15. Februar 2020 / 18:45 Uhr

Hertha BSC überwindet Klinsmann-Krise in Paderborn – Stark: "Es ist nicht normal"

Hertha BSC überwindet Klinsmann-Krise in Paderborn – Stark: "Es ist nicht normal"

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Alexander Nouri (r.) hat mit Hertha BSC den ersten Sieg nach der kurzen Ära von Jürgen Klinsmann eingefahren.
Alexander Nouri (r.) hat mit Hertha BSC den ersten Sieg nach der kurzen Ära von Jürgen Klinsmann eingefahren. © Getty
Anzeige

Hertha BSC hat den plötzlichen Rücktritt von Trainer Jürgen Klinsmann überwunden. Bei Schlusslicht SC Paderborn gab es einen eminent wichtigen Sieg im Abstiegskampf. Klinsmann-Nachfolger Alexander Nouri zeigte sich zufrieden.

Der Schock war groß nach dem plötzlichen Aus von Jürgen Klinsmann bei Hertha BSC. Das Auswärtsspiel beim SC Paderborn sollte das elfte Spiel des 55-Jährigen als Chefcoach der Berliner werden, die der Welt- und Europameister zum "Big City Club" aufbauen wollte. Doch nur zweieinhalb Monate nach seiner Präsentation trat er überraschend zurück, ließ seine Mannschaft vor dem wichtigen Kellerduell und das eigens für ihn zusammengestellte Trainerteam im Stich.

Anzeige

Sein Nachfolger wurde der bisherige Co-Trainer Alexander Nouri - dem bei Schlusslicht Paderborn der (wichtige) erste Sieg gelang, der für Hertha so viel bedeuten kann. Im Tabellenkeller setzte der ambitionierte Hauptstadtklub sich nach dem verdienten 2:1 vorübergehend auf Platz 13. Was wichtiger ist: der Abstand auf die Abstiegsplätze beträgt nun neun Punkte. Bei noch zwölf ausstehenden Spielen waren die drei Punkte so "Big Points" für die Berliner. Entsprechend erleichtert war Nouri, der seine Spieler demonstrativ lobte. "Sie haben den Fight angenommen, wir wussten, dass es hier nicht leicht werden würde", erklärte der Ex-Trainer des SV Werder bei Sky. Er hatte im Vorfeld des Spiels kurz mit Klinsmann telefoniert.

Nach dem Klinsmann-Rücktritt: Die möglichen Trainer-Kandidaten bei Hertha BSC

Bruno Labbadia und Roger Schmidt werden als mögliche Nachfolger von Jürgen Klinsmann bei Hertha BSC gehandelt.  Zur Galerie
Bruno Labbadia und Roger Schmidt werden als mögliche Nachfolger von Jürgen Klinsmann bei Hertha BSC gehandelt.  ©

Preetz begeistert von Hertha-Zusammenhalt: "Enorm wichtiges Zeichen"

Sportcher Michael Preetz hatte vor dem Kellerduell betont, der "Rückschlag" des Klinsmann-Abschieds werde die Berliner und ihren Investor Lars Windhorst "nicht von unserem Weg abbringen". Vielmehr lobte er das Krisenmanagement der Verantwortlichen - und meinte damit auch Windhorst und Klinsmanns Trainerstab um Nouri. "Es war ein enorm wichtiges Zeichen, dass wir die Geschlossenheit nach außen und innen dokumentieren konnten", sagte der Geschäftsführer Sport.

Mehr zum Thema

Die Berliner hatten die erste Halbzeit dominiert, nach dem 1:0 von Boyata in der zehnten Minute aber zu wenig aus ihren Chancen gemacht. Der kurz vor Transferschluss verpflichtete Ex-Leipziger Cunha, zuletzt in der südamerikanischen Olympia-Qualifikation überragend, schoss zwar das 2:0, der Treffer wurde nach einem Handspiel von Krzysztof Piatek aber aberkannt. "Wir hätten das 2:0 früher machen können", sagte Nouri, der stattdessen zusehen musste, wie die Paderborner durch ein Jarstein-Eigentor zum Ausgleich kamen.

Cunha gelingt Traumtor per Hacke - Stark lobt "guten Spirit"

Der gebürtige Buxtehuder hatte seine Mannschaft aber gut eingestellt, vor allem die Doppelspitze um Piatek und Cunha zeigte sich spiel- und abschlussfreudig. Folgerichtig war das Siegtor in der 67. Minute auch eine Kombination der Neuzugänge: Nach einem Schuss von Darida wurde die Parade von Paderborns Torwart Zingerle zur Chance für den Polen, der aber am Keeper scheiterte. Cunha kam mit dem Rücken zum Tor an den erneuten Abpraller - eigentlich eine unmögliche Schussposition, doch der Brasilianer zeigte seine ganze Klasse und traf per Hacke zum 2:1. Es sollte der Schlusspunkt der Partie sein.

Vom Hoffnungsträger zum Unruhestifter: Die Chaos-Chronologie von Klinsmann bei Hertha BSC

Das Engagement von Jürgen Klinsmann als Hertha-Trainer hat nach nur zehn Wochen ein abruptes Ende gefunden - dann kam der chaotische Abschied samt Zwist mit der Vereinsführung. Der <b>SPORT</b>BUZZER zeigt die Chronologie von Klinsmanns Zeit bei Hertha - und des Trubels danach! Zur Galerie
Das Engagement von Jürgen Klinsmann als Hertha-Trainer hat nach nur zehn Wochen ein abruptes Ende gefunden - dann kam der chaotische Abschied samt Zwist mit der Vereinsführung. Der SPORTBUZZER zeigt die Chronologie von Klinsmanns Zeit bei Hertha - und des Trubels danach! ©

Für den ausgewechselten Berliner Niklas Stark war die Geschlossenheit ein wichtiges Zeichen. "Wir haben heute einen guten Spirit bewiesen. Heute war eine gute Stimmung, ob auf dem Platz oder neben dem Platz, und das hat uns einfach geholfen", erklärte der Verteidiger, der auch über den Abschied von Klinsmann sprach: "Natürlich ist es nicht normal, wenn man zur Besprechung geht und dann sagt er auf einmal ‚Dankeschön, das war’s‘." Dennoch habe er Vertrauen in Nouri und den anderen Klinsmann-Co Markus Feldhoff gehabt. Stark: "Wir haben trotzdem ein Trainerteam, ein Staff. Was geschrieben wir und aufgeputscht wird, das hat mit uns nichts zu tun. Wir müssen unseren Job machen." Das gelang gegen die Paderborner hinreichend.