24. Januar 2022 / 18:55 Uhr

Zwischenbilanz für den neuen Hertha-Trainer: Der große Korkut-Effekt ist nicht erkennbar

Zwischenbilanz für den neuen Hertha-Trainer: Der große Korkut-Effekt ist nicht erkennbar

Ronald Tenbusch
Märkische Allgemeine Zeitung
Tayfun Korkut übernahm die sportlichen Geschicke bei Hertha BSC im vergangenen November.
Tayfun Korkut übernahm die sportlichen Geschicke bei Hertha BSC im vergangenen November. © Getty (Montage)
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Nach dem Amtsantritt von Coach Tayfun Korkut schien Hertha BSC auf einem guten Weg zu sein. Auf anfängliche Erfolge folgten zuletzt jedoch schwache Vorstellungen. Die Zahlen zeigen, was der Trainerwechsel den Berlinern unterm Strich gebracht hat.

Wirklich überraschend kam die Niederlage gegen den FC Bayern nicht. Und doch, der Klassenunterschied, der sich den Zuschauern im Olympiastadion zeigte, war erschreckend groß. Mit dem 1:4 (0:2) war Fußball-Bundesligist Hertha BSC am Sonntag gegen den deutschen Rekordmeister noch sehr gut bedient, denn viele der 29 Münchener Torschüsse verfehlten ihr Ziel nur knapp oder wurden vom über weite Strecken glänzend parierenden Torhüter Alexander Schwolow entschärft.

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Es gebe „einige Dinge, die zusammenkommen müssen“, um gegen konzentriert auftretende Bayern etwas holen zu können, sagte Trainer Tayfun Korkut nach der Partie und benannte derer drei: „Eine gute Defensivarbeit, ein Stück weit Glück – und die Momente, die man selbst hat, auch zu nutzen.“ Dass es gegen das Starensemble von der Isar also nicht zu mehr reichte, war kein Wunder. Denn von den drei Puzzleteilen einer Überraschung hatten die Berliner nur eines für sich beanspruchen können: Glück.

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Einsatz und Laufbereitschaft waren den Herthanern zwar nicht abzusprechen, im Defensivverhalten offenbarten sich dennoch einmal mehr eklatante Missstände. Die neu formierte Abwehrreihe um Dedryck Boyata und die beiden Teenager Linus Gechter (17) und Marton Dardai (19) wirkte mit der Aufgabe teilweise überfordert. Bei Corentin Tolissos Treffer zum 1:0 (25.) ließ Dardai seinen Gegenspieler unbedrängt zum Abschluss kommen, beim 2:0 von Thomas Müller (45.) gab es gleich gar keine Bewachung. Auch die weiteren Tore durch Leroy Sané (75.) und Serge Gnabry (79.) fielen in Folge großer individueller Fehler.

Nun ist die außergewöhnliche Offensive des FC Bayern mit Sicherheit nicht das Maß, an dem sich eine Hertha-Abwehr in der aktuellen Situation messen lassen muss. Dennoch lässt sich auch allgemein feststellen, dass die Hauptstädter in der Defensive einfach keine Stabilität in ihr Spiel bekommen, auch nicht unter Korkut. Seit der 47-Jährige den Job bei der Hertha übernommen hat, kassiert sein Team in der Liga durchschnittlich 2,14 Tore pro Spiel. Das ist noch schlechter, als es an den ersten 13 Spieltagen unter Vorgänger Pal Dardai der Fall war (2,07).

Mehr Tore, aber auch mehr Gegentore

Zumindest in der Offensive ist Hertha unter Korkut gefährlicher geworden. In den ersten sieben Ligaspielen mit neuem Coach trafen Stevan Jovetic und Co. im Schnitt 1,28 Mal pro Partie, unter Dardai lag der Wert bei 1,0. Doch auch hier ist der Trend nicht der Freund von Korkut und seiner Mannschaft. In den ersten drei Rückrundenpartien in der Liga gelangen nur zwei Treffer. Einer davon war Jurgen Ekkelenkamps Ehrentreffer zum 1:4 gegen den FC Bayern (80.). Nachdem die Berliner in den ersten Spielen unter Korkut noch mit präziserem und mutigerem Kombinationsspiel auffielen, macht es nun den Anschein, als würde das Team wieder vermehrt in alte Muster verfallen.

Waren die anfänglich guten Ergebnisse nach der Übernahme Korkuts mit sieben Punkten aus den ersten vier Spielen und einem sensationellen Heimsieg gegen Borussia Dortmund also nur Kurzzeit-Effekte? Klar ist nur, dass Korkut (1,14) im Schnitt lediglich 0,06 Punkte pro Spiel mehr geholt hat als Dardai (1,08). Auf 34 Spiele gerechnet holt er damit zwei Punkte mehr als der Ungar. Zwei Punkte, die im Abstiegskampf Gold wert sein könnten. Um sich in die obere Tabellenhälfte zu begeben, ist das jedoch zu wenig.


Diese Vorschläge für ein Hertha-Stadion wurden bereits gemacht.

Bei der Präsentation der Standortanalyse am 30. März 2017 wurden zwei Neubauvarianten für eine neue Hertha-Arena präsentiert. Eine davon sah einen Neubau im brandenburgischen Ludwigsfelde vor, der bei den Fans wegen der weiten Entfernung auf große Proteste stieß. Zur Galerie
Bei der Präsentation der Standortanalyse am 30. März 2017 wurden zwei Neubauvarianten für eine neue Hertha-Arena präsentiert. Eine davon sah einen Neubau im brandenburgischen Ludwigsfelde vor, der bei den Fans wegen der weiten Entfernung auf große Proteste stieß. © Verein

Die Berliner verharren vor der Bundesligapause auf dem 13. Rang der Tabelle, bei lediglich drei Zählern Vorsprung auf den Relegationsplatz. „Es ist nicht der erste Verein, den ich in so einer Situation übernehme. Man muss wachsam sein und alles gut beobachten. Trotz allem ist auch Ruhe wichtig und der Glaube an das, was wir machen“, so Korkut am Montag.

Nach der kurzen Länderspielpause geht es für Hertha erst gegen den VfL Bochum (4. Februar) und dann gegen Greuther Fürth (12. Februar). Beide Teams stehen wie Hertha in der unteren Tabellenhälfte und konnten in der Hinrunde geschlagen werden. Gegen die Übermannschaft des FC Bayern muss man nicht punkten, gegen die beiden direkten Konkurrenten hingegen schon. Sonst wird es auch für Korkut ganz schnell eng.