11. Februar 2020 / 21:12 Uhr

Lothar Matthäus kritisiert Jürgen Klinsmann nach Hertha-Rücktritt: "Eine Schublade tiefer gerutscht"

Lothar Matthäus kritisiert Jürgen Klinsmann nach Hertha-Rücktritt: "Eine Schublade tiefer gerutscht"

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Lothar Matthäus (r.) sieht den Rücktritt von Jürgen Klinsmann (l.) kritisch. 
Lothar Matthäus (r.) sieht den Rücktritt von Jürgen Klinsmann (l.) kritisch.  © imago images/Bernd König/Nordphoto/Montage
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Jürgen Klinsmann muss für seinen Rücktritt als Trainer von Hertha BSC harte Kritik einstecken. Sein früherer Mitspieler Lothar Matthäus sieht die Trainer-Zukunft von Klinsmann beschädigt und wirft ihm Egoismus vor. 

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Das plötzliche Aus von Coach Jürgen Klinsmann bei Hertha BSC hat große Wellen in Fußball-Deutschland geschlagen. Sein früherer Mitspieler Lothar Matthäus sieht das Trainer-Image von Klinsmann nun beschädigt. "Wenn man nach zehn Wochen hinschmeißt, ist der Name Klinsmann bei manchen Vereinen sicher eine Schublade tiefer gerutscht", sagte der Rekordnationalspieler bei Sky. "Jürgen ist jemand, der Machtmensch ist, der dann alles oder nichts spielt. Ich gehe davon aus, dass das entscheidend war", so Matthäus. Der Rekordnationalspieler weiter: "Ich bin von Jürgen einiges gewohnt – im positiven wie im anderen Sinne. Aber das hat mich natürlich umgehauen. Jürgen ist konsequent, das war er schon immer. Und das hat er jetzt wieder gezeigt."

Als Teamplayer sieht er Klinsmann nach seinem plötzlichen Rücktritt, mit dem er auch Manager Michael Preetz und seine Spieler überrascht nicht. "Absolut nein. Jürgen ist, wie viele Mittelstürmer, sehr egoistisch gewesen in seiner Laufbahn. Erst mal ich und dann die Mannschaft und der Klub. An oberster Stelle war immer Jürgen." Laut des einstigen Bundesliga-Stars hat er durch diesen Schritt einigen Kredit bei den Fans verspielt. "Jetzt sind die Hertha-Fans wahrscheinlich nicht nur geschockt, sondern auch enttäuscht von Jürgen Klinsmann. Sie sind ihm gefolgt, haben ihm vertraut – und dieses Vertrauen hat er jetzt verspielt."

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Völlig überraschend ist Jürgen Klinsmann als Trainer von Hertha BSC zurückgetreten. Der <b>SPORT</b>BUZZER zeigt, wie die internationale Presse auf die Nachricht reagiert! Zur Galerie
Völlig überraschend ist Jürgen Klinsmann als Trainer von Hertha BSC zurückgetreten. Der SPORTBUZZER zeigt, wie die internationale Presse auf die Nachricht reagiert! ©

Matthäus prognostiziert Klinsmann düstere Trainer-Zukunft

Matthäus prognostiziert dem Ex-Hertha-Coach eine düstere Zukunft - zumindest was künftige Trainerjobs angeht. "Jetzt wird's schwierig. Er braucht auch das Vertrauen der Verantwortlichen. Ich glaube, dass Vereine, die einen Trainer suchen und das jetzt alles mitbekommen, sich das genau anschauen. Wenn man nach zehn Wochen hinschmeißt, nach diesem großen Investment, nach dieser großen Euphorie, die man selbst geschürt hat – dann ist der Name Klinsmann bei anderen Vereinen wahrscheinlich eine Schublade tiefer gerutscht."

Laut Klinsmann war die mangelnde Entscheidungsgewalt ein Grund für seinen Rücktritt. "Nach meinem Verständnis sollte ein Trainer – nach dem englischen Modell – die gesamte sportliche Verantwortung tragen. Also auch über Transfers. Das gibt der Position wesentlich mehr Power", betonte der frühere Bundestrainer in einem Interview mit der Bild.

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"Die letzten Wochen haben viel zu viel Energie gekostet, die in Nebensächlichkeiten verbraucht wurden. Wenn ich als Trainer für eine Mannschaft zuständig bin, will ich auch meine Energie in die Arbeit MIT der Mannschaft stecken", äußerte er. SPORTBUZZER-Informationen, wonach auch die Vertragslaufzeit ein Streitpunkt gewesen sei, bestätigte Klinsmann zumindest indirekt: "Ich hatte ja nicht einmal eine schriftliche Vertrags-Vereinbarung für diese Saison. Das zog sich seit zehn Wochen hin. Richtig ist: Wir haben mal über eine mittelfristige Zusammenarbeit gesprochen und über die Kompetenzen diskutiert."

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Das Engagement von Jürgen Klinsmann als Hertha-Trainer hat nach nur zehn Wochen ein abruptes Ende gefunden - dann kam der chaotische Abschied samt Zwist mit der Vereinsführung. Der SPORTBUZZER zeigt die Chronologie von Klinsmanns Zeit bei Hertha - und des Trubels danach! ©

Doch nicht nur Matthäus sieht den Rücktritt von Matthäus skeptisch. Dass es keine gemeinsame Erklärung mit dem Verein gegeben habe, sei "ein Indiz dafür, dass jemand eher auf sich selbst achtet und nicht auf die Gepflogenheiten, die in einem Bundesligaverein vonnöten sind", kritisierte der frühere Vorstandsboss von Eintracht Frankfurt, Heribert Bruchhagen.