13. Oktober 2021 / 18:39 Uhr

Hertha-Präsident Gegenbauer: "Wir brauchen keine Schnellschüsse"

Hertha-Präsident Gegenbauer: "Wir brauchen keine Schnellschüsse"

Ronald Tenbusch
Märkische Allgemeine Zeitung
PrŠsident Werner Gegenbauer von Hertha BSC wŠhrend der Pressekonferenz am 13.10.2021 in Berlin, Deutschland. (Foto von Jan-Philipp Burmann/Hertha BSC/Pool)

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Hertha-Präsident Werner Gegenbauer will abwarten, ehe er eine Nachfolge-Entscheidung trifft. © Hertha BSC/Pool
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CEO Carsten Schmidt verlässt Hertha BSC aus privaten Gründen. Er war der Macher hinter der internen Neuausrichtung des Klubs. Wer seine wichtige Position übernimmt, ist offen. Präsident Werner Gegenbauer will jedenfalls nichts überstürzen.

Es schien, als wolle der scheidende Geschäftsführer gleich mit seinen ersten Worten eine Lanze brechen. „Ich bereue keinen Tag bei Hertha BSC“, sagte Carsten Schmidt auf einer wegen seines plötzlichen Ausscheidens als Chef des Fußball-Bundesligisten anberaumten Pressekonferenz. Seine Stimme klang gewohnt stark, seine Formulierungen waren wie immer geschliffen. Nur sein Blick wirkte trauriger und leerer als in den elf Monaten seit seiner Ankunft in Berlin.

Wieso war klar. Schon am Dienstag hatten Hertha BSC und Schmidt die Vertragsauflösung aus „ausschließlich unauflösbaren privaten Gründen aufgrund von Krankheit im direkten familiären Umfeld“ bekanntgegeben. Für den 58-Jährigen sei es aus privater Sicht „eines der schwierigsten Jahre“ seines Lebens gewesen.

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Am 1. Dezember 2020 hatte der ehemalige Sky-Chef seinen neu geschaffenen Job als CEO bei Hertha angetreten. Sein erklärtes Ziel war es, den stets hochambitionierten, aber selten erfolgreichen Hauptstadtclub strukturell für die Zukunft aufzustellen und so dabei zu helfen, die Marke national wie international endlich im oberen Drittel zu positionieren. Zumindest Schmidt muss dieses Vorhaben nun verfrüht beenden.

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„Wir haben nach Lösungen gesucht, um die Zusammenarbeit fortzusetzen. Haben sie aber leider nicht gefunden“, sagte Hertha-Präsident Werner Gegenbauer, der nach eigenen Angaben selbst erst 24 Stunden zuvor von Schmidts Schritt erfuhr. Eine solche Lösung konnte es laut Schmidt nicht geben: „Hertha BSC hat einen CEO mit 100 Prozent verdient. Das kann ich nicht mehr bedienen.“

Schmidt ärgert Bezeichnung als "Chaos-Club"

Was bleibt, ist der Weg, den die Berliner gemeinsam mit Schmidt eingeschlagen haben. Neue Strukturen wurden auf Basis von Mitarbeiterbefragungen und Analysen geschaffen. Mit Fredi Bobic wurde im Sommer ein neuer Geschäftsführer Sport installiert. Eine Ebene darunter wurde mit Daniel Milleg ein Experte für Strategie, Marketing und Vertrieb in die Geschäftsleitung geholt. Gemeinsam mit Bobic und Ingo Schiller (Geschäftsführer Finanzen) soll Milleg zunächst die Aufgaben Schmidts übernehmen.

„Hertha BSC ist personell sehr gut aufgestellt. Ich mache mir keine Sorgen, dass der Klub in ein Vakuum schlittert“, sagte Schmidt. Auch deshalb habe es ihm wahnsinnig geärgert, wenn die Berliner in der Öffentlichkeit als „Chaos-Klub“ bezeichnet wurden. „Das ist in meiner Zeit auf keinen Fall so gewesen. Und das hat mich ein Stück weit auch angetrieben“, so der Manager.


 Fussball, Herren, 1. Bundesliga, Saison 2020/21, Ordentliche Mitgliederversammlung in der Ostkurve des Olympiastadions, Vorstands-Chef Carsten Schmidt Hertha BSC, 25.10. 2020, *** Football, Men, 1 Bundesliga, Season 2020 21, Annual General Meeting in the eastern curve of the Olympic Stadium, Chief Executive Carsten Schmidt Hertha BSC , 25 10 2020, Copyright: xMatthiasxKochx
Carsten Schmidt will der Hertha verbunden bleiben. Sein Amt als CEO legte er nun aber nieder. © imago images/Matthias Koch

Nichtsdestotrotz sind die Aufgaben, vor denen die Hertha nun ohne Schmidt steht, gewaltig. Neben den sportlichen Herausforderungen, die nach einem schwachen Saisonstart groß sind, aber ohnehin nur bedingt in Schmidts Kerngebiet fielen, geht es vor allem um die Führung und Moderation des Berliner Aufbruchs. Immer wieder wurde in den vergangenen Wochen und Monaten deutlich, dass es zwischen dem Verein um Präsident Gegenbauer und Investor Lars Windhorst einen geschickten Vermittler benötigt. Schmidt nahm diese Rolle immer wieder an.

Zumindest kündigte Gegenbauer an, dass man sich zu der Frage nach einem Nachfolger auch mit Windhorst besprechen werde. Unklar sei aber noch, ob die Position überhaupt nachbesetzt werde. „Wir brauchen keine Schnellschüsse“, so der Präsident. Schmidt jedenfalls wird sich in die Suche eines Nachfolgers nicht mehr einbringen, sondern seinen Fokus auf das Private legen. Er werde aber stets ans Telefon gehen, wenn jemand von Hertha anrufe.