, dass im Trainingslager in Florida ein "überaus schlechtes Klima gegenüber dem gesamten Trainerteam" geherrscht habe - also auch gegenüber Co-Trainer Nouri, der nach dem Klinsmann-Abgang zum Chef aufstieg. "Ich habe davon nichts gewusst. Der letzte Kontakt war vor dem Köln-Spiel - ich war genauso überrascht wie alle anderen auch", sagte Nouri über das Protokoll. Der sympathische Nouri gilt aber naturgemäß als Klinsmann-Mann und dürfte keine langfristige Zukunft bei den Berlinern haben, auch wenn Klinsmann in seinem Protokoll vermerkt: "Dringende Empfehlung: Lasst Alex Nouri und das Trainerteam die Saison auf jeden Fall zu Ende bringen. Die Mannschaft weiß, dass er nach wie vor eng mit dem alten Trainerstab kommuniziert" - mit diesem Satz dürfte Klinsmann Nouri keinen Gefallen getan haben.

Wie steht es sportlich? Am Freitagabend (20.30 Uhr) kommt es zum Kellerduell bei Fortuna Düsseldorf. Gewinnt die Fortuna, sind die Berliner nur noch vier Punkte von Relegationsrang 16 entfernt, auf dem die Düsseldorfer aktuell stehen. "Wir hatten eine ähnliche Situation vor dem Paderborn-Spiel. Die gleiche Geschlossenheit, der gleiche Spirit soll nun gegen Düsseldorf gezeigt werden", meinte Nouri mit Blick auf die Situation nach dem Blitz-Abgang Klinsmanns vor der Partie gegen Paderborn.