27. Juli 2022 / 12:18 Uhr

Mit Sandro Schwarz und Kay Bernstein: Wie Hertha BSC den erneuten Abstiegskampf vermeiden will

Mit Sandro Schwarz und Kay Bernstein: Wie Hertha BSC den erneuten Abstiegskampf vermeiden will

Ronald Tenbusch
Märkische Allgemeine Zeitung
Mit Sandro Schwarz und Kay Bernstein beginnt bei der Hertha ein neues Kapitel.
Mit Sandro Schwarz und Kay Bernstein beginnt bei der Hertha ein neues Kapitel. © IMAGO/Nordphoto/Matthias Koch (Montage)
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Mit Sandro Schwarz als Trainer und Kay Bernstein als Präsident hat Hertha BSC zwei wichtige Personalfragen in der Sommerpause geklärt. Bei der Kaderplanung herrscht allerdings noch viel Stillstand. Dennoch soll der erneute Abstiegskampf vermieden werden.

Für keinen anderen Bundesligisten war die Sommerpause so kurz wie für Hertha BSC. Gerade einmal vier Wochen lagen zwischen der Last-minute-Rettung in der Relegation beim Hamburger SV und dem Trainingsauftakt. Wenig Zeit für alle Beteiligten, sich von der turbulenten Saison zu erholen. Noch dazu, weil die Pause genutzt werden musste, um zwei sehr wichtige Posten im Klub neu zu besetzen – die des Trainers und des Präsidenten.

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Die Wahl fiel auf zwei junge Gesichter. Ex-Ultra Kay Bernstein (41) setzte sich in einer Kampfabstimmung gegen den CDU-Politiker Frank Steffel durch und ist etwas überraschend neuer Klubboss. Für die Trainerbank wurde der 43-jährige Ex-Mainzer Sandro Schwarz gewonnen, der zuletzt Dynamo Moskau zu sportlichen Höhen getrieben hatte. Es keimte fast so etwas wie Euphorie im Umfeld der "Alten Dame" auf – doch die hielt nur bis zum Trainingslager.

Im St. George’s Park in Burton-upon-Trent, wo sonst die englische Nationalmannschaft ihre Vorbereitungen abhält, schlug die Hertha ihre Zelte auf und kassierte gleich drei herbe Testspielpleiten. Gegen Derby County (3. Liga, 0:1), Nottingham Forest (1. Liga, 1:3) und West Bromwich Albion (2. Liga, 1:2) – nicht gerade das Who is who im Mutterland des Fußballs – zog sie den Kürzeren. Nur in Ansätzen war erkennbar, wo der Weg von Schwarz mit seiner neuen Mannschaft hinführen soll. Eigentlich will der Ex-Profi, der in der Mainzer Schule der Trainerikonen Wolfgang Frank und Jürgen Klopp fußballerisch sozialisiert wurde, ein aggressives Pressing spielen lassen. Schnell und direkt soll bei eigenem Ballbesitz agiert werden.

Immer wieder betont Schwarz, dass es ein Prozess sei, in dem sich seine Mannschaft befinde. Sein Fußball, seine Spielzüge benötigen viel Zeit und viele Wiederholungen von jedem einzelnen Spieler. Doch genau dort liegt das Pro­blem: Schwarz muss einem Kader, der sich in der vergangenen Saison als kaum bundesligatauglich erwiesen hat, nicht nur neuen Schwung und eine moderne Spielidee vermitteln. Er tut dies seit Wochen zudem mit Personal, das von seiner finalen Zusammensetzung noch weit entfernt ist. Zwar werden fast täglich neue Namen mit Hertha in Verbindung gebracht, aktiv geworden ist Geschäftsführer Fredi Bobic bislang aber kaum. Der Grund: Er muss den Kader umbauen, dabei aber noch einen Transferüberschuss von 15 bis 20 Millionen Euro erzielen.

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Auf dem Transfermarkt hapert es noch

Erst wenn teure Profis wie Krzysztof Piatek und Omar Alderete lukrativ an den Mann gebracht wurden, können Verstärkungen gekauft werden, die auch Ablöse kosten. Von den bisherig fünf Neuzugängen Filip Uremovic, Jonjoe Kenny, Chidera Ejuke, Ivan Sunjic und Jessic Ngankam kostete nur Letztgenannter 2 Millionen Euro. Viel wird sich am Kader noch ändern, laut Bobic vermutlich sogar bis weit nach Saisonstart. Das Personalvakuum bis dahin könnte die ­Chance für Talente sein: Derry Scherhant (19) erhielt nach 24 Scorerpunkten im Regionalligateam einen Profivertrag und brachte in der Vorbereitung mit Geschwindigkeit und Abschlussstärke eine neue Komponente ins Berliner Angriffsspiel. Vielleicht wird er nach Präsident und Trainer schon bald das dritte junge Gesicht, das den Hertha-Anhang zum Träumen anregt.

Prognose des Autors: Nach dem emotionalen Klassenerhalt zeigten sich alle Berliner Protagonisten demütig und willens, es in der kommenden Saison besser zu machen. Von den Investorenmillionen ist aber nichts mehr übrig, Verstärkungen sind weiter nicht in Sicht. Unter den aktuellen Umständen ist Hertha erneut ein Abstiegskandidat.

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