08. März 2020 / 12:05 Uhr

Hertha BSC muss sich entschlüsseln: Leistung gegen Werder Bremen wieder erst nach Rückstand

Hertha BSC muss sich entschlüsseln: Leistung gegen Werder Bremen wieder erst nach Rückstand

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Trainer Alexander Nouri (l) von Hertha BSC klatscht neben Trainer Florian Kohfeldt von Werder Bremen in die Hände.
Trainer Alexander Nouri (l) von Hertha BSC klatscht neben Trainer Florian Kohfeldt von Werder Bremen in die Hände. © Soeren Stache/dpa
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Wie kann das sein? Zwei Spiele, zwei mal dasselbe Muster. Hertha BSC spielt schlecht, liegt zurück. Hertha BSC spielt dann besser, holt auf und einen Punkt. Warum, das verstehen Spieler und Trainer auch nicht.

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Sie können es sich nicht erklären. 0:3 in Düsseldorf zurück gelegen, 3:3 am Ende. 0:2 gegen den SV Werder Bremen nach ein paar Minuten, 2:2 am Ende. "Wir beißen uns selbst in den Arsch, dass es so ist", kommentierte Nationalspieler Niklas Stark die extremen Leistungsschwankungen von Hertha BSC binnen 90 Minuten. "Ich habe schon scherzhaft damit geliebäugelt, dass wir erst mit einem 0:2 anfangen", meinte Trainer Alexander Nouri, den die zweite Aufholjagd nacheinander aber auch ein wenig ruhiger arbeiten lassen dürfte.

Eine weitere Niederlage wie das 0:5 im Heimspiel gegen den 1. FC Köln vor rund zwei Wochen, wonach es nach dem 0:2-Rückstand nach nur sechs Minuten im Olympiastadion ausgesehen hatte, hätte der Stimmung beim Berliner Fußball-Bundesligisten nachdrücklich geschadet. So aber, auch wenn das "weinende Auge" von Beteiligten gern zitiert wurde, überwog die Freude über die Moral, die die Mannschaft gezeigt hatte. Der Vorsprung auf den Tabellenvorletzten Bremen blieb bei zehn Punkten.

Die Fans, die gegen Köln noch gepfiffen hatten und sichtbar aufgebracht ob der desaströsen Vorstellung gewesen waren, zeigten sich auch versöhnlicher. Die Spieler, die nach dem Köln-Spiel den Gang in die Kurve gemieden hatten, ließen sich wie Schuljungs dann auch brav von ihren Anhängern schon mal ein paar beschwörende Worte fürs nächste Spiel im Olympiastadion mit auf den Weg geben: Dann kommt Stadtrivale und Hinspielsieger 1. FC Union. "Da haben wir noch etwas gut zu machen", sagte Marvin Plattenhardt.

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Dass die Gäste danach nicht mehr mit der Klarheit und der Konsequenz der Anfangsphase ihr Spiel durchzogen, ließ Hertha zurück ins Spiel finden. "Wir bringen den Gegner, der gefühlt fast schon tot war, durch eigenes Verschulden wieder ins Spiel", sagte Bremens Kevin Vogt. Berlins Maximilian Mittelstädt wertete das, was dann von der Hertha kam, "als gutes Spiel" der Gastgeber, die kurzzeitig sich dem "Big Point" nahe wähnten, als Referee Guido Winkmann gegen Ende auf Handelfmeter entschied - und sich nach dem Blick auf die TV-Bilder korrigierte.

Das gerettete Remis gegen Bremen darf aber auch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Berliner gegen eine Mannschaft spielten, die zuvor fünf Niederlage kassiert und in diesem Jahr selbst noch kein einziges Tor erzielt hatte. Hertha ließ zwei in den ersten sechs Minuten zu. Diagnose: Individuelle Defizite, Missverständnisse und fehlende Aggressivität. Ein "Schlag ins Gesicht" sei der 0:2-Rückstand gewesen, meinte Plattenhardt, nachdem Joshua Sargent (3.) und Davy Klaassen (6.) für die Bremer getroffen hatten.

Winterneuzugang Matheus Cunha mit überragender Leistung

Er weckte die zunächst leblose Berliner Mannschaft auf, er riss eine anfangs ideenlose Mannschaft auf dem Platz mit, nachdem Keeper Thomas Kraft in der vergangenen Woche mit einer Pausenansprache in der Kabine für den entscheidenden Impuls gesorgt hatte. Ob ähnliches im nächsten Spiel auswärts gegen 1899 Hoffenheim und dann daheim gegen Union wieder nötig sein wird - die Berliner hoffen es nicht.

Es war auch nicht so, dass Hertha die Bremer permanent unter Druck und völlig unter Kontrolle gehabt hätte, die Gäste hatten auch noch Chancen. Nutzten sie aber nicht. Anders als die Berliner, denen durch Stark (41.) noch vor der Pause der Anschlusstreffer gelungen war. In der 60. Minute glich Matheus Cunha aus. Ihm hatte es die Hertha vor allem zu verdanken, dass nicht Köln, Teil 2 eintrat. Der Winter-Neuzugang, der unter Jürgen Klinsmann während dessen 77-Tage-Intermezzo von RB Leipzig in die Hauptstadt gewechselt war, bot eine überragende Leistung.