23. März 2022 / 10:24 Uhr

Das Protokoll der ersten Magath-Tage bei Hertha BSC: Wie der Trainer-Routinier die Hoffnung zurückbrachte

Das Protokoll der ersten Magath-Tage bei Hertha BSC: Wie der Trainer-Routinier die Hoffnung zurückbrachte

Ronald Tenbusch
Märkische Allgemeine Zeitung
Wartet noch auf sein Debüt an der Seitenlinie bei Hertha BSC: Felix Magath
Wartet noch auf sein Debüt an der Seitenlinie bei Hertha BSC: Felix Magath © Getty Images
Anzeige

Am Wochenende feierte Hertha BSC unter Felix Magath den ersten Sieg im Jahr 2022 – es war der Höhepunkt eines ereignisreichen Trainer-Starts.

Er kam, sah und siegte – zumindest im ersten von acht Endspielen. Seit nunmehr zehn Tagen ist Felix Magath Cheftrainer von Hertha BSC. Geholt, um den Hauptstadtklub vor dem Absturz in die 2. Liga zu bewahren. In den vergangenen drei Jahren war es selten ruhig um die „Alte Dame“, doch die letzten eineinhalb Wochen setzten auch in dieser Hinsicht noch einen drauf. Das Magath-Protokoll:

Anzeige

Montag, 14. März: Am Vorabend, kurz nach halb acht, hatte Hertha BSC die Bombe platzen lassen. Felix Magath beerbt den wenige Stunden zuvor entlassenen Tayfun Korkut als Trainer der Berliner Hertha und wagt, zehn Jahre nach seiner Entlassung beim VfL Wolfsburg, die Rückkehr in die Bundesliga. Bei seiner Vorstellung im Medienraum des Olympiageländes gibt sich der 68-Jährige im feinen grauen Anzug gewohnt selbstbewusst. „Ich sehe in dieser Aufgabe etwas, was auf mich zugeschnitten ist. Ich möchte Hertha BSC helfen und den Klub in der Liga halten.“ Assistieren soll ihm dabei der schottische Co-Trainer Mark Fotheringham, den Magath von seiner Station beim FC Fulham kennt. Magath bezieht in Berlin ein Hotelzimmer. Sport-Geschäftsführer Fredi Bobic betont, es brauche nun „Erfahrung und eine klare, harte Hand im Umgang mit den Spielern. Dafür steht Felix Magath.“

Kein Zirkeltraining mit Medizinbällen

Dienstag, 15. März: Magath bittet auf dem Schenckendorffplatz zur ersten Einheit seiner Amtszeit. Zuvor hatte er die Mannschaft bei einem gemeinsamen Frühstück kennengelernt. Wer jedoch endlose Ausdauerläufe und Zirkeltraining mit Medizinbällen erwartet hatte, wurde enttäuscht. Pass-, Sprint- und Koordinationsübungen stehen im Vordergrund, abgerundet von einem Abschlussspiel. Magath beobachtet vor allem aus der Distanz, nimmt sich vereinzelt Spieler zum Gespräch zur Seite. Assistent Mark Fotheringham tritt hingegen sehr lautstark auf. Er leitet die Einheit überwiegend, gibt immer wieder Kommandos, macht selbst mit und feuerte die Spieler, die er alle bereits mit Namen anspricht, in Deutsch mit leicht schottischem Einschlag an.

Mittwoch, 16. März: Das Team von Trainer Felix Magath erhält weitere Verstärkung. Mit Werner Leuthard stößt ein Athletiktrainer zur Hertha, der ebenso wie Magath einen Ruf als „Schleifer“ besitzt. Nicht umsonst trägt der Oberleutnant der Reserve den Spitznamen „General“. Während er und Fotheringham die Einheiten leiten, begutachtet Magath das Treiben von einem nahegelegenen Sprinthügel. Unterdessen gibt es das erste Magath’sche Trainingsopfer. Winterneuzugang Fredrik Björkan muss nach mehreren Sprintübungen völlig erschöpft aufgeben und wird mit Kreislaufproblemen im Golf-Cart abtransportiert.

Anzeige

„Boss“ Magath coacht aus Hotelzimmer

Donnerstag, 17. März: Am Nachmittag erlebt Magaths Rettungsmission den ersten großen Rückschlag. Kaum in Berlin angekommen, hat sich der Fußballlehrer mit Corona infiziert. Er klagt zwar nur über „leichte Symptome“, dennoch muss Magath in Quarantäne. Nicht nur die letzten Trainingseinheiten der Woche, auch das wichtige erste Bundesligaspiel gegen Hoffenheim am Samstag wird er aus seinem Hotelzimmer verfolgen müssen.

Freitag, 18 März: In Abwesenheit von Magath stimmt Co-Trainer Mark Fotheringham Spieler, Fans und Medien auf die Hoffenheim-Partie ein. Der energetische 38-Jährige will bei der Mannschaft vor allem „Fokus und Überzeugung“ schärfen. Alles andere werde er mit seinem „Boss“ Magath besprechen.

Perfekter Start in die Mission Klassenerhalt

Samstag, 19. März: Showtime im Berliner Olympiastadion. Gegen Hoffenheim bestreitet Hertha das erste Spiel seit der Amtsübernahme Magaths. Der verfolgt die Partie vor dem Fernseher, lässt sich vor der Partie und in der Halbzeitpause zur Mannschaft schalten, führt Einzelgespräche mit Spielern und ist im ständigen Kontakt zum Trainerteam. Mit Erfolg: Mit dem engagierten Fotheringham an der Seitenlinie und den Instruktionen Magaths gelingt der perfekte Start in die Mission Klassenerhalt – 3:0 gegen die TSG.

Sonntag, 20. März: Magath lässt sich am Tag nach dem Sieg in eine Sendung der Bild schalten. Noch immer leicht verschnupft, lobt er die gute Zusammenarbeit seines Trainerteams in dieser ungewohnten Situation und kündigt seine Rückkehr auf den Trainingsplatz für Donnerstag an. In der selben Sendung kommt es auch zum ersten Kennenlernen mit Hertha-Investor Lars Windhorst, der mit seinen Attacken gegen das Berliner Vereinspräsidium wenige Minuten später für das nächste öffentlich Beben bei der Hertha sorgen wird.

Ibisevic vertritt Magath und Fotheringham

Montag, 21. März: Während die Mannschaft trainingsfrei hat, machen sich neun Spieler zu ihren Nationalmannschaften auf. Peter Pekarik, mit dem Magath schon in Wolfsburg zusammenarbeitete, verzichtet nach Gesprächen mit dem Trainer und Boss Bobic auf seine Reise zur slowakischen Nationalmannschaft.

Dienstag, 22. März: Trainingsauftakt in die erste Woche der Länderspielpause. Magath fehlt weiterhin coronabedingt. Am Mittwoch kann er sich aber endlich freitesten, um Donnerstag wieder bei der Mannschaft zu sein. Kurios: Mit Rückenbeschwerden fehlt nun auch Co-Trainer Fotheringham. Offensiv-Coach Vedad Ibisevic leitet die Einheit. Ein Kurztrainingslager für die Woche vor dem nächsten Spiel in Leverkusen ist in Planung. Dann soll es endlich das endgültige Magath-Comeback in der Bundesliga geben.

[Anzeige] Alle Spiele der Fußball WM live und exklusiv bei MagentaTV. Mit dem Tarif MagentaTV Flex für nur 10€ pro Monat, monatlich kündbar.