29. November 2019 / 19:23 Uhr

Journalisten machten sich lustig: So scheiterte Hertha-Trainer Jürgen Klinsmann beim FC Bayern

Journalisten machten sich lustig: So scheiterte Hertha-Trainer Jürgen Klinsmann beim FC Bayern

Patrick Strasser
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Jürgen Klinsmann (hier mit dem ehemalige Bayern-Manager Uli Hoeneß) scheiterte krachend als Trainer des FC Bayern.
Jürgen Klinsmann (hier mit dem ehemalige Bayern-Manager Uli Hoeneß) scheiterte krachend als Trainer des FC Bayern. © imago images/Laci Perenyi
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Jürgen Klinsmann ist neuer Coach von Hertha BSC. Vor dem ersten Pflichtspiel blickt Bayern-Reporter Patrick Strasser, der seit 15 Jahren über den FCB berichtet, für den SPORTBUZZER auf das Wirken von Klinsmann beim deutschen Rekordmeister zurück.

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Klopf-klopf. Auf Holz. Zweimal, energisch. Jürgen Klinsmann strahlt und ruft laut: „Mahlzeit, Männer!“ Kurze Pause. Noch lauter, beinahe euphorisch: „Geht’s euch gut?“ Anfangs blickten die Journalisten Klinsmann verwundert an, später nur noch sich selbst. Dabei verdrehten sie die Augen hinter seinem Rücken. Kein gutes Zeichen. Denn wenn die Reporter sich schon über den Trainer lustig machen, kann man davon ausgehen, dass die Spieler in der Kabine nicht anders handeln.

In Bildern: Jürgen Klinsmanns erster Tag als Trainer von Hertha BSC

Der ehemalige Bundestrainer und Ex-Bayern-Coach Klinsmann übernimmt bis Saisonende das Traineramt beim angeschlagenen Fußball-Bundesligisten Hertha BSC. Zur Galerie
Der ehemalige Bundestrainer und Ex-Bayern-Coach Klinsmann übernimmt bis Saisonende das Traineramt beim angeschlagenen Fußball-Bundesligisten Hertha BSC. © dpa
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Mit der Zeit wurde Klinsmann ruhiger und nachdenklicher

Es war sein Begrüßungsritual. Jedes Mal, wenn Klinsmann den Medienraum an der Säbener Straße zum Pressetalk betrat. Knapp zehn Monate lang. So kurz war Jürgen Klinsmann Bayern-Trainer. Immer freundlich, immer Nähe suggerierend, stets pünktlich. Mit der Zeit wurde er ruhiger, nachdenklicher, zurückhaltender. Am 27. April 2009 wurde der damals 44-Jährige entlassen, als Scherbenaufsammler bis Saisonende kam Jupp Heynckes. Doch was hat Klinsmann hinterlassen in München? Was blieb nach seinem letzten Spiel, dem 0:1 der Bayern gegen Schalke? Am Samstag wagt Klinsmann mit Hertha BSC den Neustart – gegen Borussia Dortmund.

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Im Sommer 2008 folgte er auf Ottmar Hitzfeld. Kein einfaches Erbe. Doch Klinsmann, der Wahl-Kalifornier, kam als Sonnenschein nach München, in seiner Vita steht das Sommermärchen, als wäre es eine Trophäe. Er hatte Deutschland eine selten da gewesene Zeit der Euphorie während der Heim-WM 2006 beschert. Das Fanvolk war so glücklich, dass man gar über den dritten Platz hinwegsah. Er war Messias Klinsi, Jürgen Christ Superstar. Die Bayern-Bosse zogen Klinsmann damals einem gewissen Jürgen Klopp vor und bekamen, was sie wollten: einen Projektleiter, einen Reformer. Er sollte die Mannschaft motivieren (ja, das konnte er!) und modernisieren – es wurde ein Aufbruch in die Vergangenheit.

Klinsmann sortiert Spieler knallhart aus

Als Trainer, das merkten die Spieler recht bald, war Klinsmann, vor allem in der tagtäglichen Arbeit, eher ein Suchender, gegen Ende seines Schaffens schimpfte man: ein Praktikant. Bei der Nationalelf hatte er für den Trainingsaufbau und die Inhalte seinen Jogi, den späteren Erfolgsbundestrainer Joachim Löw.

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Klinsmann kann begeistern, unbestritten. Weil er groß denkt, weil er den kalifornischen Way of Optimismus vorlebt. Weil er lacht. Zweifel? No way! Klinsmann kann mitreißen. „Ich komme ja aus der Angreiferecke“, sagte der ehemalige Mittelstürmer. Aber wer nicht mitzieht, hat nichts zu lachen. Dann ist Schluss mit dem smarten Cleverle. Klinsmann kann Leute knallhart aussortieren. Frag nach bei Sepp Maier, dem ehemaligen DFB-Torwarttrainer. Und Lukas Podolski, bei der WM Klinsis und Everybody’s Darling, saß unter dem Bayern-Coach Klinsmann draußen.

Woche für Woche gärte es mehr in der Mannschaft

Klinsmann will delegieren. In München kam sein Assistenten-Team im Dutzend daher, wie ein BWLer bei Marketing-Vorträgen benutzte er Begriffe wie „Empowerment“ und „Verantwortungsübergabe“. Taktische Vorgaben blieben im Unklaren, Umstellungen im Spiel ohne Wirkung. Woche für Woche gärte es mehr in der Kabine, bis erfahrene Führungsspieler wie Mark van Bommel und Miroslav Klose von ihm abrückten. In der Champions League wie im DFB-Pokal kam das Aus im Viertelfinale, in der Meisterschaft setzte es ein 1:5 beim späteren Meister VfL Wolfsburg (viel schlimmer für die Bosse: trainiert vom früheren Bayern-Coach Felix Magath).

Jürgen Klinsmann – Bilder seiner Nationalmannschaftskarriere

Im Jahr 1987 bestreitet Jürgen Klinsmann (oben links) sein erstes Länderspiel. Das Testspiel gegen Brasilien endet 1:1 unentschieden. Zur Galerie
Im Jahr 1987 bestreitet Jürgen Klinsmann (oben links) sein erstes Länderspiel. Das Testspiel gegen Brasilien endet 1:1 unentschieden. © dpa

„Wir haben den Grundstein gelegt für die Zukunft“, sagte Klinsmann nach der Entlassung. Nicht als Architekt einer Mannschaft, aber als Bauträger. Tatsächlich ist man ihm in München heute noch dankbar, aus dem veralteten, teils miefigen Profitrakt ein modernes Funktionsgebäude gemacht zu haben. Obwohl das Interieur (etwa die Bibliothek für die Spieler) weg ist, schwingt Klinsis Idee noch mit. Und die Buddhas? Hat Fitness-Trainer Marcelo Martins aufgestellt. Klinsmann beklagte sich: „Viele Dinge wurden mir angekreidet, für die ich nichts konnte.“

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