20. Februar 2022 / 18:32 Uhr

Hertha BSC gegen RB Leipzig: Duell der Gegensätze

Hertha BSC gegen RB Leipzig: Duell der Gegensätze

Ronald Tenbusch
Märkische Allgemeine Zeitung
Nach dem Einstieg der Investoren Lars Windhorst (links) bei Hertha BSC und Dietrich Mateschitz bei RB Leipzig (rechts) läuft es sportlich bei den Klubs ganz unterschiedlich.
Leipzigs Kevin Kampl (weiss) im Duell mit Herthas Vladimir Darida. © Getty Images/dpa/IMAGO/Eibner Europa (Montage)
Anzeige

Hertha BSC empfängt am Sonntag RB Leipzig. Die Vorzeichen bei beiden Klubs könnten unterschiedlicher kaum stehen. Das gilt aber nicht nur im sportlichen Bereich. Auch beim Thema Investor zeigen die Sachsen den Berlinern, wie es gehen kann.

Es war die Wucht von Sturmtief "Ylenia“, die das bezeichnende Sinnbild für die Schieflage bei Bundesligist Hertha BSC besorgte. Am Donnerstag mussten die Olympischen Ringe am Eingang des Olympiastadions abgenommen werden, weil durch den Orkan zuvor ein Stahlseil der Halterung gerissen war. Es sind turbulente Tage bei den Blau-Weißen, die nur noch einen Punkt vor dem Relegationsplatz stehen und am Sonntag (19.30 Uhr/DAZN) die wieder erstarkten Kicker von RB Leipzig empfangen.

Anzeige

Man darf gut und gerne von einem Duell der Gegensätze sprechen. In der aktuellen Formtabelle der Bundesliga sind die Sachsen hinter Bayer Leverkusen das zweitbeste Team. Hertha hingegen ist in dieser Rangliste der letzten fünf Spiele auf dem vorletzten Platz – nur Stuttgart noch dahinter. "An Arbeit mangelt es mir nicht“, sagte Herthas Trainer Tayfun Korkut am Freitag mit Blick auf die aktuelle Situation. Ende November übernahm der 47-Jährige das Traineramt bei den Berlinern. Einem anfänglichen Aufschwung folgten zuletzt jedoch viele Pleiten. Seit nunmehr zwei Monaten wartet Hertha auf einen Pflichtspielsieg, die Mannschaft wirkt unter Korkut wieder so überfordert wie zum Beginn der Saison. Welchen Effekt ein Trainerwechsel auch haben kann, wird beim Blick nach Leipzig klar.

Mehr zu Hertha BSC

Domenico Tedesco übernahm eine Woche später als Korkut seinen neuen Job und sorgte für eine echte Trendwende. Tedesco gab der hochveranlagten RB-Truppe wieder ein taktisches Gerüst an die Hand, welches unter Vorgänger Jesse Marsch verloren gegangen war. Das Ergebnis: Der Deutsch-Italiener, der zuvor auch immer wieder mit Hertha BSC in Verbindung gebracht worden war, führte Leipzig vorerst vom elften auf den vierten Tabellenplatz der Bundesliga.

Aber nicht nur sportlich kann sich die Hertha inzwischen einiges vom 150 Kilometer entfernten Ligarivalen abschauen. Auch wenn es darum geht, wie man das Geld eines Investors richtig einsetzt, könnten sich die Berliner Nachhilfestunden am Leipziger Cottaweg holen. Dort wurde mit den Brause-Millionen von Getränkehersteller Red Bull binnen zehn Jahren aus einem Oberligisten ein nationaler Top-Klub gebaut, der in vier der vergangenen fünf Spielzeiten in der Champions League starten konnte.

Anzeige

Sportlich blieb die Finanzspritze bei Hertha wirkungslos

Ein Ziel, das auch Hertha anvisierte als man 2019 die Zusammenarbeit mit Geldgeber Lars Windhorst bekanntgab. Die 375 Millionen Euro, die seither an die "Alte Dame“ flossen, dienten vielleicht dem Schuldenabbau, sportlich blieb die Finanzspritze aber wirkungslos. Zudem sorgt das Engagement von Windhorst immer wieder für Ärger. Sei es, weil er die Hertha zum "Big City Club“ tauft, er für insolvent erklärt wird oder weil er sein Engagement beim Hauptstadtklub öffentlich anzweifelt.

"Bislang hat mir das Investment bei Hertha abgesehen von positiven Erfahrungen mit vielen Mitgliedern nur Nachteile gebracht“, sagte Windhorst unter der Woche. Auch hier unterscheidet sich die Situation bei den Berlinern stark von der in Leipzig, wo sich Investor Dietrich Mateschitz in der Öffentlichkeit fast gar nicht über seinen Leipziger Ableger äußert. "Wir müssen uns auf das konzentrieren, was wir beeinflussen können“, sagte Korkut auf den Zoff mit Windhorst angesprochen. Einen Sturm hat er damit vielleicht abgefangen. Das aktuelle Wetter lehrt jedoch: Auf einen Orkan folgt schnell der nächste.

[Anzeige] Kein Bundesliga-Spiel verpassen: Checke hier die aktuellen Streaming-Angebote von WOW/Sky und DAZN.