17. Januar 2022 / 17:52 Uhr

Wieso in die Stadionfrage von Hertha BSC schon bald Bewegung kommen könnte

Wieso in die Stadionfrage von Hertha BSC schon bald Bewegung kommen könnte

Ronald Tenbusch
Märkische Allgemeine Zeitung
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Gegenwart und Zukunft von Hertha BSC Seite an Seite? So stellt sich der Fußball-Bundesligist seine neue Arena direkt in Sichtweite zum Olympiastadions (l.) vor. © HH Vision
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Seit fünf Jahren spricht Hertha BSC über seine Stadionneubau-Pläne. Wirklich voran gekommen ist man seither nicht. Nun präsentiert Hertha neue Modell-Bilder. Und auch hinter den politischen Kulissen scheint sich einiges zu tun.

Viele Überraschungen gab es auf der digitalen Mitgliederversammlung von Hertha BSC am Sonntag nicht zu bestaunen. Die wirtschaftlichen Zahlen der abgelaufenen Saison hatte der Fußball-Bundesligist bereits zuvor veröffentlicht. Sportlich sorgte das 0:0 gegen den VfL Wolfsburg vom Samstag weder für Jubelstürme beim Anhang, noch für Fans auf den Barrikaden. Kurz vor Ende der rund fünfstündigen Veranstaltung zog Finanz-Geschäftsführer Ingo Schiller dann aber doch noch eine kleine Überraschung aus dem Hut.

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Der 56-Jährige präsentierte neue Illustrationen des geplanten Stadionprojekts. Besonders auffällig: Aus dem bislang eckigen Stadion-Modell ist ein rundes geworden. Und, der Club plant weiterhin mit dem Standort an der Rominter Allee, nordöstlich des Olympiastadions. Dort, wo sechs Wohnhäuser mit 24 Einheiten bekanntlich im Weg stehen und bislang auch nicht weichen wollten. Schiller sagt dennoch: „Nach Überzeugung der Fachleute, aber auch nach unserer Überzeugung haben wir den richtigen Standort gefunden.“

Diese Vorschläge für ein Hertha-Stadion wurden bereits gemacht.

Bei der Präsentation der Standortanalyse am 30. März 2017 wurden zwei Neubauvarianten für eine neue Hertha-Arena präsentiert. Eine davon sah einen Neubau im brandenburgischen Ludwigsfelde vor, der bei den Fans wegen der weiten Entfernung auf große Proteste stieß. Zur Galerie
Bei der Präsentation der Standortanalyse am 30. März 2017 wurden zwei Neubauvarianten für eine neue Hertha-Arena präsentiert. Eine davon sah einen Neubau im brandenburgischen Ludwigsfelde vor, der bei den Fans wegen der weiten Entfernung auf große Proteste stieß. © Verein

Doch selbst, wenn sich Hertha mit der Wohnungsbaugenossenschaft in der Sportforumstraße einigen sollte, bislang scheitern die Pläne an viel höherer Stelle. Rund fünf Jahre kommuniziert Hertha nun schon öffentlich seine Pläne, das große Olympiastadion zu verlassen, um in ein kleineres Fußballstadion umzuziehen. Das Land Berlin schien bislang aber kein Interesse daran zu haben, diese Bemühungen zu unterstützen und seinen Ankermieter für das teure Olympiastadion zu verlieren.

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Mehr als fünf Millionen Euro zahlt der Fußballclub an die Betreibergesellschaft des Olympiastadions pro Jahr – in pandemischen Zeiten etwas weniger. Viel Geld, auf welches das Land Berlin als alleiniger Gesellschafter nicht verzichten will. So zumindest der Eindruck in den vergangenen fünf Jahren, in denen die Berliner Regierung Herthas Vorschläge entweder vom Tisch wies oder wenig zielführende Gegenvorschläge der Marke Tegel oder Tempelhof vorlegte.

Hinter verschlossenen Türen wird verhandelt

Seit dem 21. Dezember aber hat Berlin eine neue Regierung und damit habe sich die Lage verändert, sagt zumindest Knut Beyer. Er gründete 2018 mit einigen Mitstreitern die Initiative „Blau-Weißes Stadion“, die sich seither für einen Neubau auf dem Olympiagelände einsetzt. Sie wollen durch öffentliche Aktionen einerseits dafür sorgen, dass der Stadionneubau in der Berliner Landespolitik nicht in Vergessenheit gerät. Andererseits haben sie in den vergangenen Jahren immer wieder dafür gekämpft, dass der Dialog zwischen den Interessensgruppen intensiviert wird.

„Aktuell werden in den Fraktionen die Sprecherinnen und Sprecher gewählt, sowie beispielsweise die Mitglieder für den Sportausschuss. Sobald wir wissen, wer diese sind, werden wir die Kommunikation mit ihnen aufnehmen und natürlich auch wieder zum runden Tisch laden“, so Beyer. Dieser soll im Februar bereits zum achten Mal stattfinden und hinter verschlossenen Türen die unterschiedlichen Parteien ins Gespräch bringen.

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Dabei mussten Beyer und alle Hertha-Fans, die auf ein neues Stadion hinfiebern, Ende des vergangenen Jahres einen herben Dämpfer verschmerzen. Denn obwohl sich zwei (SPD und Grüne) der drei Regierungsparteien im Vorfeld positiv zum Herthaner Wunsch eines neuen Stadions äußerten, ließ sich im Koalitionsvertrag nicht ein Wort zur Absicht, dieses Projekt zu unterstützen, wiederfinden. Handelte es sich also nur um leere Wahlversprechen?

Beyer war zwar enttäuscht, hat aber einen anderen Blickwinkel auf den Koalitionsvertrag. „Wichtig ist, dass im Koalitionsvertrag nichts Gegenteiliges steht. Das wäre dann wirklich ein Schlag vor den Bug gewesen“, sagt er. Positiv stimme ihn zudem, wie sich die Kommunikation und der Austausch zwischen den Gesprächspartnern verändert habe.

Beyer erwartet noch im Jahr 2022 eine belastbare Aussage der Politik

„Ich werde über Inhalte unserer Runde hier nichts verraten. Aber ich kann sagen, dass sich die Diskussionskultur zum Positiven gewandelt hat und es immer besser aussieht“, so Beyer. Immer besser für ein neues Stadion in Berlin. Ein Ausweichen nach Brandenburg, welches immer wieder als Alternative genannt wird und jüngst durch einen Antrag, der aber wieder zurückgezogen wurde, auch bei der Mitgliederversammlung besprochen werden sollte, ist für die Initiative nicht die große Lösung. „Es gibt viele Hertha-Fans in Brandenburg und die Verkehrsanbindung an den Speckgürtel ist gut. Dennoch bleibt Hertha ein Berliner Sportclub. Und zudem ist vieles von dem, was da besprochen wurde, bereits Geschichte“, so Beyer. Gemeint ist ein Ausweichen auf den Brandenburgpark in Ludwigsfelde (Teltow-Fläming). Dieses Areal, welches auch von Hertha BSC zu Beginn als Alternative ins Spiel gebracht wurde, ist mittlerweile anderweitig verplant.

Und so richten sich alle Blicke auf die Hauptstadt und ihre Politiker. Knut Beyer erwartet noch im Jahr 2022 eine belastbare Aussage des Landes Berlin. 2025 endet der Mietvertrag von Hertha BSC im Olympiastadion. Dann wollte man eigentlich in der neuen Arena sein. Dieser Termin ist nicht mehr zu halten. Anschließend kann die „Alte Dame“ den Vertrag per Option zu erhöhten Konditionen bis 2030 verlängern. Spätestens dann, so Beyer, sieht er Hertha im neuen Stadion.

Hertha-Finanzchef Schiller beziffert die Bauzeit für den Neubau auf 30 Monate. Von der Entscheidung bis zur Fertigstellung werde es aber noch Jahre dauern, betonte er. 2030 ist näher als man denkt. Denn eines machte Schiller am Sonntag ebenfalls klar: „Gerade für die wirtschaftliche Situation ist das Stadion das wichtigste Projekt des Vereins.“

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