27. Juni 2022 / 09:04 Uhr

Windhorst, Prioritäten, Dialog: Wie Ex-Ultra Kay Bernstein den Job als Hertha-Präsident angeht

Windhorst, Prioritäten, Dialog: Wie Ex-Ultra Kay Bernstein den Job als Hertha-Präsident angeht

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Kay Bernstein wurde am Sonntag zum Präsidenten von Hertha BSC gewählt.
Kay Bernstein wurde am Sonntag zum Präsidenten von Hertha BSC gewählt. © IMAGO/Matthias Koch
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Die Führungsfrage ist geklärt, viele weitere Baustellen aber weiter offen: Nach der Wahl von Kay Bernstein zum Präsidenten von Hertha BSC sucht der Klub sich selbst. Der neue Boss, der früher der Ultra-Szene angehörte, erklärt seine Pläne.

Wann es für ihn als neuen Hertha-Präsidenten so richtig losgeht, weiß Kay Bernstein schon ganz genau. "Offiziell: Mittwoch, 18 Uhr, Präsidiumssitzung", sagte der 41-Jährige nach seiner Wahl. Wie genau es dann beim Hauptstadtklub weitergeht, ist schon deutlich schwieriger zu beantworten. Hertha BSC, der mal als dröge, mal als großkotzig verspottete Bundesliga-Klub, hat nun ein Alleinstellungsmerkmal: einen Präsidenten mit Vergangenheit in der Ultra-Szene, dieser im öffentlichen Diskurs viel zu oft auf Debatten über Pyrotechnik reduzierten Jugendkultur. Einen, der eine eigene Eventfirma gegründet hat, aber im Führen eines Vereins und Großunternehmens keine Erfahrungen vorweisen kann.

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Doch bei allen Risiken ist Bernsteins Wahl eine Chance für die Hertha, für die Außenwirkung, aber auch fürs Innenleben. "Das sieht man ja, dass das Votum eine breite Unterstützung für den Neustart ist", sagte Bernstein. Der 41-Jährige will nicht Präsident der Ultras, sondern aller Anhänger und Mitglieder der Alten Dame sein. Dafür will er vor allem in den Dialog kommen und die Mitglieder wieder mehr einbinden. "Lasst uns auf die Leute zugehen und mit ihnen reden. Darauf wird es ankommen", sagte er. "Natürlich geht es auch darum, den 1300 Mitgliedern, die mich nicht gewählt haben, denen die Hand auszustrecken und zu sagen: Wir nehmen euch ernst, wir nehmen eure Sorgen ernst. Wir nehmen die Ängste ernst, die Vorbehalte."

Ähnliche Sätze hört man von ihm oft. Wer die Entfremdung zwischen Fans und Verein in den vergangenen Monaten, zwischen Klub-Establishment und Mitgliedern am Sonntag beobachtet hat, kann diese Prioritätensetzung kaum anzweifeln. Trotzdem wird Bernstein diese Ideen für den Neustart gemeinsam mit dem Präsidium bald konkretisieren müssen. Ein Zehn-Punkte-Programm, das er in seiner Bewerbungsrede vorstellte, blieb recht vage - auch, weil er dem Präsidium nicht vorgreifen wollte, sagte Bernstein. "Die Hauptaufgabe wird sein, aus dem Präsidium einen eingeschworenen Haufen zu machen, der Hertha vorlebt."

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Auf der Internetseite der Initiative "Wir Herthaner", die Bernsteins Kandidatur unterstützte, stehen einige Ideen, etwa der Verzicht auf Sponsoring von Wettanbietern und eine teilweise Öffnung der Gremiensitzungen. Mit seinem Stellvertreter Fabian Drescher und Tim Kauermann, der als einfaches Mitglied des Gremiums gewählt wurde, hat er zwei Mitstreiter sicher an seiner Seite. Doch wie werden etwa Ingmar Pering und Peer Mock-Stümer, die beide Frank Steffel unterstützten, auf den Neuen reagieren? Auch Geschäftsführer Fredi Bobic wird sich auf einen Chef einstellen müssen, der möglicherweise ganz andere Fragen stellt als sein Vorgänger und sich ganz andere Dinge wünscht.

Die Frage nach Lars Windhorst ist noch spannender. Kann der Ex-Ultra wirklich mit dem Millionen-Investor? "Die Realität sagt: Herr Windhorst ist da. Herr Windhorst hat die Anteile und wir werden versuchen, ihn bestmöglichst einzubinden und mit ihm unsere Ziele zu erreichen", sagte Bernstein, der sich voll und ganz auf Hertha konzentrieren will und sich aus dem operativen Geschäft seiner Firma verabschiedet. Die Mannschaft und den neuen Trainer Sandro Schwarz wolle er kennenlernen, "wenn das gewünscht ist, unbedingt". Eine nicht-sportliche, aber trotzdem schweißtreibende Aufgabe hat er für sie auch schon, wie er in seiner Bewerbungsrede verriet: Die Spieler sollen für die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Hertha grillen, um den Zusammenhalt zu stärken.