23. Januar 2021 / 12:46 Uhr

Michael Rummenigge: Darum ist die Entwicklung bei Hertha BSC ein einziges Trauerspiel

Michael Rummenigge: Darum ist die Entwicklung bei Hertha BSC ein einziges Trauerspiel

Michael Rummenigge
RedaktionsNetzwerk Deutschland
SPORTBUZZER-Kolumnist Michael Rummenigge beleuchtet die Lage bei Hertha BSC: Präsident Werner Gegenbauer, Investor Lars Windhorst, Trainer Bruno Labbadia und Manager Michael Preetz (v.l.).
SPORTBUZZER-Kolumnist Michael Rummenigge beleuchtet die Lage bei Hertha BSC: Präsident Werner Gegenbauer, Investor Lars Windhorst, Trainer Bruno Labbadia und Manager Michael Preetz (v.l.). © Getty Images/imago/Metodi Popow/Montage
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SPORTBUZZER-Kolumnist Michael Rummenigge analysiert die Gründe für die Krise bei Hertha BSC und erklärt, warum beim Hauptstadtklub kurzfristig nur wenig Hoffnung auf Besserung besteht. 

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Sucht man ein Beispiel für eine Diskrepanz zwischen Wunsch und Wirklichkeit, landet man im Fußball dieser Tage zwangläufig bei Hertha BSC. Da redet man vom "Big City Club" und hat in den vergangenen Monaten eigentlich nur eine Sache zu Stande gebracht, die wirklich groß ist: Probleme. Durch die Millionen von Investor Lars Windhorst haben die Berliner sehr viele Möglichkeiten, doch sie machen nichts daraus. Das ist ein einziges Trauerspiel. Bei der Analyse weiß man fast gar nicht, wo man beginnen soll.

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Fangen wir bei Windhorst selbst an. Ich habe ihn und seine Entourage im September 2019 kennengelernt. Nach dem Treffen hatte ich den Eindruck, dass er über keinerlei Fußball-Wissen verfügt und auch die wirtschaftlichen Zusammenhänge im Profi-Sport nicht wirklich einschätzen kann. Das wäre ja noch zu verschmerzen, wenn diese fehlende Kompetenz durch andere in das Konstrukt involvierte Protagonisten aufgefangen werden würde. Aber auch das sehe ich nicht. Womit wir bei Hertha-Präsident Werner Gegenbauer und Geschäftsführer Michael Preetz wären. Beide sind seit über zehn Jahren in der Verantwortungen und wurschteln ohne einander wehzutun vor sich hin. Fast immer reichte es nur zu Mittelmaß. Auf die besseren finanziellen Möglichkeiten bei anderen Klubs lässt sich diese Stagnation nach den Windhorst-Millionen aber nicht mehr schieben.

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In der Bundesliga-Tabelle liegt die Hertha derzeit auf Platz 14, punktgleich mit Arminia Bielefeld. Zum Vergleich: Die Berliner gaben für Transfers seit Sommer 2019 insgesamt rund 150 Millionen Euro aus. Der Aufsteiger im gleichen Zeitraum 1,5 Millionen. Oder anders: Hertha investierte 100-mal mehr. Da müsste eigentlich jedem auffallen, dass etwas falsch läuft. Bielefeld verfügt über Zusammenhalt, Teamwork und Kompetenz. Hertha über Geld. Und wenn man dieses nicht richtig einsetzt, ist es am Ende weniger wert als die oft beschworenen Grundtugenden. Natürlich stehen im Aufgebot der Berliner sehr gute Spieler. Aber es ist eine zusammengekaufte Ansammlung von Egoisten, die keine Einheit bilden.

Verantwortlich dafür, dies zu ändern, ist Trainer Bruno Labbadia. Ich habe nicht den Eindruck, dass ihm dies noch gelingen wird. Es fehlt bei Personalentscheidungen eine klare Linie. Man denke nur an seine deutliche und sogar öffentliche Kritik an Matheus Cunha. Eine Woche später stand der Stürmer wieder in der Startelf. Auch eine Spielphilosophie ist für mich bei der Hertha nicht zu erkennen. Kurzum: Am Ende der Saison kann man froh sein, wenn es drei andere Klubs gab, die noch schlechter waren. Eines ist sicher: Union Berlin, der gar nicht mehr seine kleine Rivale aus der eigenen Stadt, wird nicht zu diesem Trio gehören. Sportlich taugen die Köpenicker eindeutig mehr zum "Big City Club" als die Hertha. Das Schöne: Bei Union würde man das so nie formulieren.