01. März 2019 / 18:03 Uhr

Herthas Niklas Stark: "Nicht immer gegen den pfeifen, der nicht umfällt"

Herthas Niklas Stark: "Nicht immer gegen den pfeifen, der nicht umfällt"

Stephan Henke
Märkische Allgemeine Zeitung
Hertha-Verteidiger Niklas Stark stand dem <b>SPORT</b>BUZZER Rede und Antwort.
Hertha-Verteidiger Niklas Stark stand dem SPORTBUZZER Rede und Antwort. © imago/VI Images
Anzeige

Bundesliga: Niklas Stark sprach mit dem SPORTBUZZER unter anderem über die Wechsel-Gerüchte zum FC Bayern, den kommenden Gegner Mainz 05, seine Rolle in der Nationalelf und seinen außergewöhnlichen Musikgeschmack. 

Anzeige

Im Interview vor dem Spiel am Sonnabend (15.30 Uhr/Olympiastadion) gegen den FSV Mainz 05 spricht Niklas Stark über die Selbstinszenierung in den sozialen Medien, Weißwurstessen mit Salomon Kalou und die Rote Karte für Karim Rekik beim Bayern-Spiel.

Anzeige

Erinnern Sie sich noch an Ihren letzten Instagram-Post?

Niklas Stark: (überlegt kurz) Ja. Warum?

Das war ein Post über das Bayern-Spiel. Es fällt auf, dass Sie nur sportliche Dinge veröffentlichen und sich eigentlich nie privat inszenieren. Warum sind Sie da zurückhaltender?

Das ist nicht so meins. Ich bin auf dem Dorf groß geworden, kannte das nicht. Das Private soll auch privat bleiben, das ist mein Heiligtum. Es muss nicht in die Welt rausgetragen werden, was ich zu Abend esse. Aber ich schaue gerne bei Instagram, was andere so treiben. Das reicht mir (lacht).

Müssen Sie sich dafür auch mal Sprüche anhören?

Ich bekomme eher die komischen Sprüche ab, wenn ich dann mal etwas poste. Da bekomme ich dann Bilder zugeschickt, wie sie mein Bild bearbeitet haben. Vielleicht poste ich auch deswegen so wenig (lacht).

Diese Profis spielten schon für Bayern München und Hertha BSC.

Wir haben einen Blick auf die Spieler geworfen, die schon für den FC Bayern München und Hertha BSC gespielt haben. Zur Galerie
Wir haben einen Blick auf die Spieler geworfen, die schon für den FC Bayern München und Hertha BSC gespielt haben. ©

Karim Rekik wurde gegen Bayern vom Platz gestellt, danach hat er ein Bild von sich und dem am Boden liegenden Bayern-Stürmer Robert Lewandowski geteilt. Wie haben Sie die viel diskutierte Szene gesehen?

Auf dem Platz habe ich wenig mitbekommen, danach habe ich es mir schon noch einmal angeschaut. Natürlich bin ich pro Karim, es hätte meiner Meinung nach Gelb gereicht. Es ist zum Glück nur ein Spiel Sperre.

Dass es nur ein Spiel Sperre für eine Tätlichkeit gab, spricht eigentlich dafür, dass nicht so viel war.

Ja, das ist schon so ein Zeichen, dass es nicht eindeutig war. Wenn der DFB eine klare Tätlichkeit gesehen hätte, wären es auch mehrere Spiele Sperre gewesen.

Hätten Sie gedacht, dass durch die Einführung des Videobeweises die Theatralik auf dem Platz abnimmt?

Das habe ich schon gedacht, aber das scheint nicht zu funktionieren. Ich fand es auch ganz gut, dass Karim einfach stehen geblieben und nicht zwei Meter zurückgeflogen ist. Wenn beide umgefallen wären, hätte es vermutlich gar nix gegeben. Vielleicht müssen die Schiedsrichter das auch mal neutral sehen, man kann nicht immer nur gegen den pfeifen, der nicht umfällt. Aber es hilft nix, wir müssen das akzeptieren.

Haben Sie am Sonnabend gegen Ihren künftigen Club gespielt?

Anzeige

Ich war auch überrascht, dass ich nach dem Spiel dazu befragt wurde, ich hatte vorher von dem Gerücht noch nichts gehört. Deshalb kann ich dazu auch nichts sagen.

München wäre auf jeden Fall näher an der fränkischen Heimat, zu der Sie sehr verbunden sind.

Meine Familie wohnt in der Nähe von Nürnberg, ich habe auch viele Freunde in München, das stimmt. Aber Gerüchte und ein tatsächlicher Wechsel, das ist schon ein sehr großer Unterschied.

Gerade bekommen Sie bei Hertha auch die Spielpraxis, die man als junger Spieler auch braucht.

Jeder junge Spieler muss spielen, sonst wird einen das irgendwann einholen. Man muss die Erfahrung sammeln, damit man mit 25, 26 oder 27 Jahren schon ein erfahrener Spieler bist. Natürlich sollte man immer so hoch wie möglich spielen, aber in meinem Alter ist Erfahrung sammeln enorm wichtig. Wichtiger, als zu früh zu einem großen Verein zu gehen und dann nicht zu spielen.

Mehr anzeigen

Sie können den ewigen Hin- und Rückrundenvergleich vermutlich nicht mehr hören. Aber Fakt ist, dass Hertha nach sechs Spielen in der Hinrunde fünf Punkte mehr hatte. Sind die Spiele gegen Mainz und danach Freiburg die wichtigsten Spiele, um in Schlagdistanz zu bleiben?

Wenn man eine gute Saison spielen will, muss man die „Alltagsspiele“ auch immer sehr gut spielen. Da müssen wir die Punkte sammeln, über diese Spiele werden die Saisonziele erreicht. Dann gibt es natürlich die besonderen Spiele wie gegen Dortmund oder Bayern, da gibt man vielleicht gefühlt ein paar Prozent mehr, da ist auch die Stimmung im Stadion anders. Das sind dann die Pluspunkte, die man sammeln kann.

Wie unangenehm ist der kommende Gegner Mainz?

Schalke hat das zu spüren bekommen, dass Mainz ein sehr starker Gegner ist. Aber wenn wir das auf den Platz bringen, wie wir zuletzt gespielt haben, gerade zu Hause, dann schaffen wir das auch.

Eventuell muss Pal Dardai wegen der fehlenden Innenverteidiger wieder von Fünfer- auf Viererkette umstellen. Haben Sie ein System, das Ihnen besser gefällt?

Es ist immer ein bisschen vom Gegner abhängig. Mit der Fünferkette kannst du das Mittelfeldpressing nicht so gut aufbauen, das machen wir dann eher in der Viererkette. Dafür kann man mit der Fünferkette mehr rausschieben und höher anlaufen, das ist aber für uns hinten in der letzten Reihe noch einmal mehr Laufarbeit.

Sie haben auch vergangene Saison noch im defensiven Mittelfeld gespielt, seit gut einem Jahr aber nur noch in der Innenverteidigung. Haben Sie sich da festgespielt?

Wenn ich eins weiter vorne gebraucht werde, spiele ich da auch, egal ob es die Lieblingsposition ist oder nicht, das ist zweitrangig.

In Bildern: 64 ehemalige Spieler der Hertha BSC-Akademie – und was aus ihnen wurde.

Jerome Boateng (v.l.), Alexander Madlung und Sejad Salihovic sind nur drei prominente Beispiele für ehemalige Akademie-Spieler von Hertha BSC. Klickt euch durch unsere Galerie und erfahrt, welche Spieler den Sprung von den Hertha-Bubis in den Profifußball geschafft haben! Zur Galerie
Jerome Boateng (v.l.), Alexander Madlung und Sejad Salihovic sind nur drei prominente Beispiele für ehemalige Akademie-Spieler von Hertha BSC. Klickt euch durch unsere Galerie und erfahrt, welche Spieler den Sprung von den Hertha-Bubis in den Profifußball geschafft haben! ©

Also ist die Innenverteidigung die Lieblingsposition?

Ja, auf jeden Fall.

In der Nationalmannschaft läuft gerade das Casting, wer künftig Mats Hummels und Jerome Boateng in der Innenverteidigung beerben kann. Wie beobachten Sie das?

Ich verschwende keine Gedanken daran, was irgendwann mal sein kann. Wir leben im Hier und Jetzt, da denke ich nicht an ein DFB-Casting.

Also vergleichen Sie sich nicht mit Antonio Rüdiger oder Jonathan Tah?

Man steht ihnen gegenüber nur gut da, wenn man sich voll auf seine Arbeit fokussiert und die liegt bei Hertha.

Mehr von Hertha BSC

Würden Sie sich selbst als Herthas Abwehrchef bezeichnen?

Das macht irgendwie jeder, ich habe das nicht gesagt. Wichtig ist, dass wir hinten als Team funktionieren.

Pal Dardai hat vor der Saison gesagt, er erwartet mehr Verantwortung.

Wir machen das alle. Jeder hat einen wichtigen Part, auch ich da hinten drin.

Es zieht sich wie ein roter Faden durch die Saison, dass Hertha die Abwehr aufgrund von Ausfällen immer wieder umstellen muss...

...nicht nur die Abwehr. Wir haben zur Zeit zum Beispiel kaum Flügelspieler. Wir haben schon ein paar Wechsel drin, das ist im Saisonverlauf auch normal, dass man Verletzte hat. Aber es ist schon ein bisschen viel diese Saison. Und natürlich braucht man auch ein paar Spiele in nahezu derselben Formation, um in diesen Flow reinzukommen.

Sie kamen aus Nürnberg zur Hertha. Wie verfolgen Sie die Situation?

Was mein Opa über den Club sagt, das sage ich jetzt lieber nicht. Es ist nicht einfach als Club-Fan, zurzeit auf die Tabelle zu schauen. Mit dem Trainer- und Managerwechsel geht es ja auch ein bisschen drunter und drüber. Ich schaue da schon hin, aber ich bin jetzt schon länger Spieler von Hertha.

War die Partie in Nürnberg das vielleicht komischste Spiel für Sie?

Ich habe mit Peka (Peter Pekarik, d.Red.) vorher darüber gesprochen, der sagte, es ist immer komisch, wenn man zurückkommt. Dann wurde es noch komischer, als ich gedacht habe. Aber ich bin trotzdem froh, dass wir die drei Punkte geholt haben.

In Bildern: Die Torhüter von Hertha BSC seit 2000.

Klickt euch durch die Torhüter von Hertha BSC seit 2000. Zur Galerie
Klickt euch durch die Torhüter von Hertha BSC seit 2000. © dpa

Stimmt es, dass Sie Schlager hören?

Ab und zu geht das schon.

Haben Sie Favoriten?

Andreas Gabalier ist eine große Nummer, mein Dad hört gerne Helene Fischer. Da gibt es schon ein paar Nummern, die ich auch gerne höre, wenn die Sonne scheint.

Waren Sie schon auf Konzerten?

Leider nicht, das würde ich schon mal gerne. Meine beste Freundin war kürzlich bei Andreas Gabalier und hat mir Videos geschickt.

Haben Sie Salomon Kalou, der in der Kabine die Musik macht, mal Andreas Gabalier vorgeschlagen?

Nein. Aber als wir vergangenes Jahr nach Mallorca geflogen sind, hatten wir alle zusammen ein Weißwurstfrühstück, das war auch lustig.

Hat er die Weißwurst gezuzelt?

Oh Gott, nein, das mach ja ich nicht einmal.

Aber es hat ihm geschmeckt?

Ja – hat er zumindest gesagt (lacht).